Kleines Kleeblatt überrascht in der Regionalliga

"Cool im Kopf" und ohne Schmerzen: Fürth II plötzlich Spitzenreiter

Petr Ruman

"Wir waren cool im Kopf": Fürths U-23-Trainer Petr Ruman. imago images

Am Dienstagabend gewann Fürth II das Nachholspiel beim TSV Rain/Lech denkbar knapp und spät mit 1:0 und ist mit drei Punkten Vorsprung nun alleiniger Spitzenreiter in der viertklassigen Regionalliga Bayern. Bis dahin war es aber ein spannender Ritt: SpVgg-Stürmer Dominik Wüst verschoss einen Elfmeter (12.), danach ging gegen einen defensiven Gegner lange nichts. "Ein schwieriges Spiel", hatte Kleeblatt-Coach Petr Ruman gesehen. "Wir haben den Ball nicht ganz so gut laufen lassen können wie zuletzt. Aber wir haben die Ruhe und den Glauben bewahrt."

Wir waren bereit, über die Schmerzgrenze zu gehen.

Petr Ruman

Die Erlösung für die Mittelfranken dann in der dritten Minute der Nachspielzeit, als der aufgerückte Malik McLemore eine Flanke von David Raum ins Tor köpfte (90.+3). "Wir waren heute cool im Kopf und zugleich bereit, über die Schmerzgrenze zu gehen", stellte Ruman zufrieden fest.

Und so setzte Fürth II seine Serie fort: Nach einem Unentschieden gegen Schweinfurt zum Auftakt (0:0) folgten fünf Siege in Folge gegen Heimstetten (3:1), Schalding-Heining (4:1), Aschaffenburg (2:0), Garching (2:1) und nun Rain (1:0). Ein Grund für den Lauf: Mit erst drei Gegentoren haben die noch ungeschlagenen Franken mit Abstand die beste Defensive der Liga.

Stallgeruch im Trainerteam

Petr Ruman & Roberto Hilbert

Trainer mit Stallgeruch: Petr Ruman und sein Athletik-Coach Roberto Hilbert (r.) waren selbst langjährige Profis in Fürth. imago images

Ein beeindruckender Wandel im Vergleich zu den Vorjahren: In den letzten drei Spielzeiten spielte das "kleine Kleeblatt" stets gegen den Abstieg, musste bis zum Ende zittern und landete auf den Rängen 16 (2016/17), 13 (2017/18) und 14 (2018/19). Nun winkt eine Saison in deutlich ruhigerem Fahrwasser. Den Druck aufzusteigen verspürt die U 23 nicht - laut Statuten wäre dies durchaus erlaubt, ob sich der Verein sowohl Mehraufwand als auch Mehrkosten in der 3. Liga leisten würde, ist unwahrscheinlich.

Am Ruder sitzen mit Ruman (42), seinem mitspielenden Co-Trainer Daniel Adlung (31) sowie Athletik-Coach Roberto Hilbert (34) ein junges Trio mit jeder Menge Stallgeruch. Stürmer Ruman trug zwischen 1999 und 2005 das Kleeblatt auf der Brust (169 Ligaspiele, 38 Tore). Offensivspieler Adlung stand zwischen 2001 und 2008 bei der SpVgg unter Vertrag (74 Ligaspiele, vier Tore). Flügelflitzer Hilbert schnürte zwischen 2004 und 2006 sowie zwischen 2017 und 2019 die Fußballschuhe für Fürths Profis. Alle drei waren ihrerzeit Publikumslieblinge - Adlung (Fürth) und Hilbert (Forchheim) sind gar gebürtige Franken und wurden bei den Weiß-Grünen ausgebildet. Zusammen kann das Trio zwei Meistertitel, 219 Bundesliga-Spiele, 23 Bundesliga-Tore, 18 Champions-League-Spiele und acht A-Länder-Spiele für Deutschland vorweisen.

Diese Mischung scheint in der aktuellen Mannschaft gut anzukommen. In dieser dürfen auch immer wieder Talente aus der 1. Mannschaft Spielpraxis sammeln. So kamen Leon Schaffran (21), Maxi Bauer (19), Alexander Lungwitz (19), David Raum (21), Elias Abouchabaka (19), Robin Kehr (19) und Benedikt Zahn (23) in dieser Saison schon zwei Klassen tiefer zum Einsatz und trugen zur bisherigen Erfolgsgeschichte bei. Das nächste Kapitel könnte schon am Freitagabend (19.30 Uhr) im Auswärtsspiel beim Tabellen-Vorletzten FC Memmingen weitergeschrieben werden.

Christian Rupp

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