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15.05.2018, 15:43

Kommentar zu Deutschlands vorläufigem WM-Kader

Wagners Fehleinschätzung ist Petersens Glück

Joachim Löws vorläufiger WM-Kader ist ein harter Schlag für Sandro Wagner, Nils Petersen hat dagegen sogar ernsthafte Chancen auf ein WM-Ticket. Auch Mario Götzes Nichtberücksichtigung ist nachvollziehbar. Bei Manuel Neuer geht der Bundestrainer ein - gut kalkuliertes - Risiko ein. Ein Kommentar von kicker-Reporter Matthias Dersch.

Sandro Wagner (l.) und Nils Petersen
Sandro Wagner (l.) hatte fest mit einer WM-Nominierung gerechnet - doch Joachim Löw berief lieber Nils Petersen.
© Getty Images (2)Zoomansicht

Bundestrainer zu sein, das klingt für viele Fußballfans nach dem schönsten Job der Welt. Ein paar Spiele im Jahr, alle zwei Jahre dann die ganz großen Turniere. Und zur Auswahl stehen dir dabei nicht nur die zusammengewürfelte Kreisliga-Truppe deines Heimatklubs, sondern die besten deutschen Fußballer. Doch Joachim Löw umriss es am Dienstag bei der Nominierung seines vorläufigen WM-Kaders in aller Deutlichkeit. Bundestrainer zu sein, das hat auch seine dunklen Seiten: "Mein Job ist es manchmal auch, Träume platzen zu lassen."

Und genau das tat Löw, als er im Fußballmuseum in Dortmund sein vorläufiges WM-Aufgebot bekanntgab.

Mario Götze etwa, der Finaltorschütze von Rio de Janeiro, erhielt die bittere Kunde, dass er diesmal nicht dabei sein wird. Es ist eine persönlich harte Entscheidung, jedoch eine nachvollziehbare. Noch im März hatte Löw Götze öffentlich klargemacht, was er von ihm in der finalen Saisonphase sehen möchte: mehr Torgefahr, mehr Klarheit, mehr Offensivpower. Liefern konnte Götze nur bedingt. Viel zu selten blitzte - wie gegen Leverkusen (4:0) und Bremen (1:1) - sein unbestrittenes Können auf. Wäre die Konkurrenzsituation in der deutschen Offensive nicht so hoch, Löw hätte Götze wohl mit nach Südtirol genommen, um sich selbst ein Bild von ihm zu machen. Doch angesichts der Fülle an hochveranlagten und formstarken Offensivkräften verwarf er diese Option, "auch wenn es mir für ihn persönlich leid tut", wie der Bundestrainer zugab.

Bei Petersen geht Löw kein Risiko ein

Es war nicht die einzige schwierige Personalie, über die Löw mit seinem Trainerteam befinden musste. Das Glück Nils Petersens etwa, der es überraschend in die 27-köpfige Auswahl schaffte, ist gleichzeitig das Unglück Sandro Wagners. Der Münchner hatte fest mit seiner WM-Teilnahme gerechnet und das auch selbstbewusst kundgetan. Es war eine Fehleinschätzung.

Video zum Thema
kicker.tv Hintergrund- 15.05., 17:32 Uhr
"Eine gute Mischung": Löws Kader mit Petersen statt Wagner
Bundestrainer Joachim Löw hat bei der Nominierung seines vorläufigen 27-Mann-Kaders für die WM in Russland für Überraschungen gesorgt. Im Video erklärt er seine Entscheidungen - kicker-Reporter Matthias Dersch kommentiert sie.
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Petersen, der auch vom Verletzungspech Lars Stindls profitierte, darf sich hingegen plötzlich nicht nur Hoffnungen auf sein erstes Länderspiel machen, sondern auch auf die Reise nach Russland. Löw lobte die Joker-Qualitäten des 29-Jährigen und äußerte das Gefühl, "dass er mit seinen Aufgaben wachsen kann". Bestätigt Petersen diesen Eindruck, dürfte er am 4. Juni einen Platz im finalen Kader ergattern. Ein Risiko geht Löw mit seiner Nominierung nicht ein, für die Startelf sind ohnehin andere vorgesehen, allen voran Timo Werner.

Ter Stegen hätte streng leistungsbedingt einen WM-Stammplatz verdient

kicker-Reporter Matthias Dersch
kicker-Reporter Matthias Dersch
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Riskanter ist es da schon, Manuel Neuer mitzunehmen, obwohl der Weltmeister-Torhüter seit dem vergangenen September ohne Spielpraxis ist und er erst an diesem Dienstag ins komplette Mannschaftstraining beim FC Bayern zurückgekehrt ist. Doch das Wagnis ist kalkuliert. Gehen alle Beteiligten so offen und ehrlich miteinander um, wie es Löw am Dienstag ankündigte, fährt Neuer nur mit nach Russland, wenn er auch zu 100 Prozent belastbar und in Form ist. Falls nicht, spielt eben Marc-André ter Stegen, der streng leistungsbedingt ohnehin einen WM-Stammplatz verdient hätte.

In seiner Gänze ist es ein ausgewogen zusammengestelltes Aufgebot, das der Bundestrainer am 23. Mai zum Trainingslagerstart in Südtirol zu sich ruft. Neun Weltmeister, die meisten davon mit guten Startelf-Aussichten, bilden das Grundgerüst. Hinzu kommen 14 Confed-Cup-Sieger und fünf Olympia-Silbermedaillengewinner von Rio 2016. Das Ziel ist klar formuliert: Nicht weniger als die Titelverteidigung strebt der Bundestrainer an.

Mit seiner Vertragsverlängerung schafft Löw Ruhe

Ob die Mission Titelverteidigung am Ende erfolgreich ist, wird maßgeblich davon abhängen, ob es Löw und seiner Auswahl wie vor vier Jahren in Brasilien gelingt, zu einer verschworenen Gemeinschaft heranzuwachsen. Der hervorragende Teamgeist war bereits 2014 der große Trumpf der deutschen Elf - und 2018 ist die Konkurrenz noch größer, noch stärker als in Brasilien.

Auch das dürfte Löw im Hinterkopf gehabt haben, als er seinen Vertrag vorzeitig bis 2022 verlängerte. Seit Jahren schon denkt der Bundestrainer in langfristigen Entwicklungslinien. Da überraschte es auch nicht, dass er für die Zeit nach der WM bereits einen Umbruch ankündigte. Seine Mission beim DFB ist noch nicht beendet. Dies unabhängig vom Verlauf des Turniers vorab auch schriftlich zu fixieren, schafft Planungssicherheit und Ruhe. Und nichts schätzt Löw bekanntlich mehr als die totale Fokussierung auf das große Ziel.

Matthias Dersch

Deutschlands Auswahl in Daten und Zahlen
Diese 27 stehen in Löws vorläufigem WM-Kader
Toni Kroos (li.), Marc-André ter Stegen (re. oben) und Mats Hummels
Das DFB-Aufgebot fürs Trainingslager und die letzten beiden Testspiele

An diesem Dienstag hat Joachim Löw seine Geheimnisse gelüftet. Der Bundestrainer hat den vorläufigen Kader für die Weltmeisterschaft in Russland bekannt gegeben. Eine Übersicht.
© imago/picture alliance (2)

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zum Thema

weitere Infos zu Wagner

Vorname:Sandro
Nachname:Wagner
Nation: Deutschland
Verein:Bayern München
Geboren am:29.11.1987

weitere Infos zu Petersen

Vorname:Nils
Nachname:Petersen
Nation: Deutschland
Verein:SC Freiburg
Geboren am:06.12.1988


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