Hertha: Personallage entspannt sich

Dardai zu seinem Aus: "Ich bin ein bisschen erleichtert"

"Es soll keiner denken, Pal ist mit einem Bein schon weg": Herthas scheidender Cheftrainer Dardai.

"Es soll keiner denken, Pal ist mit einem Bein schon weg": Herthas scheidender Cheftrainer Dardai. picture alliance

Für das Duell mit dem Tabellenletzten aus Hannover stehen am Ostersonntag (18 Uhr, LIVE! bei kicker.de) Top-Scorer Ondrej Duda (zehn Tore, vier Assists) und Mittelstürmer Vedad Ibisevic nach Gelb- beziehungsweise Rotsperre ebenso wieder zur Verfügung wie Innenverteidiger Niklas Stark, der beim 0:2 in Hoffenheim wegen eines Infekts nicht gespielt hatte. Am Donnerstag nahmen zudem auch Marko Grujic, der in der vergangenen Woche im Training umgeknickt war, Fabian Lustenberger (nach Faserriss) und Vladimir Darida (nach Oberschenkelverletzung) wieder am Mannschaftstraining teil. Damit entspannt sich die Personallage beim Hauptstadtklub.

Entspannter als in den vergangenen Wochen präsentierte sich am Donnerstagmittag auf der Pressekonferenz auch Dardai, dessen Amtszeit als Cheftrainer des Tabellenelften im Sommer nach dann viereinhalb Jahren endet. Der Ungar saß auf dem Podium neben Manager Michael Preetz und sprach über ...

. . . das Training am Donnerstag, die Reaktion der Mannschaft und seine Erwartungen an seine Spieler: "Es war heute ein guter Trainingstag, die Mannschaft war sehr aggressiv und fokussiert, es war ein sehr dynamisches Training. Das will ich auch am Wochenende sehen, und nicht nur dann, sondern auch in den letzten paar Wochen der Saison. Ich habe den Jungs gesagt, dass es keinen Urlaub gibt und keiner denken soll: Pal ist mit einem Bein schon weg, ich kann hier jetzt chillen. Das gibt es nicht. Wir müssen punkten, das ist sehr wichtig für den Verein, die Platzierung und für alle Herthaner. Es ist auch sehr wichtig für die neue Saison, dass die Mannschaft eine gute Platzierung erreicht."

. . . die vergangenen Tage und seine Gefühlswelt: "Ich habe schon 100-mal gesagt, dass Pal Dardai ein Vollprofi ist, weil er praktisch in der Fußballkabine aufgewachsen ist. Ich bin nicht beleidigt, ich bin nicht wütend, ich schwimme mit der Situation bei Hertha mit. Das war schon als Spieler so. Manchmal habe ich gespielt, manchmal nicht, manchmal wollten sie mich verkaufen, manchmal sollte ich gehen, ich bin aber nicht gegangen. Ich bin hier - und bleibe hier. Sehr unangenehm, oder? (grinst)"

. . . aufkommende Wehmut: "Erst einmal ist es eine schöne Sache zu spüren, dass mich die Leute lieben und mögen. Wir haben schon zu meinen Zeiten als Spieler viel zusammen erlebt, haben gekämpft für diesen Verein. Und auch jetzt haben wir zusammen etwas Schönes gebastelt. Diese Liebe und diese positive Energie sollen die Leute am Wochenende auch der Mannschaft geben, um ihr zu helfen, damit wir diese Serie (fünf Niederlagen in Folge, Anm. d. Red.) beenden. Dann wären alle glücklich. Für mich geht das Leben weiter. Ich bin ein komischer Mensch, ich komme damit klar."

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Eine Uhr zum Hertha-Abschied - Dardai und der kleine Wunsch

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. . . die Frage, ob er einen speziellen Wunsch an die Mannschaft zum Abschied habe: "Mein spezieller Wunsch, auch an den Manager, ist, dass sie eine schöne Uhr kaufen (lacht). Ich will mindestens Tabellen-Zehnter werden, dann habe ich einen guten Abschied, und ich will eine schöne Uhr. Micha, hast du gehört? (lacht)"

. . . seine Amtsmüdigkeit, über die er in einem Interview mit einer ungarischen Zeitung gesprochen hatte: "Ich bin nicht von der Mannschaft müde oder vom Manager, sondern von den Medien. Ich habe immer gesagt, dass der Unterschied zwischen Jugend- und Profifußball die ganzen Termine mit der Presse sind, dass man erklären muss, was manche ab und zu nicht verstehen wollen. Das macht müde. Dann braucht man eine Auszeit. Der Punkt ist vielleicht jetzt erreicht, um mich erst mal zu erholen und ein bisschen Pause zu machen. Mein Vertrag (als Cheftrainer, Anm. d. Red.) lief immer für ein Jahr, dann konnte Micha (Preetz, Anm. d. Red.) entscheiden, ob er verlängert wird. Ich habe schon im vergangenen Jahr gesagt, es ist zäh, aber wir machen es noch mal. Jetzt ist es eine Entscheidung, bei der ich spüre, dass ich auch ein bisschen erleichtert bin."

. . . seine Pläne ab Sommer, eine mögliche Zukunft beim ungarischen Verband und die Zukunft seines ältesten Sohnes Palko Dardai, der bei Hertha im Profikader steht: "Ich werde erst mal eine Pause machen. Das habe ich verdient und brauche es auch. Ich werde hospitieren bei großen Vereinen und mich auch ein bisschen mit Sportwissenschaften beschäftigen. Normalerweise komme ich dann nach einem Jahr zurück, und Micha gibt mir eine Aufgabe. Mit dem ungarischen Verband habe ich nicht gesprochen, das ist auch noch zu früh. Und was Palko angeht: Bei ihm entscheiden der Manager und der neue Trainer, wie es weitergeht."

. . . sein Verhältnis zu Hertha und eine möglicherweise fehlende Unterstützung in den vergangenen Monaten: "Von mir kommt nie ein negatives Wort über Hertha BSC, nicht mal über den Manager. Wir sind immer klargekommen, haben immer eine ehrliche Diskussion gehabt. Man darf nicht vergessen: Pal Dardai kann sich für alles bei Hertha BSC bedanken. Meine Kinder spielen im Nachwuchs von Hertha BSC, wir sind zufrieden als Familie, wir sind auch Hertha-Fans. Ich bin froh, dass ich hier war und bin. Das ist einfach gut. Es ist vielleicht merkwürdig, aber ich bin nicht mal wütend. Es ist alles in Ordnung. Ich kann nur stolz sein. Wir haben gemeinsam eine Philosophie entwickelt, die Stabilität ist da. Das ist die Voraussetzung für den nächsten Schritt."

Preetz an die Mannschaft: "Die Jungs müssen sich gewaltig steigern"

Herthas Manager Preetz nimmt nun die Mannschaft in die Pflicht und möchte für einen gebührenden Abschied für das Trainerteam sorgen. "Es ist selbstverständlich, dass ich gestern bei der Mannschaft war und die aktuelle Situation erläutert habe. Natürlich habe ich den Jungs auch gesagt, dass es nicht zuletzt auch ihre Verantwortung ist, dafür zu sorgen, dass wir uns in den letzten fünf Spielen der Saison anders präsentieren als in den vergangenen fünf Spielen", so Preetz. "Wir wollen auch gemeinsam dafür sorgen, dass wir dem Trainerteam, das hier viereinhalb Jahre großartige Arbeit geleistet hat, einen gebührenden Abschied bereiten. Und wir wollen natürlich auch für uns mit Blick auf die neue Saison einen guten Ausstieg aus diesem Jahr haben. Insofern müssen sich die Jungs gewaltig steigern."

Jan Reinold