Der Deutsche Star in einer Liga mit Gretzky, Crosby und Co.

Draisaitl knackt die magische 50

Leon Draisaitl

Mit sich zufrieden: Leon Draisaitl. imago

Als Mannschaftssportler endete die reguläre Saison für Leon Draisaitl enttäuschend: Zum zweiten Mal in Folge verpasste der Deutsche mit den Edmonton Oilers deutlich die Play-offs in der NHL. Dabei hatten die Kanadier noch 2016/17 geglänzt, 103 Zähler in der Hauptrunde geholt und waren erst im Stanley-Cup-Viertelfinale in sieben Spielen denkbar knapp den Anaheim Ducks unterlegen. Ein trügerisches Hoch, bedeutete es doch die einzige Teilnahme für die ruhmreiche Franchise aus dem Nordwesten Kanadas in den vergangenen 13 Jahren. Das ist für den fünfmaligen Stanley-Cup-Champion (1984, 85, 87, 88, 90) schlicht inakzeptabel, zumal er mit Connor McDavid und Draisaitl zwei absolute Superstars in seinem Kader hat. Das Duo beendete die Spielzeit in der Scorerwertung an zweiter und vierter Stelle, erstmals seit 1989/90 (Mark Messier, Jari Kurri) kamen zwei Oilers auf über 100 Scorerpunkte. Diese Statistik sagt aber auch viel über die Qualität des restlichen Kaders aus.

Ich bin glücklich darüber. Ich probiere einfach, mein Spiel zu verbessern, seitdem ich ein kleines Kind bin.

Leon Draisaitl
die letzten 10 Spiele - Edmonton Oilers
Calgary (A)
1
:
3
San Jose (H)
2
:
3
Colorado (A)
6
:
2
Vegas (A)
3
:
1
Anaheim (H)
1
:
5
Dallas (H)
2
:
3
Los Angeles (H)
8
:
4
Ottawa (H)
3
:
4
Columbus (H)
4
:
1
St. Louis (A)
7
:
2
alle Termine

Individuell war es für Draisaitl eine herausragende Saison. Erstmals knackte der 23-Jährige in seiner noch jungen Karriere die 100-Punkte-Marke, seine 50 Tore toppte nur der russische Superstar Alex Ovechkin von Titelverteidiger Washington Capitals mit 51. Die magische 50 erreichte Draisaitl in der Nacht auf Sonntag beim finalen 3:1 bei Erzrivale Calgary Flames, er ist nach den legendären Wayne Gretzky (achtmal im Oilers-Trikot), Kurri (viermal), Glenn Anderson (zweimal), Messier und zuletzt Craig Simpson (je einmal) erst der sechste Oiler, dem dies gelingt. Simpson erzielte 1987/88 allerdings 13 seiner 56 Tore noch für die Pittsburgh Penguins, ehe er während der Saison im Tausch für Starverteidiger Paul Coffey nach Edmonton kam. "Ich bin glücklich darüber. Ich probiere einfach, mein Spiel zu verbessern, seitdem ich ein kleines Kind bin", sagte Draisaitl nach dem Saison-Abschluss.

Illustrer Kreis

Zur besseren Einordnung: Der Deutsche ist in der über 100-jährigen Geschichte der NHL erst der 92. Spieler, der 50 Tore in einer Spielzeit schafft. In diesem Jahrzehnt gesellt er sich zum kleinen, aber illustren Kreis von Ovechkin (achtmal), Steven Stamkos (zweimal), Sidney Crosby, Evgenj Malkin und Corey Perry. Das Who's Who des Welteishockeys.

Umbruch mit Draisaitl und McDavid

Draisaitl will in Kürze entscheiden, ob er Deutschland bei der WM zur Verfügung steht, ab Herbst muss mit den Oilers dann alles besser werden. Um ihn und McDavid soll endlich ein Team gebaut werden, das an die glorreiche Vergangenheit anknüpfen kann. Daran scheiterte zuletzt General Manager Peter Chiarelli, der während der Saison ebenso gehen musste wie Head Coach Todd McLellan. Dessen Nachfolger Ken Hitchcock dürfte den Oilers höchstens in beratender Funktion erhalten bleiben, ein neuer General Manager wird weiterhin gesucht, interimsweise macht diesen Job derzeit Keith Gretzky, der Bruder des großen Wayne.

Platz 20 in der Oilers-Scorerliste

Und Draisaitl? Längst sind die kritischen Stimmen verstummt, die seine 8,5 Millionen Dollar Jahressalär für zu hoch halten. In der Ewigen Scorerliste der Oilers belegt er mit 312 Punkten (125 Tore, 187 Assists) nach 351 Einsätzen bereits den 20. Platz, Tendenz steigend. An den 1669 von Gretzky wird er sich wohl ebenso wie alle anderen auf ewig die Zähne ausbeißen. Einstweilen wäre eine Play-Off-Teilnahme schon die Erfüllung eines Ziels.

Frank Linkesch