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12.06.2018, 10:11

"United 2026" gegen Marokko

WM-Vergabe 2026: Die Kandidaten im Überblick

Die Vergabe für die WM 2026 geht am Mittwoch über die Bühne. Die gemeinsame Bewerbung der USA, Mexikos und Kanadas ("United 2026") steht der von Außenseiter Marokko gegenüber. Die beiden Kandidaten im Überblick...

Entscheidung am Mittwoch: Wen wählen die FIFA-Funktionäre?
Entscheidung am Mittwoch: Wen wählen die FIFA-Funktionäre?
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EINNAHMEN:

Deutlicher Pluspunkt für die amerikanische Bewerbung. Insgesamt sollen 14,3 Milliarden US-Dollar umgesetzt werden und elf Milliarden als Gewinn an die FIFA gehen, während eine WM in Marokko mit 7,2 Milliarden nur die Hälfte des Umsatzes erzielen würde. Für die nach den Skandalen der Vergangenheit klamme FIFA kann das den Ausschlag geben, wahlberechtigt sind aber erstmals alle FIFA-Mitglieder, nicht nur die "Regierung" im Council.

STADIEN:

Für die erste Mega-WM mit 48 Teams und 80 Spielen werden mehr Stadien als je zuvor benötigt. Für die nordamerikanische Bewerbung kein Problem, da die meisten Spiele in den USA stattfinden würden. Marokko dagegen müsste neun der 14 geplanten Stadien neu bauen. Dafür ist ein nachhaltiges Konzept angedacht, das den einfachen Rückbau der Arenen ermöglicht und eine anderweitige Nutzung erleichtern würde.

INFRASTRUKTUR:

Der große Schwachpunkt der marokkanischen Bewerbung. Auch deshalb erreichte das nordafrikanische Land nur 2,7 von 5 möglichen Punkten bei der Bewertung durch das Evaluierungskomitee der FIFA. Besonders bei den Unterkünften sah die Task Force ein "hohes Risiko". 16 Milliarden US-Dollar will Marokko alleine in die Infrastruktur investieren. Dagegen hob sich die nordamerikanische Bewerbung insbesondere in diesem Punkt ab, Turnier-spezifische Bauarbeiten seien nicht erforderlich: Insgesamt gab es vier Punkte für "United 2026" bei der Bewertung.

UNTERSTÜTZER:

Den prominentesten Fürsprecher hat "United 2026" in FIFA-Präsident Gianni Infantino. Angeblich soll bis zuletzt versucht worden sein, Marokko gar nicht erst zuzulassen. Das Council erlaubte jedoch am Sonntag beiden Kontrahenten die Teilnahme an der Abstimmung. Unter den abstimmenden FIFA-Nationen (maximal 207) kann Marokko auf die Unterstützung aus der afrikanischen Konföderation CAF zählen, zudem auf die Stimmen großer (Frankreich) oder einflussreicher (Russland) Fußball-Nationen aus Europa. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat noch nicht bestätigt, wer gewählt wird. Aufgrund der guten Bewertung im Expertenbericht kommt der Weltmeister an den USA, Kanada und Mexiko aber eigentlich nicht vorbei.

POLITIK:

Heikel, und vielleicht entscheidend. Die USA stehen wegen US-Präsident Donald Trump im Kreuzfeuer der Kritik. Die von ihm forcierten Einreisebestimmungen, seine abwertenden Dreckslochländer-Aussagen: Die Wahlberechtigten aus allen Herren Ländern werden das nicht vergessen haben. In den USA würden 60 Spiele stattfinden. Die Einmischung Trumps ging sogar so weit, dass er Unterstützern Marokkos indirekt politische Konsequenzen androhte. Im wirtschaftlich durchaus aufstrebenden Marokko sind derweil Menschenrechte immer noch ein Problem. So ist Homosexualität verboten - wie allerdings in einigen anderen FIFA-Nationen auch.

FUßBALL:

Bei der Fußballbegeisterung hat Marokko vor allem gegenüber den USA die Nase vorn. In Mexiko hingegen ist Fußball die zweite Religion, Kanada kommt eher nach den USA. Marokko ist 2018 zum ersten Mal seit 1998 wieder bei einer WM dabei, hat aber jede Menge talentierte Nachwuchsspieler.

CHANCEN:

Ginge es nur um die technische Qualität der Bewerbung, wäre eine Entscheidung zugunsten der Nordamerikaner Formsache. Aufgrund des Trump-Faktors und des schwierigen sportpolitischen Binnenklimas in der FIFA ist der Ausgang der Wahl aber ungewiss. Erhält Marokko tatsächlich fast alle Stimmen aus Afrika und fallen dem Underdog hier und da noch überraschend einige Voten zu, ist die notwendige einfache Mehrheit nicht mehr weit. Durch die dritte Wahloption "Keiner von beiden" ist allerdings auch noch die Neuauschreibung des Vergabeverfahrens möglich.

sid/las

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