Freiburg: viertes Gegentor in Folge nach einem Eckball

Abgefälschter Ball und "Maschine" Haller zu viel für den SC

Sebastien Haller

Folge der Freiburger Fehlerkette: Frankfurts Sebastien Haller verwertet eine Ecke zur Eintracht-Führung. imago

Ruhende Bälle in der Offensive, aber vor allem auch das Verteidigen von Standardsituationen war ein Schwerpunkt in der Wintervorbereitung. "Defensiv geht es um das individuelle Verhalten. Wie bearbeite ich mit fairen Mitteln, aber mit Härte den Gegenspieler? Wie stelle ich mich zum Ball? Wie viel Prozent fokussiere ich mich auf den Gegner und den Schützen? Wir halte ich Kontakt zum Gegenspieler? Wie setze ich meine Sinnesorgane so ein, dass ich nicht nur auf eins angewiesen bin?", hatte Streich im spanischen Trainingslager erklärt: "Wenn ich mich nur aufs Sehen verlasse, muss ich wahnsinnig oft den Blickpunkt wechseln. Deswegen muss ich taktil Kontakt halten", spielte Streich auf den Tastsinn an, meint damit aber kein "textiles" Trikotvergehen.

Trotz intensiver Arbeit und vielen Hinweisen seitens des Trainerteams muss Alexander Schwolow nach gut 35 Bundesligaminuten im neuen Jahr schon wieder im Anschluss an eine gegnerische Ecke hinter sich greifen. Warum?

Waldschmidt hin- und hergerissen

Zunächst einmal führt Filip Kostic den Eckstoß kurz auf den wenige Meter neben ihm stehenden Sebastian Rode aus. Bereits hier beginnt die Fehlerkette der Freiburger, die mit Mannorientierung plus "freien Verteidigern" im Strafraum bei Ecken operieren. Luca Waldschmidt steht als einziger Verteidiger in der Nähe der Eckfahne, ist aber hin- und hergerissen, ob er den ballführenden Rode oder den einlaufenden Kostic attackieren soll. Einer von beiden würde schließlich frei zum Flanken kommen, weil Waldschmidt weiter auf sich allein gestellt ist.

Rode behält den Ball, seine an sich verunglückte Hereingabe wird durch Florian Niederlechner gefährlich, da der Stürmer die Kugel mit dem Oberschenkel abfälscht. Niederlechner ist in der Nähe des ersten Pfostens als zweiter freier Mann neben Dominique Heintz im Fünfmeterraum postiert, erkennt jedoch zu spät, dass Waldschmidt wegen der kurzen Variante draußen Hilfe benötigt und befindet sich nach kurzem Sprint zwischen Fünfermeter- und Strafraumgrenze, als er den Ball berührt.

Die Überzahl hilft nicht

In der Mitte sind außer Heintz sechs SC-Spieler den sechs einlaufenden Eintracht-Profis jeweils direkt zugordnet. Der verbliebene Vicenzo Grifo ist für den Rückraum eingeteilt, wo Gelson Fernandes lauert. Obwohl sich Makoto Hasebe nicht im Angriffsdrittel befindet, schafft es der SC trotz Überzahl nicht, das Gegentor zu verhindern.

Erst verliert nämlich Mike Frantz (1,82 Meter) den direkten Luftkampf mit Ante Rebic (1,85), der die Kugel mitten vor das Tor verlängert, wo Torschütze Haller (1,90) den im zugordneten Robin Koch (1,92) im Kopfballduell düpiert. Koch, durch den intensiven Positionskampf unglücklich postiert, schafft es gar nicht mehr, im entscheidenden Augenblick hochzuspringen. Auch der Hilfsversuch von Heintz, der Richtung Haller springt, bleibt erfolglos.

Heintz: "Zu spät mit draußen"

"Beim ersten Gegentor waren wir bei der Ecke zu spät mit draußen, dann wird der Ball noch abgefälscht. Da passt dann wieder alles zusammen und du bekommst so ein Gegentor, das ist viel zu leicht", ärgerte sich Heintz zu Recht. "Vorne drin ist Haller auch eine Maschine", nahm Manuel Gulde Abwehrkollege Koch in Schutz. Aber auch er musste erkennen, dass sein Team wieder nicht gut genug verteidigt hatte – allen Trainingseinheiten zum Trotz.

Carsten Schröter-Lorenz

Bilder zur Partie Eintracht Frankfurt - SC Freiburg