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09.10.2017, 15:03

Trainer-Lösung soll bis Sommer befristet sein

Der Plan von Heynckes: Endlich Hierarchie!

Am Montagvormittag wurde Jupp Heynckes offiziell als neuer Bayern-Trainer vorgestellt. Im Bauch der Allianz-Arena sprach der erfolgreiche Triple-Coach von 2013 über seine Rückkehr und das, was anders werden muss.

Wieder da: Jupp Heynckes wurde erneut als Bayern-Trainer vorgestellt.
© Getty ImagesZoomansicht

Um 11.31 Uhr an diesem Montag beginnt also jene vierte Amtszeit für Jupp Heynckes beim FC Bayern, die keiner mehr für möglich gehalten hat. Hätte man dieses Comeback vor zwei Wochen vorausgesagt, man wäre noch nicht einmal ausgelacht worden, so abwegig schien dieser Gedanke. Doch nun sitzt er da, im schicken dunkelblauen Anzug mit weißem Hemd und blauer Krawatte, neben Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, Präsident Uli Hoeneß und Sportdirektor Hasan Salihamidzic.

Es war der 4. Juni 2013, als Heynckes zum letzten Mal auf diesem Podium gesessen hatte. Damals ging es um seine offizielle Verabschiedung. In der Ecke lachten ihn drei Trophäen an und Heynckes nahm fälschlicherweise Abschied vom großen Fußball. Er erzählte damals, dass ihn Hoeneß Monate zuvor gefragt hatte, ob der FC Bayern nicht irgendwann wie Barcelona spielen könne. An jenem Tag im Juni beruhigte der Trainer seinen Freund und Präsidenten: "Uli, ich kann Dir heute sagen: der FC Bayern spielt nicht wie Barcelona. Der FC Bayern spielt moderner und zeitgemäßer und erfolgreicher."

Das ist viereinhalb Jahre her. Aktuell weiß man nicht so richtig, ob der FC Bayern besser als Barça spielt, jedenfalls schlechter als Paris und Dortmund. Das langt, damit in München Großalarm herrscht und man auf eine Idee wie diese verfällt, einen Fußball-Rentner zu reaktivieren. "Ich hatte ein wahnsinnig angenehmes Leben, ich habe nichts vermisst", erzählt Heynckes, der auf die Eingangsfrage des Pressesprechers einen zwölfminütigen Monolog hält, bei dem auch dem 72-Jährigen ab und an die Linie verlorengeht. Kein Wunder. Waren zuletzt die Gassi-Zeiten für seinen Schäferhund, das Pflegen des Gartens und die Essenszeiten für den Kater die größten Sorgen im Hause Heynckes, steht der alte und neue Bayern-Coach ab sofort wieder vor ganz anderen Herausforderungen. Er soll dem größten und erfolgreichsten Fußball-Verein des Landes zwei Dinge zurückbringen: Ruhe und Erfolg. Wie? Da hat Heynckes klare Vorstellungen.

Das Vertrauen in die Wortführer

Es geht um Sachen wie Respekt, Ordnung, Arbeit und ein gemeinsames Miteinander. Aber auch um eine gesunde Mannschaftsstruktur. Dass Heynckes bei seinem ersten Auftritt so intensiv über den Aufbau einer klaren Mannschaftshierarchie spricht, zeigt wie schlecht es um genau die bestellt sein muss. Die "Enteierung" wichtiger Spieler, die Vorgänger Carlo Ancelotti beinahe als Wochenziel verfolgte, wird nun der Vergangenheit angehören.

"Die Spieler brauchen Führung." Auch so ein Satz, der eine Menge Interpretationsspielraum hinterließ. Es wird also zukünftig vor allem wieder mehr miteinander geredet werden. "Ich will eine klare Hierarchie installieren. Viele Spieler hatten Gewicht in der Umkleide, sie haben schon im Vorfeld vieles geregelt. Ich will den Spielern Vertrauen in ihre Einwirkungsmöglichkeiten geben", kündigte Heynckes an. Klingt banal. Und doch ist Carlo Ancelotti auch daran gescheitert. "Ich will eine Mannschaft formen, die wirklich zusammenspielt und- arbeitet", so Heynckes. Im Grunde das Selbstverständlichste der Welt. Doch der Zustand des Teams, den Ancelotti zu verantworten hat, scheint schlimmer zu sein als angenommen. "Heynckes weiß, was zu tun ist", betont Rummenigge.

Ich will eine Mannschaft formen, die wirklich zusammenspielt und- arbeitet.Jupp Heynckes vor dem ersten Mannschaftstraining

Warum man in der Klubführung nicht schon nach der vergangenen Saison die Reißleine gezogen hat? Diese Frage ließen die Macher unbeantwortet. Auch, warum die Gespräche mit Thomas Tuchel final keine Zusammenarbeit brachten, wollte die Vereinsführung nicht kommentieren. Dass viele Entscheidungen in den letzten Monaten - auch von den Klubverantwortlichen - nicht klug waren? Interessierte an diesem Tag keinen. Klar ist: "Jupp gibt uns Zeit, in aller Ruhe alle Baustellen zu bearbeiten", so Hoeneß. Die Anstellung des erfolgreichen Trainers ist bis Sommer befristet, das betonten alle Beteiligten mehrfach. Was das zu heißen hat? Man wird sehen. Auszuschließen ist bei den Bayern seit dieser Reaktivierung nichts mehr, auch wenn Heynckes sagt: "Es geht jetzt um den FC Bayern und man gewinnt einfach Zeit, um im Sommer einen adäquaten deutschen Trainer zu verpflichten, hoffe ich."

"Fußball nicht neu erfunden": Heynckes vertraut auf seine Fähigkeiten

Ein feiner Hinweis, den auch die Oberen auf dem Podium zur Kenntnis nahmen, bevor Heynckes sich nicht zu schade war, im besten Spanisch einem argentinischen Fernsehjournalisten ausführlich eine Frage nach Arturo Vidal und James zu beantworten. Die Wangen von Heynckes glühten da zwar schon rot, doch man hatte den Eindruck, dass der 72-Jährige nach 52 Minuten so richtig warm geworden war.

Heynckes, das zeigte der Montag, ist höchst motiviert. Mit seinen zeitlosen Prinzipien, seiner Fähigkeit, Menschen zu führen und seinem Ehrgeiz hat er gute Aussichten, die aktuelle Misere des Vereins zu beheben. Matchplan, Packing, abkippende Sechser oder Gegenpressing gehören zwar nicht zum Vokabular des Bayern-Coaches, doch wie sagte auch Heynckes: "In den letzten vier Jahren ist der Fußball nicht neu erfunden worden." Der FC Bayern braucht aktuell keine experimentellen Impulse, sondern Verlässlichkeit, Halt und Struktur. Heynckes kann genau das geben. Gepaart mit der Qualität der Spieler könnte das zerfranste Gebilde der Bayern-Mannschaft schneller zusammenwachsen als man denkt. Eines ist klar: Mit den Münchnern ist seit Montag wieder zu rechnen.

Mounir Zitouni

Video zum Thema
kicker.tv Hintergrund- 09.10., 15:50 Uhr
Ziemlich beste Freunde: Heynckes und sein Bayern-Plan
Zum vierten Mal übernimmt Jupp Heynckes an der Säbener Straße, Bayern-Präsident Uli Hoeneß begrüßte den 72-Jährigen als "ziemlich besten Freund". Heynckes muss die Mannschaft wieder in die Erfolgsspur zurückführen, will ihr dazu wieder eine klare Hierarchie vermitteln. Ziel ist es, den Verein zu befrieden und "besenrein" zu übergeben.
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weitere Infos zu Heynckes

Vorname:Jupp
Nachname:Heynckes
Nation: Deutschland
Verein:Bayern München


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