Augsburger macht kurzen Prozess

Richter überzeugt mit Bolzplatzmentalität und Doppelpack

Marco Richter

Doppelter Torjubel: Marco Richter. imago images

Von der U-21-EM in Italien berichten Fabian Istel und Michael Pfeifer

Drei Monate ist es nun her, da hatte Marco Richter die U-21-Europameisterschaft in Italien und San Marino gedanklich bereits abgehakt. Weil er in den Härtetests gegen Frankreich (2:2) und in England (2:1) kaum Einsatzzeit verbuchen konnte, "ging er davon aus, dass er keine Chance hat, in den Kader zu kommen", verriet Stefan Kuntz nach Deutschlands Auftaktsieg in Udine. "Doch das haben wir mit einigen Telefonaten geklärt." Die Aussicht, doch noch den Sprung zur EM zu schaffen, weckte in dem 21-Jährigen neuen Mut und Ehrgeiz. "Marco hat in dieser kurzen Zeitspanne enorm an seiner körperlichen Fitness gearbeitet", unterstreicht der Cheftrainer der U 21. Richter, der bereits vor der Saison seine Ernährung umgestellt und professionalisiert hatte, suchte in diesen Monaten verstärkt den Kraftraum auf und fühlt sich nun selbst "widerstandsfähiger". Der Lohn für die harte Arbeit: "Er hat im Trainingslager überzeugt und gezeigt, dass er mit aller Macht in die erste Elf will. Er hat sich die Startaufstellung absolut verdient und nicht geschenkt bekommen, weil ein anderer verletzt war", stellte Kuntz klar. So hätte der Offensivmann des FC Augsburg "auch gespielt, wenn Hoffenheims Nadiem Amiri im Vorfeld des Turniers nicht angeschlagen gewesen wäre."

Der Torriecher ist wieder da

Vor den Augen seiner Freundin und Familie im Stadion war Richter besonders entschlossen, seine Chance am Schopfe zu packen. Der gebürtige Friedberger präsentierte sich in der Offensive gewohnt emsig und mutig - und bewies zudem zweimal seinen Torriecher, den er nach einer langen Durststrecke beim FCA erst gegen Ende der Saison mit seinen Doppelpacks am 28. Spieltag in Frankfurt (3:1) und eine Woche später beim 6:0 gegen Stuttgart wiederentdeckt hatte. "Tore zu erzielen ist immer ein überragendes Gefühl", strahlte Richter in der Mixed Zone über beide Ohren, "und doppelt zu treffen, dazu noch bei meinem ersten Turnier mit einer DFB-Auswahl, besonders geil." Richter machte mit den Dänen kurzen Prozess und krönte obendrein seine Glanzleistung mit dem finalen Pass auf Luca Waldschmidt, der diesen Konter zum 3:0 veredelte.

Spätzünder im DFB-Trikot

Richter durchläuft eine Entwicklung im Schnelldurchlauf. Anders als die meisten seiner Mitspieler, die zahlreiche U-Teams durchliefen, ist der Doppeltorschütze ein Spätzünder im DFB-Trikot. "Ich hatte es immer schwer und war in den Junioren-Nationalteams nie allzu groß gefragt", blickte Richter zurück, der vor seiner Nominierung nur einmal für die U 20 zum Einsatz kam. Ganz glauben konnte er seinen perfekten Einstand in die EM deshalb auch noch nicht: "So ein großes Turnier war schon immer ein Traum von mir. Dass ich dann auch noch so einen Start hinlege, macht mich natürlich sehr glücklich."

"Er hat einfach diese Bolzplatzmentalität"

Mit seinem Traumstart bestätigte der Doppeltorschütze auch das, was sich Kuntz bereits vor dem Spiel erhoffte hatte. "Bei Marco ist dieses Intuitive extrem ausgeprägt, er hat einfach diese Bolzplatzmentalität. Ich habe ihn deshalb vor dem Spiel daran erinnert und gesagt: Spiel einfach Fußball, wie es dir gefällt, weil du einfach Spaß daran hast und das Spiel liebst", verriet der Cheftrainer. "Ich hatte den Gedanken, wenn man ihn darin bestärkt, dann könnte es klappen." Da bewies Kuntz ein feines Näschen. "Dass es jetzt zum Auftakt aber gleich mit zwei Toren geklappt hat und ich in der Mannschaft kurz mal medial nach vorne gerückt bin, ist natürlich ein geiles Gefühl", genießt Richter, weiß aber auch: "Das sagt aber natürlich noch nichts aus, ich will weiter meine Tore machen und am Ende den Pokal hochhalten."

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