Ex-Mainzer überzeugt als Pavlenka-Ersatz

Kohfeldt lobt Kapino: "Er ist komplett"

Stefanos Kapino

Bekam gegen Freiburg seine Chance - und überzeugte: Stefanos Kapino. imago

Fast ein Jahr lang war Stefanos Kapino ohne Spielpraxis, nach seiner überraschenden Einwechslung zur zweiten Halbzeit am Samstag gegen Freiburg aber auf Anhieb voll da. Der 25-Jährige bestätigte mit Ausstrahlung und Reflexen, dass Werder im vergangenen Sommer mit der neuen Nummer zwei ein guter Griff gelungen ist. Und dass der Klub womöglich sogar schon vorgesorgt hat, falls für Jiri Pavlenka eines Tages ein "unmoralisches" Angebot eingehen sollte, das der Tscheche gerne nutzen würde.

Konkurrent Plogmann

Dass er sich die Rolle der Nummer eins zutrauen würde, hat Kapino auf Nachfrage jedenfalls schon des Öfteren deutlich gemacht. Nichtsdestotrotz füllt er auch seinen aktuellen Posten als Stellvertreter absolut loyal aus - und stand nun erstmals für Werder im Rampenlicht, da Pavlenka nach einem Schlag auf den Oberschenkel in der Kabine bleiben musste. Als Pavlenka in der Hinrunde wegen einer Gehirnerschütterung ausfiel, war noch Youngster Luca Plogmann eingesprungen, da Kapino wegen einer in der Sommervorbereitung erlittenen schweren Sehnenverletzung selbst auf Eis lag.

Spielersteckbrief Kapino

Kapino Stefanos

Werder Bremen - Vereinsdaten

Gründungsdatum

04.02.1899

Vereinsfarben

Grün-Weiß

Im Mannschaftstraining mischt der 1,96-Meter-Hüne erst seit Januar wieder mit, hat sich intern aber bereits ein spürbar hohes Standing erarbeitet. "Er strahlt viel Ruhe aus", sagt etwa Maxi Eggestein, "deshalb haben wir uns überhaupt keine Sorgen gemacht. Und bei den Flankenbällen hat man das auch sofort gesehen." Davy Klaassen pflichtet bei: "Wir wussten, dass er ein guter Torwart ist. Das hat er jetzt auch im Spiel gezeigt. Er hat viel Selbstvertrauen, das ist gerade bei hohen Bällen wichtig."

Fußballerisch sehr, sehr gut. Nicht umsonst war er eines der größten Torwarttalente Europas.

Bremens Trainer Florian Kohfeldt

Beim Stand von 0:0 parierte Kapino zudem einen Flachschuss von Florian Niederlechner sicher. Objektiv zwar eine Pflichtübung, aber zugleich eine wichtige Aktion, die Trainer Florian Kohfeldt daher so bewertete: "Da hat er uns gerettet." Und auch generell hatte der Coach für seine Nummer zwei höchstes Lob parat: "Er ist als Torwart komplett, da gibt es kein anderes Wort. Fußballerisch sehr, sehr gut. Sehr mutig in der Strafraumbeherrschung und mit überragenden Reflexen. Nicht umsonst war er eines der größten Torwarttalente Europas."

Jüngster Debütant - WM-Teilnahme 2014

Tatsächlich feierte Kapino seine Premiere in der griechischen A-Nationalmannschaft bereits im November 2011 als jüngster Debütant überhaupt im Alter von 17 Jahren und sieben Monaten. Mit der U 19 wurde er 2012 noch Vize-Europameister, gehörte dann 2014 in Brasilien zum WM-Kader. Der Karriereknick folgte im selben Sommer mit seinem Wechsel von Panathinaikos Athen nach Mainz.

Bei den 05ern unterschrieb Kapino einen Vierjahresvertrag, suchte aber schon nach zwölf Monaten wieder das Weite, weil er am damals herausragenden Loris Karius nicht vorbeikam. Es folgten weitere durchwachsene Stationen bei Olympiakos Piräus und Nottingham Forest. Sein bislang letztes Länderspiel absolvierte Kapino im März 2017 gegen Belgien (1:1), die letzte Berufung erhielt er im November desselben Jahres für die verlorenen WM-Play-Offs gegen Kroatien.

Thiemo Müller