Für die Azzurrini wird dieser "Keks" kein leichter sein

Italiens U 21 ist raus - Di Biagio zieht die Konsequenzen

Manuel Locatelli (links), Federico Bonazzoli (Mitte) und Federico Chiesa

Lange Gesichter, große Enttäuschung: U-21-EM-Gastgeber Italien um Manuel Locatelli (links), Federico Bonazzoli (Mitte) oder Federico Chiesa ist ausgeschieden. imago images

Vor dem letzten Gruppenspiel hatte sich der Begriff "Biscotto" in den italienischen Gazetten breitgemacht. Weniger war jedoch das exakt übersetzte Wörtchen Keks, sondern eher die sekundäre Bedeutung gemeint gewesen: Absprache oder Verschwörung.

Das ist den Rumänen und Franzosen sicher nicht vorzuwerfen, schließlich duellierten sich die beiden Nationen in einem intensiven und auch mit Chancen versehenen Spiel - und trotzdem stand mit deren Remis, der Nullnummer am Montagabend das bittere Aus der Azzurrini fest. Der mit starken Spielern wie Federico Chiesa (Florenz) oder Lorenzo Pellegrini (AS Roma) versehene Gastgeber ist nicht mehr Teil dieser EM. Die Hoffnung auf den Titel? Vorüber und einem Alptraum gewichen, einem Keks mit fadem Beigeschmack und ordentlich Gewicht im Magen.

"Schlimmster Alptraum"

Gastgeber Italien hatte ein Remis schon vor der Partie befürchtet. "Italien droht die Gefahr, wegen einer Absprache zwischen Rumänien und Frankreich auszuscheiden", hatte die Zeitung "Corriere della Sera" am Sonntag geschrieben. "Das wäre unser schlimmster Alptraum."

Andere mögen dagegen behaupten, dass das Karma mit diesem Resultat zurückgeschlagen hat. Denn bei der U-21-EM vor zwei Jahren hatte sich im Vorfeld des letzten Gruppenspiels zwischen Italien und dem späteren Champion Deutschland ein ähnliches Szenario abgezeichnet. Den Italienern war damals bereits ein 1:0-Sieg fürs Weiterkommen genug - und die Partie, sie endete mit 1:0. Leidtragender damals: die Slowakei. Die Italiener selbst kramen dagegen womöglich nochmals die EM 2004 aus: Beim damaligen "Biscotto" hatten sich Schweden und Dänemark im letzten Gruppenspiel 2:2 getrennt. Die Folge: Weiterkommen für beide Nationen und das bittere Aus für Italien.

"Der italienische Fußball ist ausgeschlossen"

Die "Gazzetta dello Sport" ging mit der gesamten Situation den Abend über in jedem Fall humorvoll um - und schaltete auf der Website eine Timeline mit Twitter-Posts über Kekse. Hier posteten die User zum Beispiel einen im Dauermodus Plätzchen essenden SpongeBob, ein Bild von einem imaginär französischen Bauern, der sein "rumänisches" Huhn mit einem Keks füttert samt der Bildunterschrift "Wer hätte das gedacht?", ein Backofenblech voller aufgehender Kekse oder nach Schlusspfiff einfach Fragen aufwerfende Sätze wie: "Haben sie wirklich den Keks gemacht? Wirklich?"

In einem eigenen Bericht schrieb die "Gazzetta" dagegen: "Italien eliminiert! Spanien, Frankreich, Deutschland und Rumänien - das ist der beste Nachwuchs Europas. Und nein, Italien gehört hier nicht dazu! Die Azzurrini sind raus, verurteilt durch das sich andeutende 0:0 zwischen Frankreich und Rumänien in Cesena und durch das eigene 0:1 am 2. Spieltag gegen Polen." Hier hatte Italien dominiert, aber das Tor nicht getroffen. Die Sportzeitung weiter: "Dies ist ein Misserfolg, den man nicht leugnen darf. Denn unser U-Boot ist nicht im Halbfinale angekommen, genauso wenig wie bei den Olympischen Spielen in Tokio 2020. Der italienische Fußball ist hierbei zum dritten Mal in Folge ausgeschlossen."

Di Biagio tritt zurück

Luigi di Biagio

Seit 2013 im Amt - und nun zurückgetreten: Italiens U-21-Trainer Luigi di Biagio. imago images

Von Beteiligten wie U-21-Coach Luigi di Biagio, der seit 2013 im Amt ist und vor der Installation von A-Trainer Roberto Mancini bereits die Sqadra Azzurra betreut hat, waren nach dem Scheitern keine Aussagen zu vernehmen. Der frühere Roma- und Inter-Profi hatte für Dienstag aber eine Pressekonferenz angekündigt - und dort offiziell seinen Rücktritt bekanntgeben. Seine Worte: "Wir haben bei dieser EM starke Leistungen gezeigt. Aber das Ergebnis ist schmerzhaft - und ich bin dafür verantwortlich." Hintergrund: Di Biagio selbst hatte mehrmals betont, dass das Weiterkommen sowie das Olympia-Ticket für sein Team Pflicht sei und es keine Entschuldigungen gibt.

mag/kög

13

Das sind die Stadien der U-21-EM 2019