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11.04.2019, 13:32

Das 19-jährige Benfica-Juwel im Porträt

Schwebendes Supertalent: Warum alle Joao Felix jagen

"Ich habe ihn ja nicht berufen, nur weil er Joao heißt", sagte Portugals Nationaltrainer Fernando Santos jüngst über eines der begehrtesten Talente des europäischen Fußballs. Joao Felix (19) dürfte schon bald zum nächsten großen Export-Schlager von Benfica Lissabon werden.

Noch so jung, aber schon so gut: Benficas Offensiv-Juwel Joao Felix.
Noch so jung, aber schon so gut: Benficas Offensiv-Juwel Joao Felix.
© imagoZoomansicht

Wenn Eintracht Frankfurt am Donnerstag (21 Uhr, LIVE! bei kicker.de und im Stream bei DAZN) im legendären Estadio da Luz aufschlägt, werden viele ausländische Scouts wieder ihre Augen ganz auf ihn richten. Joao Felix ist gerade in aller Munde. Aber wer ist dieses schmächtige Talent, das in Portugal als das nächste Wunderkind gefeiert wird?

Wie schaffte er den Durchbruch?

Im 130 Kilometer von Porto entfernten Viseu ist Joao Felix geboren, in der Jugend spielte er deswegen auch für den 28-maligen portugiesischen Meister. 2014 musste er den FC Porto allerdings im Alter von 15 Jahren aus Gründen der Perspektivlosigkeit verlassen. Ein schwerer Schlag in der noch jungen Karriere des Portugiesen.

Benfica nahm ihn 2015 auf. Für den anderen Topklub aus Portugal erzielte Joao Felix Anfang März 2019 im Spitzenspiel in Porto das wichtige 1:1. Am Ende gewann Frankfurts nächster Europa-League-Gegner mit 2:1, überholte Porto und ist seitdem Tabellenführer in Portugal. "Das ist schwer zu erklären, wie ich mich da gefühlt habe", gestand Joao Felix zwei Wochen später in einem großen Interview mit der "Marca": "Ich habe darauf gewartet und es war sehr speziell, für mich und auch für meine Eltern. Es war wichtig, weil es ein wichtiges Spiel war, aber es gab schon und es wird in der Zukunft noch mehr wichtige Tore von mir geben." Den brisanten Treffer feierte er mit verschränkten Armen in bester Kylian-Mbappé-Manier vor der wütenden Porto-Fankurve. "Ich dachte, es wäre der beste Moment, diese Pose zu wählen."

Das Selbstvertrauen des vielseitig einsetzbaren Offensivspielers ist enorm gewachsen. Unter Ex-Trainer Rui Vitoria feierte er im vergangenen Sommer sein Debüt als Profi, bei seinem erst dritten Pflichtspieleinsatz erzielte Joao Felix als Joker das späte 1:1 gegen Erzrivale Sporting. Wirkliches Vertrauen spürte das Benfica-Juwel unter Vitoria aber nicht, neben den vielen Kurzeinsätzen bremste ihn zusätzlich eine Verletzung am Fußgelenk aus.

Alles änderte sich am 4. Januar 2019, an dem Bruno Lage für den entlassenen Vitoria das Ruder übernahm. Lage setzt voll auf die Jugend - und voll auf Joao Felix. Das Vertrauen zahlte der Rechtsfuß stetig zurück: In den 13 Ligaspielen unter Lage stand das Juwel immer (!) in der Startelf, erzielte dabei acht Tore und legte vier weitere auf. In der Europa League kam er in allen vier Spielen unter Lage zum Einsatz, auf der großen Bühne wartet Joao Felix aber noch auf ein Tor. Der Trainerwechsel sei für die gesamte Mannschaft "sehr wichtig" gewesen, unterstreicht der 1,80 Meter große Techniker: "Lage hat neue Motivation und neue Ideen mitgebracht."

Was macht ihn so unfassbar gut?

Der Hype um Joao Felix ist groß. Doch wieso hat Benfica eigentlich dessen Ausstiegsklausel unbedingt auf 200 Millionen Euro erhöhen wollen? Der schmächtige Offensivspieler (62 Kilogramm), der bis dato jährlich übrigens "nur" 370.000 Euro verdienen soll, ist mit dem Typ Straßenfußballer schon gut beschrieben. Joao Felix hat vor allem Spaß am Fußball, viele Szenen löst er instinktiv. Auch größerer Gegnerdruck bringt ihn nicht so leicht aus der Ruhe. Häufig bedient er sich aus seiner prall gefüllten Trickkiste, nicht aber, um den Gegner lächerlich zu machen. Bei Joao Felix sieht jede Bewegung elegant aus, er schwebt teils über den Platz. Durch seine enge Ballführung ist er kaum von eben diesem zu trennen. Dazu ist Joao Felix beidfüßig und hat einen beachtlichen Offensivkopfball.

Daumen hoch für Benficas Erfolgsduo: Ex-Frankfurter Haris Seferovic (l.) und Joao Felix.
Daumen hoch für Benficas Erfolgsduo: Ex-Frankfurter Haris Seferovic (l.) und Joao Felix.
© imago

Im neuen 4-4-2-System unter Lage agiert der variable Youngster mit der Zahnspange nun häufiger als zweite Spitze, wo er sich nach eigener Aussage auch am wohlsten fühlt. "Joao ist ein super Techniker und ein Spieler, der einen sehr guten letzten Ball spielen kann. Zudem ist er vor dem Tor eiskalt", lobte ihn Sturmpartner Haris Seferovic bereits im Januar in der "Basler Zeitung".

Was denken sie in Portugal über ihn?

In Portugal sind indes nicht nur die Fans hin und weg von Joao Felix. Nuno Gomes, zwischen 1997 und 2011 selbst zwölf Jahre bei Benfica und 78-maliger portugiesischer Nationalspieler, kommt beim neuen Hoffnungsträger ins Schwärmen: "Technisch ist er weit über dem Durchschnitt, seine Ballbehandlung erinnert mich an Zidane. Zudem ist er handlungsschneller als viele andere. Das hilft ihm auch in Duellen mit physisch stärkeren Gegnern." Klublegende Rui Costa spricht von "einem Jungen, der zu Recht in aller Munde ist. So einen wie ihn wollen wir bei Benfica." Real Madrid, Juventus Turin, die beiden großen Klubs aus Manchester - die Liste angeblicher Interessenten ist schon vor dem großen Saisonfinale lang.

Ich hatte keine Zeit, um mal darüber nachzudenken, was da gerade passiert.Joao Felix

José Mourinho findet Joao Felix "fantastisch, ein großartiges Talent", das für jeden dieser ganz großen Vereine spielen könnte. Zuletzt stand er sogar vor seinem Debüt in der portugiesischen A-Nationalmannschaft, eine Muskelverletzung kam aber dazwischen. Dennoch schwärmt Nationaltrainer Santos: "Er hat enormes Potenzial. Ich habe ihn ja nicht berufen, nur weil er Joao heißt." Sicherlich eine Anspielung auf bekannte, ehemalige Größen der Seleçao wie Joao Moutinho oder Joao Pinto. Den in Portugal schon jetzt häufig bemühten Vergleich mit Cristiano Ronaldo lehnt der 64-jährige Santos kategorisch ab. Das mache schließlich alle nur verrückt. Die beiden Spieler seien "nicht vergleichbar, schon alleine physisch nicht".

Und was sagt er selbst?

Von sich selbst sagt Joao Felix, er sei ein "schlauer Spieler. Mir gefällt es, wenn ich den Ball am Fuß habe und Tore schieße." Und woher kommt die ungewöhnliche Rückennummer 79? "Das war Zufall. Als einer der Jüngsten hatte ich keine echte Wahl. Von denen, die übriggeblieben sind, hat mir diese Nummer am meisten gefallen. Meine Lieblingsnummer ist aber die 10." Und die beschreibt seinen Spielstil wohl auch am besten.

Dass er mittlerweile deutlich häufiger auf der Straße erkannt und deswegen aufgehalten werde, sei wegen seiner schüchternen Natur noch etwas befremdlich. Auf dem Rasen blüht Joao Felix, der Kaka als sein großes Vorbild nennt, dagegen so langsam richtig auf. Verschiedene Rekorde hat er bei Benfica schon aufgestellt: jüngster Torschütze im Derby gegen Sporting (18 Jahre), jüngster Torschütze im Estadio da Luz (18) und jüngster Spieler mit einem Doppelpack (19). Geht nicht vielleicht alles zu schnell? "Ja, manchmal fühlt es sich schon so an. Vor allem in diesen letzten beiden Monaten (Februar und März, d.Red.) ist alles so schnell gegangen und ich hatte keine Zeit, um mal darüber nachzudenken, was da gerade passiert."

Er ist eine der heißesten Aktien, die der portugiesische Fußball seit Cristiano Ronaldo hervorgebracht hat.Benfica-Präsident Filipe Vieira

Seine enorm hohe Ausstiegsklausel interessiert ihn derweil nicht, das sei "ein Thema für Präsidenten. Ich beschränke mich aufs Spielen." Und große sportliche Ziele hat er schon in dieser Saison. Den Meistertitel in der Liga (wie Porto aktuell mit 69 Punkten) stellt er dabei über einen möglichen Triumph in der Europa League. Bei der Frage nach seiner Zukunft hält sich Joao Felix bedeckt, präferiert aber den spanischen Fußball. Benfica-Präsident Filipe Vieira reibt sich angesichts der langen Interessenten-Schlange vor dem Klubgebäude bereits die Hände: "Er ist eine der heißesten Aktien, die der portugiesische Fußball seit Cristiano Ronaldo hervorgebracht hat." Ein Vergleich zu CR7, der sich schon eher anbietet als der sportliche.

Maximilian Schmidt

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