Seifert zur DFB-Boss-Suche

"Nicht die schwierigste Personalie Deutschlands"

Reinhard Rauball und Christian Seifert

Reinhard Rauball und Christian Seifert imago images

"Das ist sicherlich eine wichtige Position, aber auch nicht die schwierigste Personalie Deutschlands. Es gibt auch andere Unternehmen mit großer gesellschaftlicher Bedeutung aus der Industrie oder anderen Sportverbänden. Da soll es schon vorgekommen sein, dass man in der Lage war, innerhalb von drei Monaten jemanden zu finden, der bestimmte Rollen übernehmen kann", sagte Seifert in Neu-Isenburg nahe Frankfurt/Main. Dort soll am 27. September der Nachfolger des unter Druck zurückgetretenen Reinhard Grindel gewählt werden. Aktuell haben DFB und Vertreter der Liga eine kleine Arbeitsgruppe mit externer Beratung aufgesetzt. Im Verband plant man, die Vorschlagsfristen bis Ende August auszudehnen, um sich gemeinsam mit der am 21. August erneut tagenden Liga abzustimmen.

Vizepräsident Rainer Koch, der mit dem scheidenden Ligapräsidenten Reinhard Rauball den DFB derzeit kommissarisch führt, skizzierte die bevorstehende Strukturveränderung innerhalb des DFB. "Der DFB ist gemessen am Umsatz die drittgrößte Sportorganisation in Deutschland. Weshalb die Trennung von klar wirtschaftlich orientierten Tätigkeiten, dazu zählt die Vermarktung der Nationalmannschaft im Rahmen einer DFB GmbH, und eher gemeinnützig orientierter Tätigkeiten im e.V. logisch ist", begrüßte Seifert. Wobei sich dann die Frage stellt, wer künftig den mitgliederstärksten Sportfachverband der Welt bei FIFA oder UEFA vertritt? Ein Präsident als Aufsichtsratsvorsitzender des e.V. oder ein Vertreter der GmbH, die dann für die Nationalelf zuständig wäre. "Es gibt international durchaus Fälle, wo die Gremienvertretung nicht durch den Verbandspräsidenten geregelt ist, zum Beispiel in England", verwies Seifert, der die Mehrfachfunktionen als DFB-Präsident und zugleich FIFA-Rats- bzw. UEFA-Exekutivkomitee-Mitglied aber für machbar hält.

Für ihn ist jedoch der Hebel in einem solchen internationalen Gremium nicht zu überschätzen. "Wichtig ist ein auf Augenhöhe stattfindendes Verhältnis, das aber gleichwohl das Gewicht des deutschen Fußballs reflektiert - das war vielleicht in den letzten Jahren nicht der Fall, ohne dabei mit jemandem auf den Finger zeigen zu wollen", erklärte der 50-Jährige. Damit wirbt er für eine diplomatisch geschickt agierende Persönlichkeit an der Spitze des DFB. "Man hat den Eindruck, dass das Problem der Organisation gerade in dem Präsidenten bestand, der gerade zurückgetreten war, und ansonsten sei alles in Ordnung. Dass das nicht so ist, ist ganz offensichtlich, glaube ich", kritisierte der Manager die häufigen Wechsel an der Verbandsspitze seit 2004.

Benni Hofmann