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25.03.2019, 13:43

Nach Israels Überraschungssieg über Österreich

Herzog: "Habe ihm gesagt, dass wir einen Scheißjob haben"

Nach dem 4:2-Erfolg Israels über die österreichische Nationalmannschaft lag der Fokus vor allem auf einem Protagonisten des Abends: Andreas Herzog. Der einstige Profi, bis heute Rekordspieler der Alpenrepublik, führte Israel zum Sieg über sein Heimatland und hatte anschließend gar ein wenig Mitleid mit dem Mann, der ihm 2017 den heiß ersehnten Job als Trainer von Team Austria weggeschnappt hatte.

Andreas Herzog und Franco Foda
Freundliche Umarmung: Andreas Herzog hatte nach Abpfiff ein paar warme Worte für Trainerkollege Franco Foda übrig.
© imagoZoomansicht

Es war ein ganz besonderer Abend für den 50-jährigen Herzog. Der gebürtige Wiener traf am Sonntagabend auf sein Heimatland - das Land, das ihm seinen größten Traum schon unzählige Male verwehrt hatte: den Job als Auswahltrainer Österreichs. "Kein anderer Mensch ist so oft nicht österreichischer Teamchef geworden wie er", titelte einst der "Standard". Zuletzt ergab sich die Chance 2017, doch der Deutsche Franco Foda erhielt den Zuschlag, Herzog ging einmal mehr leer aus ("Verarschen kann ich mich selber auch").

Mission EM-Quali: Herzog und Israel auf gutem Weg

2018 nahm der einstige Bremer und Bayern-Profi (264 Bundesligaspiele, 60 Tore) den Trainerposten in Israel an und erlebte nun seine bislang wohl größte Sternstunde als Coach: "Ich bin stolz auf meine Mannschaft", war Herzog bemüht, den Fokus von sich weg auf seine Spieler zu lenken. "Wir wussten, dass wir eine außergewöhnliche Leistung brauchen. Und die haben wir geschafft."

Als einen persönlichen Triumph über den ÖFB wollte der ehemalige Mittelfeldspieler diesen Sieg nicht sehen ("Ich verspüre keine Genugtuung") - klar einordnen konnte er seine Gefühle trotzdem noch nicht wirklich: "Vielleicht kommt das noch in den nächsten ein, zwei Tagen", so die Antwort. "Jetzt bin ich noch viel zu angespannt."

Österreich lange das überlegene Team

Lange sah es jedoch nicht nach einem solch klaren Endergebnis aus - zumindest aus der Sicht der Gastgeber. Österreich hatte Israel klar im Griff, ging früh in Führung und ließ sowohl Ball als auch den komplett überforderten Gegner laufen. Dementsprechend, und auch im Hinblick auf kommende Aufgaben, war Herzog nach einer kurzen Kabinenfeier wieder ganz fokussiert und kündigte an, "das Spiel noch genau analysieren" zu müssen.

Für Trainer ist es eine Achterbahn der Gefühle. Vor der Pause hatten wird das Glück auf unserer Seite, aber am Ende noch das Glück des Tüchtigen.Andreas Herzog

Herzog, der hie und da aneckt und keinem Konflikt aus dem Wege zu gehen scheint, zeigte sich im Augenblick seines persönlichen Triumphes jedoch als guter Gewinner, ging direkt nach Abpfiff zu Trainerkollege Foda ("Wir haben ein sehr gutes Verhältnis, und das schon seit Jahren") und flüsterte ihm während einer innigen Umarmung ein paar tröstende Worte ins Ohr.

"Ich habe ihm gesagt, dass wir eigentlich einen Scheißjob haben. In der Halbzeit hätte er hoch führen müssen, und im Nachhinein feiere ich", sprach Herzog ganz offen über die kurze Konversation. "Für Trainer ist es eine Achterbahn der Gefühle. Vor der Pause hatten wird das Glück auf unserer Seite, aber am Ende noch das Glück des Tüchtigen."

Dünne Luft für Foda?

Gegenwind erfährt Foda nun aber dennoch: ÖFB-Präsident Leo Windtner wollte nach dem Offenbarungseid in Haifa zwar noch keine Trainerdiskussion aufkommen lassen, aber doch zumindest "alles hinterfragen". Foda selbst übernahm "komplett die Verantwortung" und kündigte an: "Wir werden sicherlich einige Veränderungen vornehmen müssen."

Neben Herzog freuten sich auch mit Markus Rogan, Sportdirektor Willi Ruttensteiner und Torwarttrainer Klaus Lindenberger drei weitere Österreicher über den Erfolg gegen ihr Heimatland. Ex-Schwimmstar Rogan, der beim Nationalteam der Israelis als Mentalcoach arbeitet, habe in der Vorbesprechung auf die Partie, so Herzog, die Spieler "mit den ersten vier, fünf Sätzen richtig am Nerv getroffen. Da habe ich mir gedacht: Der Hund ist g'scheit."

Im Juni gastiert Israel in Lettland und Polen

Nun haben die Israelis, die hinter Polen mit vier Punkten aus den ersten beiden Partien den zweiten Platz einnehmen, erst einmal bis Juni spielfrei. Eine wichtige Erkenntnis für die kommenden Duelle in Lettland (7. Juni, 20.45 Uhr) und in Polen (10. Juni, 20.45 Uhr) hat Herzog bereits erfahren: "Wir wissen jetzt, dass wir mit einer guten Leistung und Glück in wichtigen Situationen wichtige Spiele gewinnen können."

kög

 
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