Verspielen die Reds das Achtelfinale?

Liverpool gefährlich fahrlässig: Klopp hat "nur zehn Finger"

Jürgen Klopp

Plötzlich wird es eng: Jürgen Klopp in Belgrad. Getty Images

Als James Milner später gefragt wurde, wann dieser Dienstagabend denn begann, so schrecklich aus dem Ruder zu laufen, überlegte er nicht lange: "Mit dem Anpfiff."

Der FC Liverpool kehrt mit null Punkten vom Champions-League-Ausflug zu Roter Stern Belgrad zurück, doch eigentlich ist es noch viel schlimmer: Diese 0:2-Niederlage kommt einem Punktabzug gleich. Denn hieß dieses kryptische "FK Crvena Zvezda", das da bei der Vorrundenauslosung im August als Gegner gezogen wurde, nicht frei übersetzt "sechs Punkte"?

Das zweite Tor belegt "Liverpools Champions-League-Horror"

"Ich glaube, dass uns Liverpool unterschätzt hat", sagte Roter-Stern-Verteidiger Milos Degenek, und auch wenn es Jürgen Klopp lieber anders ausdrückte, war das keine unangemessene Analyse nach "Liverpools Champions-League-Horror" (Liverpool Echo) gegen den vielleicht größten Underdog im diesjährigen Wettbewerb. Den Gästen mangelte es an der Energie und Aggressivität, mit der die Gastgeber sie empfingen. Sie spielten gefährlich fahrlässig.

Das zweite Tor etwa konnte nur fallen, weil Milner einen Fehlpass spielte, Georginio Wijnaldum sich im Zweikampf schlecht anstellte und Joel Matip und Virgil van Dijk nur halbherzig ihre Beine ausstreckten, als Matchwinner Milan Pavkov zum Fernschuss ansetzte, der vielleicht auch nicht unhaltbar war (22.). Welch eine Fehlerkette! Sieben Minuten zuvor hatte Pavkov nach einer Ecke bereits unbedrängt einköpfen dürfen.

Klopps Experiment mit Sturridge missglückt

Was also lief alles schief? "Ich habe nur zehn Finger", entgegnete Klopp düster, als er um eine Aufzählung gebeten wurde. Seine auf drei Positionen veränderte Mannschaft habe "ihr Händchen" verloren und versucht, "Probleme zu lösen statt Lösungen zu finden", kritisierte er. "Das ist eine komplett andere Situation." Gleich zweimal wechselte Klopp zur Pause, das kommt nicht häufig vor. Dabei beendete er auch sein missglücktes Startelf-Experiment mit Daniel Sturridge für Roberto Firmino. "Wir haben Belgrad das Leben ein wenig zu leicht gemacht."

Die gute Nachricht ist: Liverpool hat jetzt die Hälfte seiner Spiele verloren und führt die Gruppe C trotzdem weiterhin an. Doch die Ausgangslage hat sich dramatisch verschlechtert für den Vorjahresfinalisten. Als nächstes geht es zu PSG (5 Punkte), zum Abschluss kommt das weiterhin ungeschlagene Neapel (wie Liverpool 6) - dann könnte es auch auf den direkten Vergleich ankommen (Hinspiel: 0:1). Und dieser FK Crvena Zvezda (4) ist ja auch noch da.

jpe

Bilder zur Partie Roter Stern Belgrad - FC Liverpool