Inter Mailand im Check: Umbau, Anspruch, Wunschtraum

Konfetti-Regen dank Conte, Godin, Lukaku?

Antonio Conte

Gibt ab sofort die Richtung bei Inter vor: Antonio Conte. imago images

Was hat sich Luciano Spalletti eigentlich vorzuwerfen? Im Grunde nichts: Der 60-jährige Trainer, vor zwei Jahren von der Roma zu Inter gekommen, hat den Mailändern das in erster Linie Erwünschte gebracht. Zweimal in Folge und nach (sieben) Jahren der Tristesse führte der Coach die Nerazzurri jeweils in die Champions League, moderierte die Seifenoper rund um Mauro Icardi gut und etablierte den Klub wieder im italienischen Zirkus der Großen.

Für die Bosse war das alles dennoch zu wenig. Sie wollen Titel, denken immer noch allzu gern an die letzten Scudetto-Jahre (fünfmal Meister zwischen 2006 und 2010) mitsamt dem Triple 2010 unter José Mourinho zurück und haben wie Napoli genug von Rekordmeister Juventus mit seinen 35 Titeln, acht davon in Serie.

Kommt mit Conte der Erfolg?

Also haben die Chefs rund um Milliardär Steven Zhang ("Suning Holdings Group") oder Vize-Präsident wie Vereinslegende Javier Zanetta die Geldbörse gezückt, den Charme spielen lassen - und allen voran den begehrten Trainer Antonio Conte an Land gezogen. "Ich bin mir sicher, dass Antonio Conte einer der besten Trainer ist", so Inter-Präsident Zhang bei der Bekanntgabe des Coups - verbunden mit der Bitte, dass der Coach Inter wieder zu einem der "besten Klubs der Welt" mache.

Die Vita des Italieners gibt das her: Conte hat nach erfolgreichen Jahren als Spieler bei US Lecce (1985-1992) und Juventus (1992-2004) den Trainerschein gemacht und landete schließlich nach kleineren Stationen wieder bei der Alten Dame. Juves aktuellen Serie-A-Triumphzug brachte er mit den Scudetti in den Spielzeiten 2011/12, 2012/13 und 2013/14 auf den Weg, ehe die italienische Nationalmannschaft (EM-Halbfinale 2012) sowie ein Engagement beim FC Chelsea (Meisterschaft 2016/17, FA Cup 2017/18) folgten. Kurzum: Dieser Mann steht für Erfolg...

Wir sind nicht Juve. Gewinnen ist nicht das Einzige, was für uns zählt.

Statement der Inter-Ultras

...und hat dennoch keinen leichten Stand! Denn kaum war die Verpflichtung Contes Ende Mai 2019 vermeldet, da gab es schon ersten Gegenwind. Zum einen wollen etliche Juve-Fans, dass ihr einst gefeierter Spieler und beachteter Trainer seinen Stern im Turiner Stadion aufgrund seines Wechsels zum Rivalen Inter verliert. Zum anderen warnen Nerazzurri-Anhänger den neuen Coach schon einmal. Der Wortlaut eines von den Ultras verbreiteten Statements: "Wir sind nicht Juve. Gewinnen ist nicht das Einzige, was für uns zählt. Dennoch viel Glück für Mister Conte - verbunden mit der Hoffnung, dass er uns schnell zeigt, dass er es wert ist, Inter zu trainieren."

Seine Ansage zu Dienstbeginn kam vielleicht auch deswegen etwas kleinlaut daher: "Ich habe ein neues Kapitel in meinem Leben aufgeschlagen. Ich bin wirklich sehr aufgeregt und werde ab sofort alles dafür tun, das Vertrauen der Bosse zu rechtfertigen und Inter dahin zurückführen, wo es hingehört."

Lukaku vorn, Godin hinten

Romelu Lukaku

Neuer Inter-Hoffnungsträger: Romelu Lukaku. imago images

Klar ist aber auch, dass dank Conte wieder großer Enthusiasmus in Milano vorherrscht. Für die erste Partie gegen den Aufsteiger und Contes früheren Klub aus Lecce am kommenden Montagabend (20.45 Uhr, LIVE! bei kicker.de und live wie auf Abruf bei DAZN - hier geht's zur Anmeldung inklusive Gratismonat!) erwartet das Giuseppe-Meazza-Stadion knapp 70.000 Tifosi.

Insbesondere auch wegen Romelu Lukaku, der als Heilsbringer im Sommer von Manchester United gekommen ist, existiert wieder ein regelrechter Hype in der lombardischen Metropole. Doch nicht nur: Insgesamt sind bislang 194,5 Millionen Euro investiert worden - die teuerste Transfer-Kampagne beim Dino der Serie A (88. Saison) seit der Vereinsgründung vor 111 Jahren. Darunter zum Beispiel auch Abwehrchef Diego Godin nach dessen erfolgreicher Zeit bei Atletico Madrid.

Die chinesischen Eigner von "Suning" und Manager Beppe Marotta halten also bislang Wort, den 21-Punkte-Graben als Tabellen-Vierter aus der Vorsaison zu Juventus schnellstmöglich zu nivellieren. Weitere Transfers bis Anfang September nicht ausgeschlossen: Alexis-Sanchez-Leihe von ManUnited? Ein weiterer Mittelfeldspieler nach der gnadenlosen Aussortierung von "Ninja" Radja Nainggolan (inzwischen bei Ex-Klub Cagliari untergekommen)? Ein weiterer Stürmer, nachdem Wunschspieler Edin Dzeko inzwischen bis 30. Juni 2021 bei der AS Roma verlängert hat?

Prunkstück Defensive

Samir Handanovic

Torwart, Kapitän, Chef hinter der starken Inter-Defensive und in der Serie A 2017/18 17-mal ohne Gegentor: Samir Handanovic. imago images

Auf dem Zettel der Mitfavoriten auf den Titel steht Inter Mailand in jedem Fall, allein schon wegen Trainer Conte. Darüber hinaus verfügen die Nerazzurri neben Torwart und Kapitän Samir Handanovic über eine bärenstarke Abwehr (Godin, Stefan de Vrij, Milan Skriniar, Andrea Ranocchia), ein kreatives, zweikampfstarkes Mittelfeld (Marcelo Brozovic, Matias Vecino, Nicolo Barella). Und auch der Sturm kann sich sehen lassen: Neben Lukaku finden sich im Kader mit Lautaro Martinez, Matteo Politano oder Routinier Antonio Candreva weitere Qualitätsspieler, wenngleich mit den Abgängen von Ivan Perisic (Bayern München) und der Unsicherheit um Icardi (im Sommer aussortiert, bei Juve, der Roma, Napoli im Gespräch sowie inzwischen mit der Rückennummer 7 versehen) sicherlich noch Handlungsbedarf besteht - und insgesamt ein Angriff auf das bärenstarke Juve doch kaum zu stemmen sein wird. Einen Konfetti-Regen nach einem Titel gibt es noch am ehesten in der Coppa Italia, dem kürzesten Weg zu einem Titel.

mag

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