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13.01.2018, 15:14

Bundestrainer Prokop überrascht mit Nominierung

Kollektiv statt Stars: Deutscher EM-Kader im Check

Die deutschen Handballer gehen als amtierender Europameister in das Turnier in Kroatien. Wie vor zwei Jahren Vorgänger Dagur Sigurdsson muss auch Bundestrainer Christian Prokop auf das Kollektiv setzen, denn große internationale Stars hat die DHB-Auswahl nicht. Wieder kein Problem? Der EM-Kader in der Analyse.

TOR

Nur zwei von ihnen waren beim EM-Triumph 2016 dabei: Julius Kühn, Silvio Heinevetter, Hendrik Pekeler und Uwe Gensheimer (v.l.).
Nur zwei von ihnen waren beim EM-Triumph 2016 dabei: Julius Kühn, Silvio Heinevetter, Hendrik Pekeler und Uwe Gensheimer (v.l.).
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Bei der letzten EM fehlte Silvio Heinevetter, weil Dagur Sigurdsson sich für Konkurrent Carsten Lichtlein und gegen den Schlussmann der Füchse Berlin entschied. Anschließend fand beim 33-Jährigen ein Umdenken statt, er steigerte sich konstant - bei der EM-Nominierung führte dann kein Weg mehr an ihm vorbei.

Seit dem letzten EM-Triumph 2016 in Polen ist auch den Nicht-Handball-Fans der Name Andreas Wolff ein Begriff. Der 26-Jährige wuchs beim kontinentalen Turnier über sich hinaus, wechselte dann im Sommer 2016 zum deutschen Rekordmeister nach Kiel. Dort tat ihm der Konkurrenzkampf mit Niklas Landin aber nicht gut, seine Leistungen waren in der Folge sehr schwankend. Seit der Wechsel 2019 zum polnischen Spitzenklub Kielce feststeht, geht es wieder deutlich bergauf.

LINKSAUSSEN

Auf Linksaußen hat die DHB-Auswahl mit Uwe Gensheimer einen der besten Spieler auf seiner Position weltweit. Der 31-Jährige mit dem "Gummi-Handgelenk" ist ein echter Leader, fehlte beim großen Wurf in Polen aber verletzungsbedingt. Auf Vereinsebene war sein Wechsel nach Paris die richtige Entscheidung, im letzten Jahr war erst im Champions-League-Finale Endstation. Seine Tore, auch vom Siebenmeterpunkt, dürften ganz wichtig auf dem Weg zur Titelverteidigung werden. Da Prokop auf Europameister Rune Dahmke verzichtete, trägt er jede Menge Verantwortung, denn er ist der einzige gelernte Linksaußen im aktuellen Kader.

RÜCKRAUM LINKS

Ein echte Angriffs-Waffe hat Christian Prokop im Melsunger Julius Kühn. Der sprung- und wurfgewaltige Rechtshänder netzte in der laufenden Spielzeit in 19 Partien bereits 119-mal ein - nur drei Bundesligaspieler trafen häufiger. Gleich wenn sich der 24-Jährige stabilisiert hat, kann seine Abschlussfreudigkeit einer Mannschaft auch mal zum Verhängnis werden.

Auf lange Sicht einer der großen Hoffnungsträger im deutschen Team ist Paul Drux. Allerdings warfen den zu Glanzzeiten im Eins-gegen-eins bärenstarken 22-Jährigen in der Vergangenheit immer wieder Verletzungen zurück. Der Alte ist er noch nicht, an einem guten Tag ist Drux aber auch kaum zu stoppen.

Nachgerückt in den DHB-Kader ist Maximilian Janke, der den verletzten Niclas Pieczkowski ersetzt. Überraschend erhielt der Leipziger den Vorzug vor Abwehrchef Finn Lemke, der wie zwei weitere Europameister kurz vor dem Abflug nach Kroatien noch gestrichen wurde. Was für ihn spricht? Zuvor unbekanntere deutsche Spieler trumpften schon in Polen groß auf.

RÜCKRAUM MITTE

Nicht nur in der Nationalmannschaft wurde Steffen Fäth über die Jahre eine feste Größe, auch bei den Füchsen Berlin spielt der Rechtshänder eine Hauptrolle. Seine Übersicht und seine Ruhe dürften auch in Kroatien guttun - im Sommer 2018 kehrt er zu den Rhein-Neckar Löwen zurück.

Eine echte Wurfmaschine ist Philipp Weber, der allerdings längere Zeit wegen eines Mittelfußbruches ausgefallen war. In den Tests gegen Island zeigte der wurfstarke Rechtshänder jedoch, dass er durchaus eine Verstärkung für die DHB-Auswahl sein kann.

RÜCKRAUM RECHTS

Spanien-Schreck: Europameister Kai Häfner.
Spanien-Schreck: Europameister Kai Häfner.
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Einer der großen Gewinner beim Turnier in Polen war ohne jede Frage auch Kai Häfner, der im Finale gegen Spanien mit sieben Toren zum besten deutschen Werfer avancierte. Auch auf Vereinsebene lässt sich seine Entwicklung sehen, bei Hannover ist der Linkshänder eine absolute Führungsfigur.

Mit vielen Verletzungen hat Steffen Weinhold seit dem EM-Triumph 2016 zu kämpfen, im Russland-Spiel "opferte" er sich kurz vor Schluss - und fiel dann für das restliche Turnier aus. Als einer der erfahrenen Spieler im Team soll Weinhold dennoch vorangehen.

RECHTSAUSSEN

Die EM 2016 verpasste Patrick Groetzki mit einem Wadenbeinbruch. Johannes Sellin, der inzwischen im DHB-Team auch wegen seines Verletzungspechs kaum noch eine Rolle spielt, rückte für ihn nach. Seitdem hat sich der Rechtsaußen von den Rhein-Neckar Löwen immer weiter gesteigert, Groetzki dürfte auf dieser Position die Nase vorne haben.

Eine grandiose Europameisterschaft spielte Tobias Reichmann, der in der Saison 2016/17 nicht mehr wirklich an seine Leistungen anknüpfen konnte. In Melsungen zeigt seine Formkurve in dieser Spielzeit wieder deutlich nach oben, was 78 Tore in 19 Spielen unterstreichen.

KREIS

Einer der deutschen Publikumslieblinge ist Jannik Kohlbacher, der 22-Jährige ist eine echte Kante am Kreis. Bekommt der Wetzlarer Kreisläufer den Ball, gibt es fast immer ein Tor oder einen Siebenmeter. Im Sommer 2018 wechselt er wie Fäth zu den Rhein-Neckar Löwen.

Immer wieder mit Verletzungen hat auch Patrick Wiencek zu kämpfen, der allerdings für Abwehr und Angriff extrem wichtig ist. Speziell vorne hat sich der Kreisläufer vom THW Kiel im Laufe der Zeit doch deutlich gesteigert.

Gemeinsam mit Lemke machte Hendrik Pekeler mit seinem unbändigen Willen in Deutschlands Abwehr den EM-Titel 2016 überhaupt erst möglich. Wie Wiencek hat der Kreisläufer der Rhein-Neckar Löwen, der im Sommer zum THW Kiel zurückkehrt, sein Angriffsspiel deutlich verbessert.

Bei der starken Konkurrenz am Kreis wird Leipzigs Bastian Roscheck vor allem als Backup in Kroatien Einsatzminuten bekommen - außer eine der arrivierten Kräfte verletzt sich. Ex-Profi und TV-Experte Stefan Kretzschmar lobte ihn bei Facebook als "herausragenden Abwehrspieler" und schob hinterher: "Ihr werdet euch alle noch wundern."

FAZIT

Sie reisten nicht gemeinsam nach Kroatien: Bundestrainer Christian Prokop strich Abwehrchef Finn Lemke.
Sie reisten nicht gemeinsam nach Kroatien: Bundestrainer Christian Prokop strich Abwehrchef Finn Lemke.
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Die deutsche Mannschaft gehört sicherlich zu den Mitfavoriten bei der Europameisterschaft, auch wenn andere Teams wie zum Beispiel Frankreich individuell deutlich besser besetzt sind. Die große Stärke der Deutschen ist allerdings erneut das Kollektiv - der entscheidende Erfolgsfaktor beim letzten großen Wurf, Stichwort "Bad Boys".

Dazu kommen eine Abwehr, die auch in den beiden Tests gegen Island überzeugen konnte, und ein Torhüter-Gespann, das jedem Kontrahenten den Zahn ziehen kann. Vorne sind andere Mannschaften sicherlich prominenter besetzt, haben klassische Superstars. Gerade mit der Streichung von Abwehrchef Lemke ist Prokop ein mittelgroßes Wagnis eingegangen, der Melsunger wird vor allem als "Emotional Leader" fehlen. Bei seinem ersten Turnier stand er ohnehin schon in Fokus. Nun werden die Augen noch genauer auf den Bundestrainer gerichtet sein.

msc

Deutschland reist als Titelverteidiger an
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Elf Fakten: Die 13. Handball-EM wirft ihre Schatten voraus.
Kontinentales Kräftemessen

Die 13. Handball-Europameisterschaft steigt im Januar in Kroatien. Die deutsche Mannschaft reist als Titelverteidiger und Mitfavorit an. Im Vorfeld hat kicker online elf Fakten zum kontinentalen Kräftemessen zusammengestellt.
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