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18.12.2018, 08:50

WM-Held von 2007 im ausführlichen kicker-Gespräch

Weltmeister Klein im Interview: "Das hätte Prokop ja gar nicht nötig"

Er ist einer der Helden von 2007, seine Karriere gepflastert mit großen nationalen und internationalen Erfolgen - und bei seinem Abschiedsspiel in Kiel vor zwei Jahren flossen nicht von ungefähr reichlich Tränen: Dominik Klein (35) spricht im ersten Teil des zweiteiligen kicker-Interviews über die WM, die deutsche Mannschaft - und die "überzogene Kritik" an Bundestrainer Christian Prokop.

Auch elf Jahre danach hat er immer noch ein breites Grinsen beim Gedanken an den WM-Titel im Gesicht: Dominik Klein.
Auch elf Jahre danach hat er immer noch ein breites Grinsen beim Gedanken an den WM-Titel im Gesicht: Dominik Klein.
© imago (2)Zoomansicht

Dominik "Mini" Klein ist jedem deutschen Handball-Fan ein Begriff: Im beschaulichen Miltenberg in Unterfranken geboren, landete der pfeilschnelle Linksaußen 2006 beim THW Kiel, wo er ein Jahrzehnt lang den Verein mit prägte. Acht deutsche Meisterschaften, sechs deutsche Pokalsiege und drei Champions-League-Titel sprechen für sich. Den größten Erfolg seiner beeindruckenden Karriere, die er im Sommer im französischen Nantes beendete, feierte Klein vor über elf Jahren.

kicker: Der 4. Februar 2007 war ein geschichtsträchtiger Tag für den deutschen Handball. Welche Erinnerungen haben Sie persönlich an den WM-Titel mit der DHB-Auswahl, Herr Klein?

Dominik Klein: Das Schöne ist, wenn man die eigene Karriere beendet hat und jetzt als Botschafter unterwegs ist, hat man mehr Zeit, darüber nachzudenken. Der WM-Titel wird immer präsenter. Goldene WM-Kronen und Heiner-Brand-Bärte - diese bildlichen Erinnerungen kommen immer häufiger und sind natürlich etwas sehr Schönes.

kicker: Beim Fußball war in diesem Jahr das Wort "Umbruch" das womöglich meistdiskutierte. Im Handball gestaltete sich dieser in der jüngeren Vergangenheit auch wegen stetiger Verletzungen von Hoffnungsträgern wie Paul Drux oder Simon Ernst eher schwierig. Wo sehen Sie das deutsche Team da gerade?

Klein: Wenn man den EM-Titel 2016 trotz dieser jungen Generation einfährt, dann ist Umbruch vielleicht nicht das passende Wort. Wir hatten da ja diesen Hunger mit jungen Spielern entwickelt. Somit glaube ich, dass sie wissen, wie gut es sich anfühlt - damals noch als Underdog. Jetzt sind die Erwartungen natürlich gestiegen, auch weil man die Möglichkeit hat, Handball-Deutschland wieder zu begeistern.

In die Kategorie 'Junges Talent, das es in den deutschen Kader schaffen und für Überraschungen sorgen kann' würde ich Franz Semper stecken.

kicker: Zur Nominierung: Im erweiterten deutschen Kader finden sich einige Talente. Welchem von den jüngeren Spielern trauen Sie bei der Heim-WM den Durchbruch zu?

Klein: In die Kategorie 'Junges Talent, das es in den deutschen Kader schaffen und für Überraschungen sorgen kann' würde ich Franz Semper stecken, der auch beim letzten Lehrgang dabei war und sich als Neuling über sehr gute Leistungen in der Bundesliga empfohlen hat. Allerdings ist es genau dieses Zusammenspiel zwischen den Jungen und den Erfahrenen, das funktionieren muss. Die Mannschaft hat gerade auf Grund des Abschneidens bei der EM in Kroatien gemerkt, dass man da noch enger zusammenstehen und noch mehr kommunizieren muss. Der Weg, den die DHB-Auswahl da eingeschlagen hat, war meiner Meinung nach aber schon ein positiver.

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kicker: Eine Problemzone könnte durchaus die Spielmacher-Position werden. Gerade so eine Achse wie die von Andy Schmid und Jannik Kohlbacher bei den Rhein-Neckar Löwen regt zum Nachdenken an. Fehlt der deutschen Mannschaft auf der Mitte ein Spieler von Weltklasse-Format?

Klein: Mit Martin Strobel wurde auf dieser Position nach der Analyse in Kroatien ja jetzt reagiert. Wir haben Weltklasse-Kreisläufer in unseren Reihen, die wir zum Einsatz bringen müssen. Da ist Martin Strobel auch mit seiner EM-Teilnahme 2016 der Erfahrenste. Wir haben aber auch mit Linkshändern, was immer unangenehm ist, mehrere Optionen, um noch unberechenbarer zu sein. Ich finde diese Konstellation eigentlich sehr interessant.

kicker: Was bedeutet der Ausfall von Julius Kühn (Kreuzbandriss) für die deutschen WM-Hoffnungen. Christian Prokop sagte bereits, dass er nicht "eins zu eins" zu ersetzen ist. Wem trauen Sie dennoch am ehesten zu, diese Rolle auszufüllen?

Klein: Julius Kühn wird mit seiner Urgewalt schwer zu ersetzen sein - auch wenn man da an die Freiwurf-Situationen denkt. Umso wichtiger wird es für die anderen, ihre Aufgaben zu kennen. Fabian Böhm wird im Eins-gegen-eins seine Stärken haben, Steffen Fäth hat auch diese Wurfgewalt im Arm, die er nutzen wird.

kicker: Zu Ihrer eigenen Position: Auf Linksaußen steht die DHB-Auswahl mit Kapitän Uwe Gensheimer und Bundesliga-Top-Torjäger Matthias Musche richtig gut da. Wo sehen Sie das Duo im weltweiten Vergleich?

Klein: Das Sportliche kann man schnell abhaken, da sind wir Weltklasse auf dieser Position. Es bleibt nur eben immer auch das Team im Team. Eine Position alleine wird kein Spiel gewinnen. Uwe hat noch eine viel größere Aufgabe, indem er als Kapitän gefordert ist, die Mannschaft zusammenzuhalten und die Kommunikation zum Trainer aufrechtzuerhalten.

Er ist teilweise sogar zu den Spielern gefahren, was man als Bundestrainer ja gar nicht unbedingt nötig hätte.

kicker: Nach der sportlich sicherlich enttäuschenden Europameisterschaft im Januar dieses Jahres wurde speziell mit Bundestrainer Christian Prokop extrem hart ins Gericht gegangen. Empfanden Sie die Kritik als gerechtfertigt?

Klein: Ich schaue da mal aus meiner persönlichen Sicht drauf, wie ich selbst als Spieler auf Trainer-Kritik reagiert habe. Da muss man als Spieler bei sich selbst anfangen und die Kommunikation suchen. Christian Prokop hat sich selbst reflektiert und sich für einen Weg entschieden, mit jedem darüber zu sprechen. Er hat ja unglaublich viele Gespräche geführt. Er ist teilweise sogar zu den Spielern gefahren, was man als Bundestrainer ja gar nicht unbedingt nötig hätte. Er muss gleichzeitig authentisch bleiben und sich das Vertrauen erarbeiten. Ob das im letzten Dreivierteljahr geklappt hat, wird sich gleich zu Turnierbeginn zeigen. Aber um noch gezielt auf Ihre Frage zu antworten: Die Kritik war teilweise schon sehr überzogen!


Im zweiten Teil des kicker-Interviews geht es um die außergewöhnliche französische Talentförderung, die WM-Favoriten, die besondere Rolle von Filip Jicha beim THW Kiel - und Kleins engen Kontakt mit der Handball-Abteilung des FC Bayern.

Interview: Maximilian Schmidt

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Die deutsche Mannschaft steht im WM-Halbfinale und hat den Titel bereits vor Augen. Einmal hat Bundestrainer Christian Prokop schon nachnominiert, während des Turniers sind maximal drei Wechsel mit Spielern aus dem erweiterten Kader möglich. Wer rückt für Martin Strobel nach?
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Weltmeisterschaft - Tabelle

Pl. VereinTorePkte.
1 Deutschland30:192
 
2 Frankreich24:222
 
3 Russland30:301
 
  Serbien30:301
 
5 Brasilien22:240
 
6 Team Korea19:300

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