French Open 2019: Thiem folgt für den "Djoker" im Halbfinale

Zverev ohne Chance gegen Branchenprimus Djokovic

Alexander Zverev

Das Aus gegen Novak Djokovic: Alexander Zverev. Getty Images

Am Tag nach dem Regen-Chaos ist Alexander Zverev bei den French Open gegen einen starken Novak Djokovic untergegangen und hat sein erstes Grand-Slam-Halbfinale erneut verpasst. Der 22 Jahre alte Tennisprofi aus Hamburg musste sich am Donnerstag im Viertelfinale dem wieder einmal großartig auftrumpfenden Weltranglisten-Ersten in nur 2:09 Stunden mit 5:7, 2:6, 2:6 geschlagen geben. "Ich bin zurückgelegen, und dann habe ich vier, fünf Spiele perfekt gespielt", sagte Djokovic. "Es ist wichtig, in entscheidenden Situation die Konzentration zu bewahren", sagte der Serbe. "Ich bin sehr glücklich, wieder im Halbfinale zu sein."

Zverev hatte auf eine Überraschung gehofft und angekündigt, gegen Djokovic sein bestes Tennis zeigen zu müssen, um überhaupt eine Chance zu haben. Am Mittwoch waren die beiden Viertelfinal-Darsteller noch zum Nichtstun gezwungen, weil es den ganzen Tag regnete und die Plastikplanen zum Schutz des Bodens gar nicht erst von den Sandplätzen gezogen wurden. Tags darauf schien dann sogar wieder die Sonne, als Zverev und Djokovic auf den Center Court durften.

Djokovic war erstmals richtig gefordert. Ohne Satzverlust war der Serbe bis dahin durch das Turnier gerauscht, im Achtelfinale hatte er dem zuletzt stark aufspielenden Sauerländer Jan-Lennard Struff keine Chance gelassen. Zverev spielte zunächst mutig und offensiv. "Djokovic merkt, dass er ein Gegenüber hat, der gewinnen will", sagte Eurosport-Experte Boris Becker und bescheinigte Zverev anfangs eine "hohe Qualität".

Zverev serviert zum Satz - und verliert ihn dann

Der Norddeutsche mit den russischen Wurzeln erarbeitete sich früh Breakchancen, vergab diese aber sowohl beim Stand von 1:1 als auch beim Stand von 2:2. Seinen vierten jedoch nutzte Zverev nach 42 Minuten und dem bis dahin mit 24 Schlägen längsten Ballwechsel zur 5:4-Führung. Doch statt sein eigenes Aufschlagspiel zum Satzgewinn durchzubringen, kassierte Zverev sofort das Re-Break zum 5:5. Diese kurze Verunsicherung reichte: Mit einem Doppelfehler bescherte Zverev seinem Kontrahenten aus Belgrad nach 57 Minuten den Satzgewinn.

Dominator Djokovic

Nach dem schwierigen ersten Jahresviertel mit sportlichem Misserfolg und der Trennung von seinem Manager wirkte Zverev in Paris dennoch wieder viel stabiler und kann das Viertelfinale als ordentlichen Erfolg und ersten Schritt aus der Krise werten. Denn gegen diesen Djokovic in dieser Form werden es auch andere äußerst schwer haben. Djokovic führt die Weltrangliste mit riesigem Vorsprung auf Nadal an, er hat zuletzt die Australian Open, Wimbledon und die US Open gewonnen. 26 Grand-Slam-Matches in Serie hat er jetzt nicht verloren. Zwar haderte der Familienvater mal kurz im ersten Satz und schüttelte den Kopf nach einem seiner wenigen Fehler, insgesamt aber scheinen Zweifel oder Wackler für Djokovic derzeit Fremdwörter zu sein.

Zverev wirkte müde und unkonzentriert

Als er im zweiten Satz 3:0 führte, spielte er einen Zauber-Stopp, den Zverev nicht erreichte und beim Versuch auf dem Hosenboden landete. Nur 32 Minuten dauerte der zweite Durchgang, den Zverev erneut mit einem seiner insgesamt acht Doppelfehler unfreiwillig beendete. Wenig später knallte Zverev dann auch erstmals seinen Schläger auf den Boden, nachdem er eine Rückhand ins Netz geschlagen hatte. Im dritten Durchgang wirkte Zverev dann auch müde und unkonzentriert. 12:05 Stunden hatte er bis dato auf dem Platz gestanden, Djokovic nur 6:46.

Thiem zum vierten Mal in Folge im Halbfinale

Djokovics Halbfinalgegner steht auch schon fest: Vorjahres-Finalist Dominic Thiem setzte sich in 1:47 Stunden souverän mit 6:2, 6:4, 6:2 gegen den Russen Karen Abgarovich Khachanov durch. Das zweite Halbfinale bestreiten der elfmalige Roland-Garros-Champion Rafael Nadal aus Spanien und der Schweizer Roger Federer. Thiem erreichte zum vierten Mal nacheinander bei dem Sandplatz-Turnier in der französischen Hauptstadt das Semifinale.

mst/dpa

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