Wegen Pyro: Schwer angesäuerter Rettig lobt Dr. Brych

HSV-Matchwinner Lasogga: "Unser wahres Gesicht"

Pierre-Michel Lasogga

Natürlich in Feierlaune: HSV-Torjäger Pierre-Michel Lasogga war mit zwei Toren maßgeblich am Derbysieg beteiligt. imago

"Ich musste einfach dahinrennen", sagte ein strahlender Lasogga gegenüber "Sky" über die Jubelarie nach seinem Kopfballtreffer in der 32. Minute, als er nach Aaron Hunts Lattenfreistoß im Stile eines Torjägers abstaubte. "Wir sind sehr erleichtert, wir freuen uns übermäßig. Wir hatten uns nach dem Hinspiel (0:0, d. Red.) viel vorgenommen, waren bis in die Haarspitzen motiviert und haben unser wahres Gesicht gezeigt."

Lasogga, der mit seinem zweiten Treffer zum 3:0 (61.) - dem insgesamt zwölften in dieser Saion - das Duell mit dem Stadtrivalen vorentschied, lobte nach dem ersten Derbysieg seit 2002 ausdrücklich die geschlossene Mannschaftsleistung: "Wir waren alle füreinander da. Es ging heute ja nicht nur um den Derbysieg. Es war auch wichtig, einen Konkurrenten auf Abstand zu halten. Wir hatten auch unabhängig vom Derby Druck, weil Union und Köln vorgelegt haben. Umso beachtlicher, wie wir heute aufgetreten sind."

Wir hatten auch unabhängig vom Derby Druck, weil Union und Köln vorgelegt haben. Umso beachtlicher, wie wir heute aufgetreten sind.

Pierre-Michel Lasogga

Auf Seiten St. Paulis, das mit 43 Punkten nun deren sieben Rückstand auf den großen Stadtrivalen hat, war der "Frust riesengroß", wie Alex Meier konstatierte. Der Routinier erwies sich nach dem bemerkenswert fairen Spiel ohne eine einzige Gelbe Karte als fairer Verlierer: "Der Sieg des HSV ist hochverdient, vielleicht ein Tor zu hoch." Ob es anders gelaufen wäre, wenn sein Volleyschuss - die einzige Chance der Kiez-Kicker im ersten Durchgang (28.) - eingeschlagen hätte? "Ist doch scheißegal. Wir trauern jetzt zwei Tage, dann geht es weiter."

Spielbericht

Trauern wird St. Pauli wohl auch ob drohender Geldbußen angesichts des wiederholten Zündens von Rauchtöpfen und Pyrotechnik aus beiden Fanlagern. Schiedsrichter Dr. Felix Brych hatte die Partie im ausverkauften Millerntor-Stadion viermal kurzfristig unterbrochen, in der 83. Minute mussten beide Teams sogar kurzzeitig das Feld verlassen. "Ich habe die Aufgabe, alle Mittel auszuschöpfen. Wenn ich die Mannschaften in die Kabine bitte, ist das die letzte Warnung." Letzlich war der Unparteiische froh, dass die Partie über die Bühne ging und lobte die Zusammenarbeit mit den beiden Kapitänen.

Umgekehrt sang Andreas Rettig ein Loblied auf den erfahrenen Unparteiischen: "Kompliment an Dr. Brych, wie er das zu Ende gebracht hat." Ansonsten brodelte es sichtlich bei St. Paulis Geschäftsführer, der Aufarbeitung ankündigte und klare Worte an die eigenen Anhänger fand: "Das war nicht in Ordnung, da kann ich mich nur dafür entschuldigen. Das war eine Selbstinszenierung, und damit haben uns die Fans einen Bärendienst erwiesen."

jch