Dortmunds Trainer fürchtet weitere Verletzungen

BVB rotiert gegen Werder - Favre wird mal deutlich

Lucien Favre

Rotation? Für Lucien Favre "obligatorisch". imago

Das Unwohlsein über die unklare Situation war Lucien Favre förmlich anzusehen. Mit hängenden Schultern und einem nicht sonderlich zufriedenen Gesichtsausdruck saß der 61-Jährige auf dem Podium des kleinen Pressekonferenzraums auf dem BVB-Trainingsgelände in Brackel, um Auskunft über etwas zu geben, was er selbst nicht genau wusste: Mit welchem Personal er das bevorstehende Pokalduell gegen Bremen (Dienstag, 20.45 Uhr, LIVE! bei kicker.de) in Angriff nehmen wolle, fragte ein Reporter.

Favres Schultern zuckten kurz, dann fielen sie wieder herab. "Das", sagte er schließlich, "wissen wir noch nicht." Der unbefriedigende Grund: Das regelmäßig zu Wochenbeginn angesetzte Informationsgespräch mit Mannschaftsarzt Dr. Markus Braun stand erst für den Nachmittag auf dem Programm - und damit nur rund 30 Stunden vor Anpfiff der Achtelfinal-Begegnung gegen den Bundesliga-Konkurrenten.

Favre nennt die Negativbeispiele Zagadou und Akanji

Es ist die Crux der englischen Wochen, dass alles komprimiert und verdichtet stattfindet. Der BVB befindet sich zu Beginn einer intensiven Phase von zehn Pflichtspielen in nur rund 40 Tagen. Für reguläres Training bleibt da kaum Zeit. Die wenigen gemeinsamen Einheiten wollen wohl dosiert sein - genau wie die Spielbelastung der einzelnen Profis. Kleinere Wehwehchen können sich sonst schnell zu handfesten Problemen entwickeln.

Favre weiß um diese Schwierigkeit, weshalb er am Montag von seiner sonst so zurückhaltenden Art abwich und eine Frage ungewohnt deutlich beantwortete: die nach der Rotation. "Wir wollen und wir müssen rotieren", erklärte der Schweizer, "sonst wird es irgendwann zu viel für die Spieler - körperlich wie mental." Als negatives Beispiel nannte er die Verletzungen der Innenverteidiger Manuel Akanji und Dan-Axel Zagadou, die dem BVB seit vielen Wochen fehlen. Sie hätten immer gespielt, "und was passiert am Ende?", fragte Favre, bevor er die Antwort selbst gab: "Sie waren lange verletzt." Damit das nicht passiere, sei Rotation "obligatorisch".

Toprak und Schmelzer dürfen auf eine Nominierung hoffen

Immerhin: Zagadou trainiert inzwischen wieder. Für das Spiel gegen Bremen allerdings ist er - das stand schon vor dem medizinischen Update am Nachmittag fest - keine Option. Zu groß ist noch der Rückstand des Franzosen. Ein Einsatz des zuletzt in der Hierarchie hinter Abdou Diallo und Aushilfs-Innenverteidiger Julian Weigl gerutschten Ömer Toprak ist da schon wahrscheinlicher. Auch Marcel Schmelzer könnte auf eine Nominierung hoffen, sofern er die Erkältung, die ihn am Sonntag im Training ausbremste, rechtzeitig auskuriert. In Frankfurt allerdings hatte Favre keine Verwendung für den Linksverteidiger, der zwar mit in die Main-Metropole gereist war, es aber nicht in den Spieltagskader schaffte.

"Zwei bis drei Änderungen" (O-Ton Favre) könnten es sein, die der BVB-Coach am Dienstag vornimmt. Eine Total-Rotation ist dagegen unwahrscheinlich - zu groß ist Favres Respekt vor Werder nach dem engen 2:1-Sieg in der Bundesliga Mitte Dezember. "Es war sehr, sehr schwer. Sie sind sehr gut organisiert, können clever den Ball erobern und dann über Max Kruse schnell nach vorne spielen", erinnerte er sich am Montag an das spannende Spiel zurück und bilanzierte: "Werder hat eine sehr gute Mannschaft."

Matthias Dersch

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