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07.08.2018, 14:15

Premier-League-Vorschau, Teil 2

So viele Fragen und so wenig Popcorn: Arsenal im Check

Nach Arsene Wenger ist vor Unai Emery. Warum der FC Arsenal durchaus imstande ist, den Anschluss an die Spitze wieder herzustellen - und warum nicht.

Unai Emery
Der Neue - endlich!? Unai Emery.
© imagoZoomansicht

Zu wenig Popcorn! Jedenfalls für Joaquin. Die Video-Analysen von Trainer Unai Emery gingen so lange, sagte der Mittelfeldmann neulich, "dass ich kein Popcorn mehr hatte". Drei Jahre hatten er und Emery in Valencia zusammengearbeitet, "ein viertes hätte ich nicht geschafft". Das Lachen kann sich Joaquin allerdings nicht verkneifen, zu groß ist die Bewunderung für seinen Ex-Trainer. Emery, so erzählt es der Andalusier dann ohne Augenzwinkern, sei "besessen von Fußball - fast wie eine Krankheit".

Diese Krankheit hat sich ausgebreitet bis nach Nordlondon. Zum ersten Mal seit 1998 bereitet nicht Arsene Wenger die Profis des FC Arsenal auf die anstehende Spielzeit vor, die Fußstapfen könnten für Emery trotzdem weitaus größer sein - das hat er seinem Kollegen zu verdanken. 14 Jahre liegt die letzte Meisterschaft zurück, die Sehnsucht nach einem Neustart hat die einst enorme Bewunderung für den Visionär Wenger lange überstrahlt.

Dank sei Wenger: So viel kann Emery gar nicht falsch machen

Emery findet eine andere Situation vor als David Moyes, der 2013 den amtierenden Meister ManUnited übernahm und am Erbe von Sir Alex Ferguson krachend gescheitert war. Der Kader, den Wenger seinem Nachfolger dagegen hinterlassen hat, ist einer der erfolglosesten, seit der Franzose vor 22 Jahren die Arbeit aufnahm.

Nun ist es an Emery, den Neustart einzuleiten bei einem Verein, der in den vergangenen Jahren so viel falsch gemacht hat, dass der Anschluss zu den Top-4 ernsthaft in Gefahr ist - oder war? Emery jedenfalls ist das Gegenteil von Wenger; ein junger, hungriger und taktikbesessener Fußballfreak, der sich Jahr für Jahr mehr ins Schaufenster gestellt hat.

Als dreifacher Europa-League-Sieger in Folge mit dem FC Sevilla drohte Emery am Starensemble in Paris zunächst zu scheitern, holte im zweiten Jahr aber wenigstens das nationale Triple. Weil es in der Champions League jedoch zweimal nur fürs Achtelfinale gereicht hat, waren die Dienste des Basken nach zwei Spielzeiten nicht mehr gefragt und der Weg frei für die Premier League.

Englisch für Anfänger - an der Seitenlinie

Dass die Video-Analysen mit den Gunners bis dato noch nicht die 30-Minuten-Marke überschritten haben, könnte daran liegen, dass es mit dem Englischsprechen noch nicht ganz so perfekt klappt. Seine Lehrerin nahm er während der Vorbereitung mit auf die Trainerbank - nur zur Sicherheit natürlich.

In Singapur hat Emery mit Mesut Özil & Co. vornehmend an den konditionellen Grundlagen für eine lange Saison gearbeitet. Peu a peu wird dann die taktische Ausrichtung Überhand nehmen und Emery zeigen wollen, was er vom Lesen der Biographien von Pep Guardiola oder Diego Simeone behalten hat. Was nicht heißt, dass er einen gleichen Spielstil pflegt; Emery strebt genau das an, woran Wenger scheiterte: Schritthalten mit den Liverpools und ManCitys. Heißt: Geschwindigkeit, frühes Pressing und Ballbesitz.

Tabellenrechner Premier League

Tempo hat Emery in seinem Kader reichlich. Pierre-Emerick Aubameyang und Henrikh Mkhitaryan gehen in ihre erste volle Saison als Gunner, Alexandre Lacazette wartet ebenso auf den Durchbruch wie Özil nach einer durchwachsenen Vorsaison. Der Weltmeister von 2014 hat in der Vorbereitung allerdings gezeigt, dass er seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft samt Echo ad acta gelegt hat.

Mustafi & Co.: Wer befreit sich aus dem Tief?

Neuzugang Stephan Lichtsteiner (34, von Juventus Turin) bringt viel Erfahrung, Matteo Guendouzi (19, FC Lorient) viel Talent. WM-Fahrer Lucas Torreia (22, Sampdoria Genua) gesellt sich als spielstarker Sechser neben Granit Xhaka. Hinzu kommen Bernd Leno (26, Bayer Leverkusen), der sich mit Petr Cech um den Platz zwischen den Pfosten streitet, und Routinier Sokratis (30, Borussia Dortmund), der den immer noch verletzten Kapitän Laurent Koscielny vertritt.

Einen echten Hochkaräter wie im vergangenen Winter hat Arsenal nicht geholt, der Kader bleibt im Gesamtpaket noch ein Fragezeichen. Findet Skhodran Mustafi seine Form wieder? Selbiges gilt für Hector Bellerin. Sind Youngster wie Alex Iwobi oder Rob Holding irgendwann mal mehr als Talente? Wie gut entwickelt sich der vielversprechende Ainsley Maitland-Niles?

Emery wird Zeit brauchen, die richtige Mischung aus einem talentierten, zuletzt aber auch stagnierendem Kader zu finden, dessen Offensive an guten Tagen jeden Gegner kleinkriegen kann. Es droht allerdings frühzeitig Gegenwind zu entstehen, denn der Auftakt gegen ManCity, bei Chelsea und gegen West Ham hat Photoshop-Anfänger bereits dazu veranlasst, die im letzten Jahr häufig skandierten "Wenger-out"-Plakate mit Emerys Namen zu übermalen. Immerhin: Wenger ist zwar weg, aber Arsenal bleibt Arsenal.


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Mario Krischel

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  Gabun
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