Köpke und Dilrosun wieder im Training

Dardai: "Jetzt müssen wir loslegen"

Pal Dardai

Für ihn ist das Spiel in Leipzig abgehakt: Pal Dardai. imago

Nach der dritten Niederlage in Serie ist beim Hauptstadtklub der Ton rauer geworden. Manager Michael Preetz hat mit seiner im kicker vorgebrachten Kritik ("Ich erwarte, dass sich die Mannschaft in den restlichen sieben Spielen am Riemen reißt. Wenn weniger kommt, musst du mehr arbeiten.") den Druck auf Team und Trainer erhöht. Dardai strahlte am Dienstag Ruhe aus und fand dennoch klare Worte: "Ich weiß, es ist Fastenzeit, aber wir wollen mit den Punkten nicht fasten und müssen vor Ostern noch gewinnen. Wir haben minus fünf Punkte im Vergleich zur Hinrunde, jetzt müssen wir loslegen. Wir müssen nicht rumeiern oder irgendwas erzählen, das bringt nichts und ist Quatsch. Die Antwort muss nicht im Training kommen, sondern am Wochenende im Spiel."

Die "sehr böse, sehr schmerzhafte" Niederlage in Leipzig nannte der Ungar "sehr schön für die Motivation - ich habe jetzt besser geschlafen als nach Dortmund, nach Bremen, nach Freiburg". In jenen Partien hatten die Berliner in den Schlussminuten entscheidende Gegentore kassiert. "Bei einem 5:0", fand Dardai, "musst du nichts erzählen." Man habe "im Trainerstab nochmal einige Szenen angeschaut und bewertet", den schlechtesten Auftritt dieser Saison erklärte der Coach am Dienstag für abgeschlossen: "Wir haben das aufgearbeitet und intern einiges besprochen. Ich bin immer ehrlich, nicht hintenrum, nicht seitlich - die Jungs kennen mich."

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Nachlassende Wut

Es war Dardais erste Begegnung mit der Mannschaft seit Samstagabend. Am Sonntag hatte er einen Talktermin bei Sky in München wahrgenommen: "Es war gut, dass man nach dem Spiel nicht viel gesagt hat. Es war gut, dass ich Sonntag nicht hier war. Diese innere Enttäuschung, die Wut lässt nach." Auf Nachfrage bestätigte der 43-Jährige nochmal seinen bereits am Samstag nach Abpfiff geäußerten Eindruck, dass "die Atmosphäre in der letzten Woche ein bisschen anders war". Dardai: "Ich habe das zu meinem Co-Trainer beim Mittagessen gesagt, alle haben mich komisch angeguckt. Aber Pal täuscht sich nicht. Pal hat so viel gespielt, so eine Erfahrung. Das war mein Gefühl."

Sinne geschärft

Das trog ihn nicht - aber den passenden Augenblick, um gegenzusteuern, fand er nicht: "Es war nicht der Moment da, jemanden am Ohr zu ziehen und zu sagen: He, Junge - Zeichen setzen! Ich kann ja nicht beim Mittagessen aufstehen." Jetzt sind die Sinne geschärft. Als "schöne kalte Dusche" bezeichnete Dardai das Debakel: "Das ist nicht schlecht. Jeder wird konzentriert, jeder kommt ein bisschen runter. Und dann schauen wir, was gegen Düsseldorf passiert. Das wird sehr wichtig - und auch interessant. Jetzt ist die Reaktion gefragt: nicht mit dem Mund, sondern auf dem Platz."

Die Spieler sind zurückgelaufen, aber Leipzig war schneller - das ist Qualität.

Pal Dardai

Bei aller berechtigten Kritik am eigenen Team unterstrich Dardai auch: "Verbockt haben es die Spieler nicht. So eine Niederlage hatten wir jede Saison drin. Und wenn wir ehrlich sind - Leipzig gegen Hertha war immer 5:0 und konnte 10 sein. Einmal haben wir gewonnen (3:2 in Leipzig im Dezember 2017 in über 80-minütiger Unterzahl nach Jordan Torunarighas Platzverweis, d. Red.), da hat der liebe Gott von oben geholfen. Aber der Unterschied war immer da. Die Spieler sind zurückgelaufen, aber Leipzig war schneller - das ist Qualität." Herthas Qualität war in dieser Saison aber eben auch, stärker besetzte Teams mit den eigenen Bordmitteln zu nerven und reihenweise zu schlagen: Gegen den FC Bayern (2:0/H, 0:1/A), Borussia Dortmund (2:2/A, 2:3/H), Borussia Mönchengladbach (4:2/H, 3:0/A) oder Eintracht Frankfurt (1:0/H) setzte Hertha mehrfach Ausrufezeichen - und ließ in Leipzig mit und ohne Ball nahezu alles vermissen.

Köpke und Dilrosun sind wieder dabei

Eine Rotation im größeren Stil ist nach dem Fiasko nicht zu erwarten, Dardai will die Reaktion gegen Düsseldorf abwarten: "Vielleicht schmeißen wir danach ein paar junge Spieler rein und testen, ob sie uns nächstes Jahr helfen können." Einstweilen sollen es die Etablierten richten, zu denen am Dienstag nach ihren Verletzungspausen auch wieder Pascal Köpke (Kniereizung) und Javairo Dilrosun (Muskelverletzung im Oberschenkel) stießen. Niklas Stark, der wegen einer Knöchelblessur am Sonntag beim Auslaufen gefehlt hatte, ist ebenfalls wieder gesund.

Rückschlag in der Stadion-Frage

Wieder aufstehen und fighten - das ist Dardais Credo im sportlichen Bereich und auch sein Rat in Sachen Stadion. Am Dienstag hatte der Klub einen empfindlichen Rückschlag auf dem Weg zum geplanten Stadion-Neubau im Olympiapark erlitten. Die Berliner Bau- und Wohnungsbaugenossenschaft von 1892 hatte mitgeteilt, dass sie mit Ablauf der Frist zum 31. März 2019 nicht länger bereit sei, die sechs Wohnhäuser, die für den Bau der neuen Arena hätten abgerissen werden müssen, an Hertha BSC zu verkaufen. Der Tenor der Landespolitik ist, dass das Thema Neubau auf dem vom Klub favorisierten Areal damit vom Tisch ist. Hertha fühlt sich von der Politik ungerecht behandelt. Ab Juli 2025 wollte der Klub in der neuen Arena, für die eine Kapazität von 55 137 Plätzen vorgesehen war und die komplett privat finanziert werden sollte, spielen. Nach dem Schritt der Baugenossenschaft ist die Standortfrage wieder komplett offen - und der Termin vermutlich kaum zu halten. Dardai sagte am Dienstag: "Es wurde von Anfang an gesagt, dass es nicht hundertprozentig sicher ist, dass hier das neue Stadion entsteht. Wir wären froh gewesen, wenn es hier gekommen wäre. Aufgeben muss man nicht, vielleicht kommt das neue Stadion noch hierher." Es sind schwierige Tage für den Hauptstadt-Klub, auf dem Platz und auch daneben.

Steffen Rohr

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Bilder zur Partie RB Leipzig - Hertha BSC