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07.08.2018, 08:14

Premier-League-Vorschau, Teil 1

Rauchende Revolution? Der FC Chelsea im Check

Wieder ein Italiener, diesmal aber ganz anders: Der FC Chelsea soll nach schweren Monaten nun unter Maurizio Sarri "Spaß" machen. Doch wie viel Spaß versteht Roman Abramovich?

Maurizio Sarri
Wer lacht zuletzt? Maurizio Sarri beim FC Chelsea.
© Getty ImagesZoomansicht

Sein Lebenslauf hatte etwas von einem Studenten, der sich für seine erste Festanstellung bewirbt: Da sind irgendwo die ersten Schritte und vielversprechende Ansätze erkennbar, aber wirklich Handfestes vorzuweisen hat er noch nicht. Maurizio Sarri ist dieser Student, der ganz klein anfing, durch "Praktika" in Perugia oder Sorrento schließlich in Neapel landete und dabei niemals auf eine Zigarette verzichten mochte.

Als Sarri 2015 kam, lag Napolis letzter Meistertitel bereits 25 Jahre zurück. Das erste, was der Student seinem Präsidenten also sagte: "Wir werden die ersten sieben Spiele verlieren." Aurelio De Laurentiis musste lachen, wurde nach zwei Punkten aus den ersten drei Spielen aber etwas unruhiger und sorgte so dafür, dass Sarri mit seiner Mannschaft in den folgenden 35 Monaten neue Tor- und Punkterekorde aufstellte. De Laurentiis, so behauptet er es zumindest, habe Sarri dazu angeleitet, nach dem Fehlstart mal ein neues System zu probieren. Sarri stellte, obwohl er sich zunächst weigerte, von einem 4-3-1-2 auf ein 4-3-3 um - und gewann im ersten Spiel gegen Lazio 5:0.

Der sechste Italiener seit 2000, nur nicht so geschmückt

In den kommenden drei Saisons hat der gelernte Banker, für den Leipzig neulich in die Gästeumkleide noch eine Raucherkabine einbauen ließ, Napoli in jenem 4-3-3 einen begeisternden Fußball eingeimpft. Ein Fußball, der auf Dominanz und volle Power ausgerichtet ist. Aber auch ein Fußball, der noch nicht für einen Titelgewinn reichte.

Nun ist Sarri seit der Jahrtausendwende der sechste Italiener beim FC Chelsea, aber eben der erste, der ohne Trophäenschrank nach London zieht. Ungewöhnlich für den wieder mal entthronten Meister, der sich bislang stets mit Champions-League-Siegern und Weltmeistern schmückte. Oder auch mal mit Avram Grant, aber der war wenigstens ein Freund von Roman Abramovich. Sarri ist das nicht, und nicht nur deswegen eine unübliche Wahl.

Abramovichs Chelsea ist bislang einiges gewesen; zumeist brutal, brutal effizient und brutal ungeliebt. Und nun kommt Sarri, spricht bei seiner Antrittsrede von "Spaß"-Fußball und das ausgerechnet als einer, der noch überhaupt nichts gewonnen hat - was weiß der also von Spaß? Vielleicht ist es ein Hinweis darauf, dass Abramovich seine Sichtweise etwas verändert hat. Vielleicht mal ein neuer Ansatz, vielleicht mal nicht mit einem kalten, erfolgsfanatischen Sturkopf und gnadenloser Effizienz (Mourinho), sondern mit einem beliebten, interessanten Denker und attraktivem Fußball (einer wie Pochettino).

Der nächste Anti-Mourinho und seine Problemfälle

Nach dem unschönen Aus von Landsmann Antonio Conte könnte Sarris 4-3-3 einigen seiner wichtigsten Spielern enorm helfen - vorausgesetzt, Eden Hazard und/oder Willian sind beim Ligastart überhaupt noch Chelsea-Spieler. Die Vorbereitungspartien haben veranschaulicht, wem das System zugutekommt und wem nicht. Cesar Azpilicueta rückt wieder raus auf die rechte Abwehrseite, auf der für Victor Moses - Contes Entdeckung - nun kein Platz mehr ist. David Luiz - Contes Problemfall - ist plötzlich wieder ein Kandidat für die Innenverteidiger-Position neben Antonio Rüdiger. N'golo Kanté bleibt der Allesmacher im zentral-defensiven Mittelfeld, ebenso gesetzt sein dürfte Jorginho, der seinem Trainer aus Neapel nach London gefolgt ist.

Tabellenrechner Premier League

Davor bleibt es offen: Die offensive Rolle in der Dreier-Mittelfeldkette wäre prädestiniert für Cesc Fabregas, gleiches gilt aber auch für Ross Barkley oder Ruben Loftus-Cheek. Die Flügelpositionen werden für Hazard und Willian warmgehalten, wenngleich der siebzehnjährige Callum Hudson-Odoi bereits nachhaltig auf sich aufmerksam machen konnte. Sowieso soll Sarri viel Wert darauf legen, Nachwuchsspielern vermehrt Einsatzzeiten zu gewähren.

Die Erwartungen sind gedämpft, weil das letzte Jahr so schlecht war

Im Sturmzentrum könnte Alvaro Morata nochmal eine Chance bekommen, befindet sich aber schon lange in einem Loch. Seinen Auftritt in Australien gegen Perth Glory (1:0) bezeichnete Sarri als "gar nicht so gut", im Test gegen Arsenal ließ er reihenweise Chancen liegen und vergab auch noch einen Elfmeter. Gut möglich, dass Sarri es also wie in Neapel mit Dries Mertens macht und eine falsche Neun bringt - dafür käme dann Pedro infrage.

An der Stamford Bridge sind die Erwartungen in diesem Jahr wie auch im Rest Londons etwas verhaltener. Angesichts der donnernden Dominanz von Guardiolas ManCity ist der Ligatitel kein ein Muss (und auch nicht realistisch), wohl aber die Rückkehr auf einen Champions-League-Platz. Das, immerhin, kann Sarri - aber kann er auch mehr? Es wird sich zeigen, wie viel Geduld der chronisch ungeduldige Abramovich ansonsten aufbringt.

Mario Krischel

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