Echtzeit-Datenerfassung macht mächtig Schlagzeilen

Meister, Olympia, TV: Fragen und Antworten zur Saison 2019/20

Nikola Bilyk, Uwe Gensheimer, TV-Kamera

Im Fokus: Kiels Nikola Bilyk, DHB-Kapitän Uwe Gensheimer und die Live-Übertragungen. imgo images (3)

Wer wird Meister?

Rekordmeister THW Kiel geht als großer Favorit in die 54. Bundesliga-Saison. Nach vier Jahren ohne Meistertitel soll Neu-Trainer Filip Jicha das eingespielte und sogar noch verstärkte Team der Zebras als Nachfolger von Alfred Gislason zurück auf den deutschen Thron führen. Auch den Rhein-Neckar Löwen ist mit seinen prominenten Neuzugängen Uwe Gensheimer und Romain Lagarde eine Menge zuzutrauen. Bei Titelverteidiger SG Flensburg-Handewitt bleibt abzuwarten, wie die Abgänge von Kapitän und Abwehrchef Tobias Karlsson (Karriereende) sowie Weltmeister Rasmus Lauge (Wechsel nach Veszprem) kompensiert werden können. Zum erweiterten Favoritenkreis zählen der SC Magdeburg und die MT Melsungen.

Wer steigt ab?

Die beiden Aufsteiger HBW Balingen-Weilstetten und HSG Nordhorn-Lingen werden es traditionell schwer haben, die Klasse zu halten. Auch die Eulen Ludwigshafen, die in der vergangenen Saison ein Tor besser waren als der erstmals in die Zweitklassigkeit gestürzte Traditionsklub VfL Gummersbach, gelten als abstiegsgefährdet.

Warum ist die Liga interessanter als zuletzt?

Mit Nationalmannschaftskapitän Gensheimer kehrt DAS Gesicht des deutschen Handballs zurück. Nach drei Jahren beim französischen Top-Klub Paris St. Germain wird der Weltklasse-Linksaußen für neue Glanzpunkte sorgen. Spannung birgt auch das Projekt "MT Deutschland" in Melsungen. Mit dem wieder vollständig genesenen Julius Kühn (Kreuzbandriss) und Neuzugang Kai Häfner geht die MT mit insgesamt vier DHB-Leistungsträgern an den Start. Im nächsten Jahr kommt noch Keeper Silvio Heinevetter (aktuell Füchse Berlin) hinzu.

Was können die deutschen Klubs international erreichen?

Nach drei Jahren ohne deutsche Beteiligung muss das Final Four der Champions League in Köln für die beiden HBL-Starter in dieser Saison das Ziel sein. Vor allem Kiel dürfte nach seiner Ehrenrunde im EHF-Cup auf die Königsklasse brennen und mit seiner eingespielten Mannschaft gute Karten haben. Doch auch Flensburg ist eine Überraschung zuzutrauen. Der EHF-Cup wird angesichts der vier deutschen Teilnehmer (Magdeburg, Löwen, Berlin und Melsungen) mit großer Wahrscheinlichkeit weiter fest in der Hand der Bundesligisten bleiben.

Was ist neu?

Für Schlagzeilen sorgte vor allem eine neue Technologie der Echtzeit-Datenerfassung, die die Bundesliga ab der kommenden Saison attraktiver machen soll. Die Profis der 18 Bundesligisten werden ab sofort bei den Liga-Spielen mittels kleinen Chipkarten in Trikot und Ball auf Schritt und Tritt bis in den letzten Winkel des Spielfeldes verfolgt. Durch je 14 kleine W-Lan-Router pro Spielstätte werden die Daten in Sekundenbruchteilen unter der Hallendecke zusammengefügt und abrufbar gemacht - und die Profis so zu gläsernen Handballern. Neben dem unbestrittenen Mehrwert für Teams und Trainer, denen die Daten verfügbar gemacht werden, sollen Fans, Medien und Sponsoren zusätzliche, "faszinierende Blickwinkel" eröffnet und "neue Erlebniswelten und innovative Angebote" geschaffen werden.

Worum geht es für die Nationalmannschaft?

Großes Ziel sind die Olympischen Spiele im nächsten Sommer in Tokio. Auf dem Weg dorthin ist die Europameisterschaft der Saison-Höhepunkt. Das Turnier im Januar wird erstmals in drei Ländern (Norwegen, Österreich, Schweden) ausgetragen, Deutschland gehört zum erweiterten Favoritenkreis.

Wo sind die Spiele zu sehen?

Nach einer "fundamentalen" Verbesserung der TV-Quoten (O-Ton HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann) und einer Reichweitensteigerung bei Bezahlsender "Sky" von 83 Prozent wird es in der neuen Saison keine Veränderungen bei den Übertragungen geben. Heißt: Sämtliche 306 Ligaspiele werden von "Sky" übertragen, die einheitlichen Anwurfzeiten am Donnerstag (19 Uhr) und Sonntag (Topspiel um 13.30 Uhr, sonst 16 Uhr) bleiben unverändert. Vereinzelt finden Spiele auch am Dienstag, Mittwoch oder Samstag statt. Die ARD überträgt zwölf Spiele live, darunter ein Halbfinale und das Finale des DHB-Pokals. Der TV-Vertrag mit "Sky" und den Öffentlich-Rechtlichen läuft noch bis 2021 mit der Option auf zwei weitere Jahre.

Was noch zu sagen wäre?

"Komisch, dass das alle sagen. Irgendwie will keiner Meister werden, wir sind gefühlt die einzigen. Klar wollen wir die Meisterschaft gewinnen und wir werden alles dafür tun, sie zu holen." (Kiels Kapitän Patrick Wiencek über die vielen Umfragen, die den THW vorne sehen)

sid/msc

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