Real-Profi wird nicht jedes Länderspiel machen müssen

Klare Worte des "Unverzichtbaren": Kroos verteidigt Löws Kurs

Nationalspieler Toni Kroos

Funkt mit Bundestrainer Joachim Löw voll auf einer Welle: Nationalspieler Toni Kroos. picture-alliance

Aus Amsterdam berichten Oliver Hartmann und Sebastian Wolff

Den Start ins Länderspieljahr hatte Toni Kroos am Mittwoch gegen Serbien auf der Ersatzbank mitverfolgen müssen. Bundestrainer Joachim Löw gab dem Mittelfeldstrategen "ganz bewusst diese Pause", damit Kroos ausgeruht bei der Härteprüfung am Sonntag gegen die Niederlande wieder Regie führen kann.

Die Pressekonferenz am Vortag dieses Auftaktspiels in der EM-Qualifikation in der Amsterdamer Arena machte klar: Löw und der letzte verbliebene Feldspieler aus dem siegreichen WM-Endspiel von 2014 funken auch nach dem vom Bundestrainer forcierten Verjüngungsprozess auf einer Wellenlänge.

Es ist keine Entscheidung wegen des Alters, sondern es ist eine sportliche Entscheidung. Sportlich muss man diese Entscheidung akzeptieren.

Toni Kroos über die Aussortierung von Müller, Hummels und Boateng

Ausdrücklich verteidigte Kroos die Entscheidung von Löw, die drei Weltmeister Mats Hummels, Thomas Müller und Jerome Boateng auszumustern. "Es ist keine Entscheidung wegen des Alters, sondern es ist eine sportliche Entscheidung. Sportlich muss man diese Entscheidung akzeptieren", sagte Kroos, mit 29 ebenso jung wie Müller. Das Alter könne nicht den Ausschlag für Löws Ausmusterungswelle gewesen sein, unterstrich Kroos: "Mit 29 kann man noch vernünftig Fußball spielen."

Kroos kontert den "Dieseltraktor"-Vorwurf scharf

Dies war Kroos selbst in dieser Saison deutlich seltener gelungen als in den zuvor drei überaus erfolgreichen Jahren mit Real Madrid, weshalb er verstärkt in die Kritik geraten war. Auch hier fand er am Samstag klare Worte, vor allem in Richtung Bernd Schuster. Dessen Aussage, Kroos sei wie "ein Dieseltraktor, der vor sich hintrabt und nichts macht", konterte er scharf: "Das ist einfach nur Quatsch. Ich bin der Letzte, der ein Problem mit konstruktiver Kritik hat. Aber diese Kritik hat keinen Inhalt."

Schon gar nicht werde er von seiner Spielweise abrücken: "Ich bin keiner, der 90 Minuten über den Platz sprintet und 28 Grätschen macht. Es wird keiner mehr hinkriegen, dass ich Selbstzweifel bekomme."

Löw schätzt ohnehin die Qualitäten, die Kroos stattdessen zeigt. "Seine Ballbehandlung und seine Übersicht sind überragend" lobte der Bundestrainer: "Toni Kroos ist für uns unverzichtbar." Auch habe er den Eindruck, dass sein Taktgeber aus seinem Formtief herausgefunden habe: "Ich habe das Gefühl, dass er sich wieder gefangen hat. Er macht im Training einen guten Eindruck."

Kroos-Löw-Absprache: Nicht mehr jedes Länderspiel bestreiten

Gemeinsam mit Joshua Kimmich will Kroos am Sonntag das Zentrum besetzen. Kroos machte allerdings auch deutlich, dass es auch nach dem von Löw als Neubeginn ausgerufenen Umbruch dabei bleibt, dass er nicht mehr zu jedem Länderspiel eingeladen werden will. Diese Absprache, vor der Saison von Kroos als Bedingung für ein Weitermachen eingefordert, habe weiter Bestand: "Daran hat sich nichts geändert."

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