Regensburg: Ex-Wolfsburger kommt von der Bank und trifft

Stolze: "Dann hab ich einfach abgezogen"

Jubelschrei: "Joker" Sebastian Stolze feiert seinen Treffer zum 1:1 gegen St. Pauli.

Jubelschrei: "Joker" Sebastian Stolze feiert seinen Treffer zum 1:1 gegen St. Pauli. imago

Entspannter Montag in Regensburg, einen Tag nach dem 1:1 gegen St. Pauli: Der Jahn ist seit neun Spielen ungeschlagen und die Abstiegsränge sind elf Punkte weit weg. Manager Christian Keller arbeitet mal nicht, sondern lässt sich an seinem 40. Geburtstag von seiner Familie feiern. Kapitän Marco Grüttner (33) kümmert sich um Söhnchen Lunis Noël, der am Donnerstag um 15.08 Uhr auf die Welt gekommen war und den 33-Jährigen zum zweiten Mal Vater werden ließ, nach Tochter Laia (2). Auch Sebastian Stolze lehnt sich entspannt bis zufrieden zurück. Zehn Minuten nach seiner Einwechslung war der Offensivmann zur Stelle und traf drei Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit aus spitzem Winkel zum Ausgleich. "Der Ball rollt mir quasi vor die Füße und dann hab einfach abgezogen", berichtet der 23-Jährige. "Dass er am Ende reingeht, schön für alle, schön für mich."

Stolze: "Grundsätzlich kämpft hier jeder nicht nur für sich"

Stolze musste gegen St. Pauli zunächst mal wieder auf der Reservebank Platz nehmen, nachdem er in den acht Spielen zuvor sieben Mal in der Startelf stand. Auf seiner Position auf der Außenbahn spielte Sargis Adamyan. Denn dessen Platz in der Spitze hatte Hamadi Al Ghaddioui eingenommen, der gebürtige Bonner feierte im Alter von 28 Jahren seine Startelf-Premiere in der 2. Liga. "Der Trainer hat vorher mit mir gesprochen", erzählt Stolze. "Und hat mir gesagt: Wenn ich reinkomme, soll ich richtig Gas geben. Dass ich am Ende das Tor mache, freut mich natürlich. Aber grundsätzlich kämpft hier jeder nicht nur für sich, sondern jeder auch für den anderen. Ich finde, das sieht man auf dem Platz."

Achim Beierlorzer bestätigt dies. "Hamadi hatte sich seinen Platz in der Startelf ehrlich verdient, er hat lange hart dafür gearbeitet", sagt der Trainer. "Sebastian hat's sehr gut angenommen. Er ist und bleibt aber natürlich ein ganz wichtiger Spieler."

Für den Trainer überwiegt abseits von Personalien eine ganz andere Erkenntnis: "Unser Kader ist breiter geworden, wenn wir Leute wie den Sebastian nachlegen können. Dann können wir in der Schlussphase nochmal mehr Druck entwickeln." Am Sonntag hat's geholfen.

Stolze besitzt einen Vertrag bis 2021

Stolze war 2017 als Leihspieler aus Wolfsburg gekommen, wollte unbedingt bei den Oberpfälzern bleiben und wurde im Sommer 2018 fest verpflichtet, als der Jahn eine Einigung mit dem VfL über eine Ablöse im fünfstelligen Bereich erzielt hatte. Der Offensivspieler, der auch als Rechtsverteidiger aushelfen kann, unterschrieb einen Vertrag bis 2021. "Sebastian hat sich vom ersten Tag an voll mit dem SSV Jahn, unseren Zielen und Werten identifiziert", sagte Manager Keller damals. Als 18-Jähriger war der gebürtige Thüringer bei seinem Ausbildungsverein Rot-Weiß Erfurt in die Drittliga-Mannschaft gerückt und dort vom österreichischen Trainer Walter Kogler 13mal eingewechselt (1 Tor) worden. 248 Drittliga-Minuten reichten, um im Januar 2014, einen Tag nach seinem 19. Geburtstag, einen Vertrag in Wolfsburg zu bekommen. Dort aber schaffte er es nicht ins Profiteam, nur beim 0:2 gegen Bayern am 27. Februar 2016 saß er auf der Bank. Für Regensburg absolvierte Stolze bisher 39 Zweitliga-Spiele (fünf Tore, fünf Vorlagen), in 20 davon stand er in der Startelf.

Peter Nickel