Abwehrspieler wehrt sich

Hintereggers Wechsel-Kalkül? "Das ist doch Schwachsinn"

Martin Hinteregger (li.), Julian Franzke

In Frankfurt im Gespräch mit kicker-Redakteur Julian Franzke: Martin Hinteregger (li.). kicker

Am 26. Januar wurde Hinteregger nach dem 0:2 am 19. Spieltag in Gladbach von einem Reporter gefragt, ob Trainer Manuel Baum die Mannschaft noch erreiche. Der 26-Jährige sprach aus, was er dachte. "Die Abwärtsspirale geht jetzt schon ein Jahr, das ganze Jahr 2018 ist die Kurve eigentlich nach unten gegangen. Ich kann nichts Positives über ihn sagen und werde nichts Negatives sagen", sagte der österreichische Nationalspieler - und sorgte damit bundesweit für Schlagzeilen. Außerdem kritisierte er Baums Defensivkonzept: "So macht Fußball keinen Spaß, wenn du immer nur dem Ball nachläufst und nur darum bettelst, ein Tor zu bekommen." Auf die unmittelbar nach dem Spiel getroffenen Aussagen folgte eine drastische Strafe: die Suspendierung.

Frankfurt nutzte die Gunst der Stunde und lieh den Abwehrspieler kurz vor Transferschluss bis zum Saisonende aus. Bei der Eintracht blüht Hinteregger seither auf und spielte sich auf konstant hohem Niveau rasch in die Herzen der Fans.

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Spielerprofil

Kurz dachte ich, das war's mit meiner Karriere.

Martin Hinteregger

Einige Leute nahmen ihm allerdings krumm, dass er sich in Folge der Suspendierung sportlich verbesserte und unterstellten ihm Kalkül. Dagegen wehrt sich der Profi im Gespräch mit dem kicker. Angesprochen auf diesen Vorwurf, erklärt Hinteregger: "Dann hätte ich die Niederlage in Gladbach schon vorher einplanen müssen, das ist doch Schwachsinn. Nach einem guten Resultat hätte ich so etwas nie gesagt. Die Tage nach der Suspendierung waren nicht schön, ich war komplett niedergeschlagen. Kurz dachte ich: Das war's mit deiner Karriere, jetzt kannst du noch ein paar Jahre in Österreich kicken. Es gab noch die Option, zu einem kleinen Verein in Italien zu wechseln... Ein größeres Glück, als Bruno Hübners Anruf, hätte ich nicht haben können."

Die Tragweite seiner Worte sei ihm in dem Moment nicht bewusst gewesen. "Äußerungen direkt nach einem Spiel muss man immer ein bisschen anders sehen. Ich dachte, das war zwar ein bisschen hart, aber doch halbwegs im Rahmen. Dann kam der Dienstag - und die Überraschung, dass mit mir so hart verfahren wurde. Eine Geldstrafe wäre aus meiner Sicht auch eine Möglichkeit gewesen. Ich war danach schon richtig fertig. Aber es hat sich noch alles zum Guten gewendet", sagt der Linksfüßer.

Ich stehe noch zwei Jahre beim FC Augsburg unter Vertrag. Also muss ich mich mit Wünschen bedeckt halten.

Martin Hinteregger

Wie es im Sommer für ihn weitergeht, weiß er nicht. "In ein paar Wochen bin ich wieder Spieler des FC Augsburg, dort stehe ich noch zwei Jahre unter Vertrag. Also muss ich mich mit Wünschen bedeckt halten", stellt Hinteregger nüchtern fest, bemerkt aber auch: "Wenn ich sehe, wie schnell mich die Leute lieben gelernt haben, denke ich schon darüber nach: Soll das nur so kurz gewesen sein?" Er hofft, dass "bei diesem Thema so schnell wie möglich Klarheit herrscht".

Im großen kicker-Interview (Donnerstagsausgabe) spricht Hinteregger außerdem über das Halbfinale gegen den FC Chelsea, die besondere Verbundenheit zu Trainer Adi Hütter und den Fans der Eintracht, die außergewöhnliche Hilfe von Kapitän David Abraham und ein mögliches neues Jagdrevier im Taunus.

Julian Franzke

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