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08.01.2019, 10:00

Großer deutscher Hoffnungsträger im kicker-Interview

Kohlbacher: "Wenn Prokop eine Variante ansagt, haben wir Folge zu leisten"

In der Karriere von Kreisläufer Jannik Kohlbacher (23) geht es seit einigen Jahren in Höchstgeschwindigkeit voran: Im ersten Teil des großen kicker-Interviews spricht der Europameister von 2016 über seine beeindruckende körperliche Stärke, die Konkurrenz in der Nationalmannschaft und ein großes Vorbild aus Jugendtagen.

Bekommt er am Kreis den Ball, springt mindestens ein Siebenmeter raus: Jannik Kohlbacher sprach vor der Heim-WM mit dem kicker.
Bekommt er am Kreis den Ball, springt mindestens ein Siebenmeter raus: Jannik Kohlbacher sprach vor der Heim-WM mit dem kicker.
© imago (2)Zoomansicht

Im Gespräch mit dem kicker Anfang Dezember wählte Steffen Weinhold bezeichnende Worte für seinen Nationalmannschaftskollegen. "Mit Jannik habe ich schon in Großwallstadt zusammen trainiert, da war er glaube ich 15. Schon in diesem Alter konnte man ihn nicht vom Kreis wegschieben", so der Linkshänder vom THW Kiel: "Im Angriff ist er wirklich ein Weltklasse-Kreisläufer geworden, er zieht die Bälle an sich und verwandelt die Zuspiele mit einer sehr guten Quote. Natürlich kommt ihm das Zusammenspiel mit Andy Schmid jetzt auch entgegen." Kohlbacher hat einen steilen Aufstieg hinter sich - und der womöglich größte deutsche Hoffnungsträger der jüngeren Generation vertritt klare Ansichten.

kicker: Beim letzten WM-Titel der deutschen Mannschaft waren Sie noch keine zwölf Jahre alt. Welche Erinnerungen haben Sie überhaupt an das Turnier, Herr Kohlbacher?

Jannik Kohlbacher: Am meisten erinnere ich mich an das Halbfinale gegen Frankreich, wo es in die Verlängerung ging - vor allem an Henning Fritz (deutscher Nationalkeeper, d.Red.), der den letzten Ball noch gehalten hat. Natürlich auch ans Finale gegen Polen, wo man sich durchsetzen konnte. Grundsätzlich erinnere ich mich aber vor allem an die ganze Euphorie, die in Deutschland ausgebrochen ist. Egal, wo man hinkam und egal wer: Man hat immer etwas über Handball gehört.

kicker: Sie sprechen die Euphorie gleich an. Wäre das eine Wunschvorstellung, dass es jetzt wieder genauso wird?

Kohlbacher: Definitiv. Was da damals in Deutschland los war, das war unfassbar. Ich glaube, genau so etwas braucht man, um erfolgreich zu sein. So etwas kann einen extrem nach vorne peitschen.

kicker: In der Nationalmannschaft ging es für Sie fast immer steil nach oben. U-18-Europameister 2012, WM-Bronze 2013 - und dann auch noch der sensationelle EM-Titel mit der A-Nationalmannschaft in Polen 2016. Wie haben Sie für sich persönlich die letzten beiden Turniere weggesteckt, die nicht nach Plan liefen?

Kohlbacher: Natürlich stellt man sich das immer ein bisschen anders vor. Dennoch gibt es mittlerweile sehr viele Mannschaften, die auf Augenhöhe sind. Da entscheidet die Tagesform oder die Euphorie und der Umstand, ob man in einen Flow reinkommt. Beim letzten Turnier in Kroatien hatten wir bis zum letzten Spiel alles selbst in der Hand: Hätten wir gegen Spanien gewonnen, wären wir ins Halbfinale gekommen. Unser Ausscheiden fand ich da ziemlich ärgerlich. Beim Turnier davor haben wir in Katar eine hervorragende Vorrunde gespielt, wobei wir dann unerwartet und wahrscheinlich nicht ganz so verdient gegen Katar ausgeschieden sind. Man kann also viele positive Schlüsse daraus ziehen, auch wenn man generell über die Fehler sprechen muss.

Wenn der Trainer eine Variante ansagt, haben die Spieler dem Folge zu leisten. Da besteht gar kein Diskussionsbedarf.

kicker: Sie haben das Spanien-Spiel angesprochen. Da fällt mir spontan ein, dass da die Variante des siebten Feldspielers ein großes Thema hinterher war. Sie als Kreisläufer können das ganz gut beurteilen - auch weil ihr Trainer bei den Rhein-Neckar Löwen, Nikolaj Jacobsen, das immer wieder gerne einstreut.

Kohlbacher: Das ist auf jeden Fall eine gute Variante. Da hat man ein Sieben-gegen-sechs, womit man wahrscheinlich eine größere Chance hat, ein Tor zu erzielen. Die Abwehr kann nicht so offensiv herauskommen, wie die Spanier das zum Teil auch gerne machen. Und wenn der Trainer eine Variante ansagt, haben die Spieler dem Folge zu leisten. Da besteht gar kein Diskussionsbedarf.

kicker: In Ihrer Karriere ging es schnell nach oben: Nach der Insolvenz von Großwallstadt kamen die ersten Bundesliga-Einsätze in Wetzlar und dann auch der EM-Titel 2016. War es vielleicht ein Vorteil, dass man im engen Spielkalender gar nicht so viel Zeit hatte, um darüber nachzudenken?

Kohlbacher: Im Prinzip ging alles schneller als gedacht. Ich habe natürlich nie erwartet, überhaupt mal irgendwann in der A-Nationalmannschaft zu spielen. Dennoch, von der Karriere-Planung her: Erst Jugend in Großwallstadt, dann Leutershausen, zweite Liga in Großwallstadt, Wetzlar und jetzt seit Sommer bei den Rhein-Neckar Löwen - das ist genau so, wie wir das vorhatten und geplant haben. Immer einen Entwicklungsschritt nach dem anderen, für mich ist das optimal verlaufen. Dass ich jetzt mit 23 zu den Löwen wechseln durfte, das habe ich mir nicht vorstellen können. Umso mehr freut einen das.

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kicker: Die Konkurrenz am Kreis ist in der Nationalmannschaft groß. Die Kieler Kreisläufer Pekeler und Wiencek haben zumindest in puncto Erfahrung und Abwehr einen kleinen Vorteil, Sie haben im Angriff auch immer wieder Ihren Wert nachgewiesen. Wie sieht das Miteinander unter Ihnen aus?

Kohlbacher: Im Prinzip ist das bei uns im Angriff eigentlich egal, wer spielt. Ich denke, dass wir da alle drei relativ gleichwertig sind. Zum Thema Abwehr: Meine Auffassung ist, dass die anderen beiden einfach eine andere Position spielen als ich. In meinen Augen kann man das nicht ganz so vergleichen. Dennoch spielen beide im Innenblock, spielen in Kiel und bei der Nationalmannschaft zusammen. Sie machen das richtig stark, was man Woche für Woche in der Liga sieht. Das kann uns enorm weiterhelfen.

Ich könnte mich jetzt zwar auf die Bank legen und 150, 160 Kilogramm drücken. Ob ich das brauche, ist die andere Frage.

kicker: Im nationalen und internationalen Handball gibt es gerade einige Kandidaten. Wer ist für Sie der aktuell stärkste Kreisläufer der Welt?

Kohlbacher: Das ist eine schwierige Frage (überlegt länger). Ich denke, gerade Aguinagalde (Julen, spanischer Weltklasse-Kreisläufer; d.Red.) macht das schon richtig gut. Er spielt das sehr konstant seit vielen, vielen Jahren - bei der Nationalmannschaft und im Verein. Er ist, denke ich, gerade im Angriff der Stärkste.

kicker: Gab es in Ihrer Jugend einen Kreisläufer, zu dem Sie besonders aufgeschaut haben - wenn ja, warum?

Kohlbacher: Früher war ich ein sehr großer Fan von Marcus Ahlm (von 2003 bis 2013 beim THW Kiel, d.Red.). Er hat jedes Spiel vorne und hinten komplett geackert, er war immer mit 100 Prozent Einsatz und Leidenschaft dabei. Er war ein Spieler, der sowohl vorne als auch hinten Weltklasse war. Auch in der schwedischen Nationalmannschaft hat er überragend gespielt (u.a. Europameister 2002, d.Red.).

kicker: Ihr eigenes Spiel lebt von der Körperlichkeit. Die 160 Kilogramm beim Bankdrücken hat Oliver Roggisch 2016 immer wieder erwähnt. Ist das ein Bereich, in dem Sie sich weiter gesteigert haben oder würde so etwas ab einem gewissen Punkt zu Lasten der Athletik gehen, die Sie fraglos im Bundesliga-Alltag brauchen?

Kohlbacher: Grundsätzlich habe ich das Bankdrücken seit meiner Ellenbogen-OP im Mai etwas heruntergeschraubt. Ich könnte mich jetzt zwar auf die Bank legen und 150, 160 Kilogramm drücken. Ob ich das brauche, ist die andere Frage. Für meine Athletik brauche ich nicht unbedingt so viel Krafttraining.


Im zweiten Teil des kicker-Interviews spricht der gebürtige Hesse über seine Zeit bei den Löwen, Spielmacher Andy Schmid, Europa-League-Teilnehmer Eintracht Frankfurt und Druck bei der Heim-WM zu sagen hat.

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Pl. VereinTorePkte.
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