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17.05.2019, 22:31

Hintergründe einer umstrittenen Wahl

Wie das Europa-League-Finale in Baku landete

Infrastruktur, Menschenrechte, Mkhitaryan: Dass das Europa-League-Finale in Baku stattfindet, verstört viele. Doch wie konnte es überhaupt dazu kommen? Ein Rückblick.

Die Anzeigetafel an der Stamford Bridge nach dem EL-Halbfinale zwischen Chelsea und Frankfurt
"Wir sehen uns in Baku" - oder? Chelseas Anzeigetafel nach dem Halbfinalrückspiel gegen Frankfurt.
© imago imagesZoomansicht

Ein Flughafen, der zu klein ist, um größere Passagierzahlen abzufertigen. Ein Land, bei dem es offenbar Zweifel gibt, ob es allen Spielern eine sichere Einreise garantieren kann. Eine Regierung, der seit Jahren Menschenrechtsverstöße vorgeworfen werden. Visa-Regeln, wonach Fans - ursprünglich - nachweisen sollten, dass sie nicht mit HIV infiziert sind oder unter einer Hepatitis-Erkrankung leiden.

Warum nur findet das Europa-League-Finale 2019 trotzdem im aserbaidschanischen Baku statt? Seit die Endspielpaarung feststeht, seit klar geworden ist, wie mühsam (und teuer) es für die Chelsea- und Arsenal-Fans wird, ihre Mannschaft vor Ort zu unterstützen, und für Arsenals armenischen Profi Henrikh Mkhitaryan, überhaupt sicher ins Land zu gelangen, stellen sich viele diese Frage: Klubs, Fans, Trainer, Medien.

Die UEFA bewertet die Bewerber in zehn Kategorien

Die banale Antwort: Baku gewann am 20. September 2017 im Dreikampf mit Sevilla (Ramon Sanchez Pizjuan) und Istanbul (Besiktas Park) ordnungsgemäß die Wahl im UEFA-Exekutivkomitee. Und es lässt sich nicht sagen, dass die UEFA dabei besonders intransparent vorgegangen wäre.

Für jeden ist der Evaluationsbericht einsehbar, den die UEFA nach dem Ende des rund neunmonatigen Bewerbungsverfahrens samt Workshops und Inspektionsbesuchen als Entscheidungshilfe für die 20 Mitglieder des Exekutivkomitees (darunter Präsident Aleksander Ceferin und der damalige DFB-Präsident Reinhard Grindel) erstellt hat. Er listet detailliert die Ausgangslage der Anwärter in zehn von der UEFA bestimmten Kategorien auf, "die zusammen", so heißt es in dem Bericht, "alles umfassen, was berücksichtigt werden muss, damit die Veranstaltung erfolgreich ausgerichtet werden kann". Tatsächlich?

Zur "gesellschaftlichen Verantwortung" gehört etwa ein rauchfreies Stadion

Die zehn Kategorien lauten: "Vision, Konzept und Vermächtnis", "Gesellschaftliche Verantwortung und Nachhaltigkeit", "Rechtsfragen", "Sicherheit und Service", "Stadion", "Mobilität", "Unterkünfte und Trainingsanlagen", "Stadt-Aktivitäten und Veranstaltungsbewerbung", "kommerzielle Angelegenheiten" sowie "Organisatorisches und Finanzielles".

Welche Anforderungen die UEFA dabei jeweils an die Bewerber stellte, lässt sich zumindest erahnen. Zur "gesellschaftlichen Verantwortung" zählen etwa ein rauchfreies Stadion und die kostenlose Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs für Ticketinhaber, zu den "Rechtsfragen", dass die geistigen Eigentumsrechte der UEFA geschützt werden.

Wie die UEFA Bakus Flughafen bewertete, überrascht

Fragen wirft insbesondere die Bewertung der "Mobilität" auf: Während die UEFA Sevillas Flughafen angesichts der erwarteten Passagierzahlen für "ungenügend" hielt, schätzte sie Bakus als ausreichend ein, wobei "vorübergehende Maßnahmen" wie etwa zusätzliche Sicherheitschecks "nötig sein könnten" - je nach Fanaufkommen der beteiligten Mannschaften.

Wie grenzwertig dieses Urteil sein musste, zeigt zweierlei: Erstens erhielten Chelsea und Arsenal in der Vorwoche nur jeweils 6000 der insgesamt knapp 70.000 Tickets für das Finale mit der UEFA-Begründung, dass größere Kontingente auch wegen der Flughafen-Situation "keine verantwortungsvolle Option" gewesen seien. Zweitens bewertete die UEFA Bakus "Mobilität" an einer anderen Stelle des Evaluationsberichts anders: bei Bakus parallel eingereichter Bewerbung fürs Champions-League-Endspiel, die gegenüber Madrid den Kürzeren zog. Dort heißt es, die Flughafenkapazität erfülle "theoretisch" die Anforderungen, "vorübergehende Maßnahmen" seien unabhängig von der Finalpaarung definitiv "nötig".

Sonst verhindert die UEFA Duelle zwischen Aserbaidschan und Armenien

Und die Menschenrechtslage im Land der Bewerber? Die politische Situation? All das findet im ausführlichen Evaluationsbericht keinerlei Erwähnung, obwohl die UEFA etwa bei EM-Qualifikationsauslosungen bestimmte Paarungen aus politischen Gründen von vornherein ausschließt - darunter auch das Duell zwischen Aserbaidschan und Armenien.


Lesen Sie auch: Wie die UEFA leere Plätze in Baku in Kauf nimmt


Deren angespanntes Verhältnis hat bereits Arsenal-Dauerkarteninhabern mit armenischer Staatsbürgerschaft - ungeachtet der auf Druck der UEFA gelockerten Einreisebestimmungen - ein Visum gekostet und kostet Mkhitaryan womöglich das Europa-League-Finale; auch wenn Elkhan Mammadov, Generalsekretär des aserbaidschanischen Verbands, dem "Daily Telegraph" sagte, Regierungsbehörden hätten Mkhitaryans sichere Anreise gegenüber der UEFA "schon garantiert".

Wer sich für Endspiele bewerben will, muss nur ein Kriterium erfüllen

Auch an anderer Stelle spielen derartige Kriterien bei der Vergabe von Europapokal-Endspielen keine konkrete Rolle: Bewerben kann sich den UEFA-Statuten zufolge jeder Mitgliedsverband, der "nicht suspendiert" ist - weitere Einschränkungen gibt es nicht. Wer Formalitäten und Fristen befolgt, wer sich während des Bewerbungsverfahrens "würdig und ethisch korrekt" verhält und - überspitzt gesagt - keine Bestechungsversuche unternimmt, bleibt bis zum Schluss im Rennen.

Aserbaidschan, wenngleich seit 2013 über den staatlichen Ölkonzern "Socar" UEFA-Sponsor, hat sich das Finale am 29. Mai in Baku also kaum erschlichen. Es erfüllte einfach am besten die Kriterien, die der UEFA am wichtigsten sind.

Jörn Petersen

 

kicker

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