Trainerwechsel nach dem Ligapokalfinale?

Pulverfass Chelsea - Sarri flunkert bei Hudson-Odoi

Callum Hudson-Odoi

Heikle Personalie: Callum Hudson-Odoi. Getty Images

Maurizio Sarri muss seine baldige Ablösung beim FC Chelsea fürchten, dabei hat er jetzt sogar Pep Guardiola getoppt: Das 3:0 im Rückspiel der Europa-League-Zwischenrunde gegen Malmö am Donnerstag war sein 28. Sieg im 43. Pflichtspiel, seit er in England ist - Guardiola hatte in seiner ersten ManCity-Saison nur 27 der ersten 43 gewonnen.

Doch wie viel ist das wert, wenn sieben der 28 Siege in der Europa League eingefahren wurden und Sarri selbst beim letztlich souveränen Auftritt am Donnerstag wieder die Wut der Fans ertragen musste? Die 76. Minute beschrieb am besten, wie es um die Blues und ihren Trainer gerade bestellt ist: Sarri, schon beim FA-Cup-Aus gegen Manchester United (0:2) offenem Spott von den Rängen ausgesetzt, wechselte beim Stand von 2:0 Jorginho ein - und erntete wieder Buhrufe.

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Eingedenk der Transfersperre, die die FIFA am Freitag aussprach und deren Folgen noch schwer abzuschätzen sind, ist es offensichtlich: Chelsea ist nur sieben Monate nach dem sommerlichen Umbruch ein Pulverfass, schon wieder.

Jorginho ist das Sinnbild - sogar wenn er mal nicht in der Startelf steht

Jorginho, der 57 Millionen Euro schwere Sommerneuzugang, ist dabei zum Sinnbild geworden: Stand er anfangs, als Chelsea unter Sarri gleich die ersten sechs Premier-League-Spiele gewann, für das Aufregende in dessen Idee vom Fußball, steht er jetzt nur noch für dessen Sturheit. Die Gegner haben längst verstanden, dass der 27-jährige Italiener mit seiner Übersicht und Passstärke den Rhythmus vorgibt, und stellen ihn entsprechend zu, während N'golo Kanté, in den letzten Jahren bester Sechser der Premier League, auf halbrechts ausweichen muss.

Doch Sarri ändert trotzdem nichts, hält eisern an System und Personal fest, obwohl fünf der letzten elf Pflichtspiele verloren gingen und Chelsea nur noch Liga-Sechster ist. Dass er seinen "Ziehsohn" aus Neapel am Donnerstag nur einwechselte, hatte ja nichts mit einem Sinneswandel zu tun - er schonte Jorginho lediglich für das anstehende Ligapokalfinale gegen Manchester City (Sonntag, 17.30 Uhr, LIVE! bei kicker.de und im Stream bei DAZN) und beorderte Kanté dennoch erneut auf die Acht (wo dieser eine gute Leistung bot).

Wenn Hudson-Odoi startet, stimmt seine Bilanz

Die holprige Anfangsphase seiner Elf nutzte Sarri prompt für eine Verteidigung in eigener Sache: "In den ersten 30 Minuten", dozierte er, "haben wir verstanden, warum Jorginho sehr wichtig für unsere Mannschaft ist. Wir hatten Probleme, aus unserer eigenen Hälfte zu kommen, haben ohne Selbstvertrauen und Tempo gespielt, waren nervös. Ich hoffe, unsere Fans werden noch verstehen, dass er ein sehr wichtiger Spieler ist."

Nur bleibt dafür überhaupt noch Zeit? Sollte sich Chelsea am Sonntag ähnlich präsentieren wie beim 0:6 bei ManCity in der Liga, könnte Sarri schon wieder Geschichte sein - mit unabsehbaren Folgen für Jorginho, aber auch für Callum Hudson-Odoi: Den 18-Jährigen hatte er gegen Malmö erstmals seit dem verweigerten Wechsel zum FC Bayern von Beginn an aufgestellt, was dieser mit seinem sehenswerten Tor zum 3:0 dankte, seinem sechsten Scorerpunkt im sechsten Startelfeinsatz.

Ich glaube, dass wir ihn genau richtig einsetzen. Aus 20 Einsätzen in dieser Saison werden 30 in der nächsten und 40 in der übernächsten.

Sarri über Hudson-Odoi

Darf er nun auch mal in der Premier League starten? "Callum hat jetzt 14-mal in dieser Saison gespielt - in England gibt es keinen 18-Jährigen, der auf diese Zahl kommt. Deswegen glaube ich, dass wir ihn genau richtig einsetzen. Aus 20 Einsätzen in dieser Saison werden 30 in der nächsten und 40 in der übernächsten", rechtfertigte sich Sarri einmal mehr, allerdings mit falschen Zahlen: Ryan Sessegnon spielte schon 26-mal für Fulham, Phil Foden 20-mal für Manchester City. Und in der übernächsten Saison ist Hudson-Odoi seinem aktuellen Vertrag zufolge auch gar nicht mehr da.

jpe

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