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06.01.2019, 13:04

Elektrisches Fahren, Mobilitätswende, Fahrverbote

2019 ist Umparken im Kopf angesagt - für alle

"Umparken im Kopf" hieß der Slogan, mit dem Opel für sich als Marke einen Imagewandel reklamierte. Spätestens ab 2019 müssen dieses Motto aber alle Hersteller beherzigen, und die Kundschaft auch. Neues Jahr, neue Herausforderungen - jetzt kommt es darauf an, wie sich die Autobranche auf die Anforderungen einer neuen Zeit eingestellt hat.

Porsche Tacan
Schneller Bote einer neuen Zeit: Der viertürige Elektro-Porsche Taycan verführt mit 600 PS.
© Hersteller

Als die Queen nach allerlei royalen Malaisen das Jahr 1992 zum "annus horribilis" - zum "schrecklichen Jahr" - ausrief, da war ein Schlagwort geboren, das so manchem Automanager auch im Zusammenhang mit 2018 in den Sinn kommen dürfte. Donald Trumps geschäftsschädigende Zoll-Kapriolen, üble Gewinneinbrüche im Goldesel-Land China, inhaftierte Autobosse wie Rupert Stadler (Audi) oder Carlos Ghosn (Renault-Nissan), Fahrverbots-Urteile, eine wenig weitsichtig gemanagte Umstellung auf das neue WLTP-Abgasmessverfahren, als deren Konsequenz vielerorts die Produktion stillstand, und zuletzt auch noch die Aussicht auf drastisch verschärfte CO2-Grenzwerte - es waren dunkle Wolken zuhauf, die sich da über der Automobilbranche zusammenbrauten.

2019 kann da nur besser werden. Doch kann es das wirklich? Denn fragil bleibt die Lage allemal. Das geht schon mit dem Brexit los: Ein harter Ausstieg der Briten aus der EU träfe Hersteller, die in Großbritannien fertigen lassen, überaus heftig; nicht nur JLA Jaguar LandRover wäre betroffen, sondern auch Ford, Nissan und die BMW-Tochter Mini. Vor allem aber wird 2019 allmählich zeigen, wie gut sich die Automobilhersteller auf die Anforderungen einer neuen Zeit eingestellt haben und ob das Umdenken bereits Früchte trägt.

Fahrverbote und Ausstieg aus dem Verbrenner

Die Botschaften sind zumindest angekommen. 2019 wird es nicht nur in Deutschland, sondern auch in Metropolen wie Paris, Madrid oder Brüssel zu (intensivierten) Fahrverboten kommen, viele Länder haben sogar den Ausstieg aus dem Verbrenner bereits terminiert - Norwegen etwa will 2025 komplett auf E-Autos umsteigen, 2030 soll es in den Niederlanden und in China soweit sein, 2040 unter anderem in Frankreich oder Großbritannien, 2050 in Deutschland. Einstweilen verschärfen sich die Abgasgrenzwerte immer mehr, kurz vor Weihnachten hat die EU noch verkündet, dass die CO2-Emissionen bis 2030 im Flottendurchschnitt auf weniger als 60 g/km sinken müssen, umgerechnet entspräche das einem Verbrauch von knapp 2,6 l/100 km. Um das einzuordnen: Im Oktober 2018 haben Neuwagen in Deutschland noch durchschnittlich 130,9 mg/km emittiert und 5,6 l/100 km verbraucht.

Diesel-Fahrverbot
Diesel-Fahrverbot: Viele Länder haben sogar den kompletten Ausstieg aus dem Verbrenner bereits terminiert.
© ImagoZoomansicht

Eine goldene Zukunft für den Verbrenner sieht definitiv anders aus, auch wenn - das bleibt schlicht festzustellen - moderne und Euro 6d-Temp- bzw. der Euro-6d-Norm-konforme Vertreter der Gattung schon ausgesprochen sauber agieren. Immense Investitionen in die Zukunft Dass die Hersteller in neue Antriebstechnologien investieren, ist letztlich ein ungerechter Vorwurf. Allein der Wille zum Überleben gebietet schon ein solches Handeln. Allein Volkswagen will bis 2022 insgesamt 30 Milliarden Euro in Elektromobilitäts-Projekte investieren, bei anderen Herstellern sieht es kaum anders aus.

Nachdem Jaguar schon 2018 einen Überraschungscoup mit dem vollelektrischen Edel-SUV I-Pace gelandet hat, zieht 2019 nicht nur die Premium-Konkurrenz nach. Kia schickt den Crossover e-Niro und den Minivan Soul EV stromernd auf die Straße, Audi und Mercedes starten mit den batterieelektrischen SUVs e-tron und EQC ihre E-Offensive, Porsche bringt den 600 PS starken, viertürigen Sportwagen Taycan und BMW den iX3. VW wiederum beginnt zum Jahresende mit der Produktion des ersten Vertreters seiner elektrischen I.D.-Familie, der Kompaktwagen im Golf-Format wird "Neo" heißen und knapp 30.000 Euro kosten. Flankierend zu ihren elektrischen Plänen entwickeln BMW, Daimler, VW und Ford ein gemeinsames paneuropäisches Schnellladenetz namens Ionity.

Tesla Model 3, Elon Musk
Tesla-Chef Elon Musk mit Model 3: Die klassischen Automobilhersteller holen auf.
© Tesla/auto medien portalZoomansicht

Wird Tesla rechts überholt?

Gut möglich, dass die etablierten Hersteller sogar den einstigen Herausforderer Tesla rechts überholen. Auch für das kalifornische Start-up könnte 2019 zum Schicksalsjahr werden. Zwar hat man den Produktionsausstoß des Einstiegsmodells Model 3 inzwischen einigermaßen in den Griff bekommen und konnte deshalb im dritten Quartal 2018 endlich einen Gewinn ausweisen. Doch noch immer liegt man beim Model 3 weit vom ursprünglich geplanten Fertigungsziel entfernt, zudem wird die Kompaktlimousine von Qualitätsproblemen geplagt. Für das nicht mehr taufrische Model S ist kein Nachfolger in Sicht, das flügeltürige SUV Model X taugt nicht für die breite Masse, und so prognostizieren Experten dem Unternehmen für 2019 schon wieder empfindliche Gewinneinbußen.

Herausforderung "Autonomes Fahren"

Viel Geld müssen die Hersteller aber auch fürs autonome Fahren in die Hand nehmen. Zwar ist das Robo-Auto im Augenblick noch Zukunft, diese aber wird jetzt gemacht. Durchaus berechtigt die Sorge der klassischen Autobauer, dass ihre Produkte zu bloßen Hüllen verkommen, in denen Google, dessen Schwesterfirma Waymo, Uber, Apple & Co. dann ihre künstlichen Intelligenzen verbauen. Wenn überhaupt, denn womöglich bauen diese Unternehmen ihre Autos gleich selbst - ganz so wie Bosch, Continental oder ZF, Zulieferunternehmen also, die längst schon eigene automobile Pilotprojekte wie selbstfahrende Shuttlebusse am Laufen haben.

Autonomer Shuttlebus
Autonomer Shuttlebus von Bosch: Auch ihre Zulieferunternehmen machen Daimler, BMW, Volkswagen & Co. Konkurrenz.
© Bosch

Zu den 30 Milliarden Euro, die Volkswagen in Elektromobilität investiert, addieren sich folglich weitere 14 Milliarden, die in autonomes Fahren, Digitalisierung und in Mobilitätsplattformen fließen. Denn dass der Individualverkehr in Zukunft anders aussehen wird als heute, ist das nächste große Thema, dem sich die Autobauer stellen müssen; auch hier sitzen ihnen Mitfahrdienste wie Uber oder dessen chinesisches Pendant Didi als digitale Konkurrenten mit Millionen von Kunden im Nacken. Daimler und BMW wollen daher gegensteuern und ihre Mobilitätsangebote zu einem Joint-Venture bündeln, das 2019 an den Start gehen soll und dann als Kerngeschäft Carsharing (Car2Go, DriveNow) bietet, darüber hinaus aber auch Mobilitätsformen wie Leihräder, Taxen und Nahverkehr inklusive Buchung und Bezahlung vernetzt. Auch ein digitaler Parkdienst und ein Ladenetzwerk für Elektroautos gehören zum Angebot.

Nicht kaufen, sondern abonnieren

Selbst die klassischen Geschäftsmodelle rund ums Auto haben womöglich bald ausgedient. Volvo-Deutschland-Chef Thomas Bauch etwa geht davon aus, dass die Marke ab 2019 rund fünf Prozent ihres Umsatzes in Deutschland mit "Care by Volvo" machen könnte, einem Abo-Modell, bei dem eine monatliche Flatrate bereits alle relevanten Posten vom Kraftstoff über die Versicherung bis hin zu Reparaturen umfasst. Ähnliche Rundum-Sorglos-Pakete werden auch von Mercedes ("Flexperience"), Cadillac ("Book by Cadillac") oder Porsche ("Passport") erprobt.

Ideen und Initiativen gibt es also viele. Jetzt kommt es auch darauf an, wie der zuletzt stark verunsicherte Kunde reagiert - ob er beispielsweise eines der neuen Elektroautos kauft und sich dann auf die ungewohnten Herausforderungen wie höhere Preise und längere Lade-Pausen auf Reisen einlässt. Es bleibt spannend, auch 2019.

Ulla Ellmer

 

kicker

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