Last-Minute-Sieg dank Joker-Tor

Walter über Gonzalez: "Von mir aus kann er noch mehr verpulvern"

 VfB-Coach Tim Walter und Torschütze Nicolas Gonzalez.

Tiefe Verbeugung: VfB-Coach Tim Walter und Torschütze Nicolas Gonzalez. picture alliance

Die Schwaben waren dem FC St. Pauli bei allen relevanten Statistiken überlegen. Die Hausherren sind nicht nur drei Kilometer mehr gelaufen als die Hamburger (119,21 km vs. 116,21 km). Der VfB hatte mehr Ballbesitz (68 Prozent), war in den Zweikämpfen präsenter (54 Prozent Zweikampfquote), spielte mehr als doppelt so viele Pässe (573 vs. 274) und hatte dank des Kurzpassspiels eine deutliche höhere Passquote (86 Prozent vs. 64 Prozent). Doch trotzdem lagen die Stuttgarter nicht nur lange zurück, sondern hätten gut und gerne auch weitere Gegentreffer kassieren können.

"Es ist nicht leicht, gegen einen tiefstehenden Gegner anzuspielen. Oft ist es einfacher, nur zu reagieren", kommentierte Tim Walter die schwierige Situation für sein Team, das er stets aktiv sehen möchte. Überrascht waren die Spieler vom Auftritt der Kiezkicker natürlich keineswegs. "Wir haben erwartet, dass St. Pauli aus einer kompakten Defensive agiert und auf Konter lauert", wird Daniel Didavi auf der Website des Vereins zitiert. "Sie sind verdient in Führung gegangen."

Didavi: "Wir haben Herz gezeigt"

Erst nach der Pause klappte es besser bei den Hausherren - wohl auch weil die Halbzeitansprache etwas lauter ausfiel. "In der zweiten Hälfte haben wir den Gegner besser zum Laufen gebracht und uns dadurch Räume geschaffen. Es ist schön, dass wieder ein Standard zum Tor geführt hat", freute sich Marc Oliver Kempf, der mit Oberschenkelproblemen ausgewechselt wurde ("Nichts Wildes"), über seine Ko-Produktion mit Vorlagengeber Gonzalo Castro. Es blieb eine halbe Stunde, die die Gäste immer weiter in Bedrängnis brachte. "In der zweiten Hälfte haben wir einen sehr großen Aufwand betrieben", wusste Didavi und lobte seine Kollegen: "Wir haben Herz gezeigt und auch das macht diese Mannschaft aus."

Singender Walter verbeugt sich vor dem Torschützen

Vor allem Nicolas Gonzalez sorgte bei seinem ersten Pflichtspieleinsatz in dieser Saison mal wieder für frischen Wind. Doch er zeigte auch, warum er den Ruf eines Chancentodes hat. In bester Position schlug er kurz vor dem Tor ein Luftloch, verpasste damit den Führungstreffer und erinnerte an zahlreiche ähnliche Szenen aus der Abstiegssaison. Sollte es für den jungen Argentinier also genauso weitergehen, wie die vergangene Spielzeit geendet hatte - mit einem Negativerlebnis?

Diesmal nicht. Es lief die 90. Minute, als er eine passgenaue Vorlage von Borna Sosa technisch anspruchsvoll per Direktabnahme zum vielumjubelten 2:1-Sieg in die Maschen drosch. Das nötigte nach Abpfiff seinem bestens gelaunten Trainer sogar eine tiefe Verbeugung ab. "Von mir aus kann er noch mehr verpulvern. Wenn er dann in der 90. da steht und den macht - ja und? Ich bin sehr zufrieden mit ihm", lobte Walter und ging wenig später "Schala La La La La La" singend an den Journalisten vorbei aus dem Stadion.

tru

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