Nach der Dunkelheit glänzt der Weltranglisten-Dritte

Wende in fünf Sätzen: Kranker Zverev besinnt sich

Alexander Zverev

Nach der nächtlichen Unterbrechung voll auf der Höhe: Alexander Zverev. imago

Mit einer erneut grandiosen Aufholjagd hat Deutschlands große Tennis-Hoffnung Alexander Zverev ein drohendes Zweitrunden-Scheitern in Wimbledon abgewendet. In Kämpfermanier stemmte sich der Hamburger am Freitag im zweiten Teil gegen den US-Amerikaner Taylor Fritz gegen das frühe Aus und zog dank einer beeindruckenden Leistung doch in die dritte Runde ein. Nach dem 6:4, 5:7, 6:7 (0:7), 6:1, 6:2 hat der Mitfavorit somit am Samstag die Chance auf das Achtelfinale.

Zverev streckte nach seinem Sieg die Arme in die Höhe und den Daumen nach oben, nachdem er die knifflige Situation gemeistert hatte, in die er sich am Vortag gebracht hatte. "Gestern aufzuhören und eins zu zwei Sätze hinten zu sein, war kein gutes Gefühl", sagte er. "Ich hoffe jetzt, dass ich noch ein paar weitere Matches haben werde. Unglücklicherweise sind wir im Fußball schon raus, ich hoffe, die Zuschauer können jetzt noch ein bisschen Tennis sehen."

Ohne Essen und mit Magen-Darm-Virus: Zverev wehrt sich

Es war durchaus Glück für Zverev, dass am Donnerstag nach einem desaströsen Tiebreak ohne einen Punktgewinn im dritten Satz wegen der Dunkelheit abgebrochen wurde. Mit dem Wissen, dass jeder weitere verlorene Satz und eine kleine Schwäche das Aus bedeutet, begann für ihn die Fortsetzung.

Zumal noch Folgendes hinzukam: Zverev nämlich habe an einem Magen-Darm-Virus gelitten, sich während des ersten Teils gegen Fritz übergeben. Und noch wenige Stunden vor der Fortsetzung am Freitag gar überlegt, beim bedeutendsten Tennis-Turnier der Welt gar nicht mehr anzutreten. "Ich hatte sehr wenig Energie, ich habe seit gestern nichts mehr gegessen", sagte Deutschlands bester Tennisspieler. "Aber dann habe ich gedacht, wenn ich mich nicht gut fühle, spiele ich nur einen Satz. Wenn ich mich besser fühle, können es zwei sein."

Mit seinem Können setzte er sich aber letztlich trotz gesundheitlicher Probleme durch. Wieder einmal ist ihm das Comeback gelungen. Schon auf der roten Asche in Paris bei den French Open vor einem guten Monat hatte der Weltranglisten-Dritte das Kunststück vollbracht, dreimal nacheinander einen 1:2-Satzrückstand zu drehen. Erstmals zog Zverev in Paris mit diesen verrückten und spannenden Aufholjagden in ein Grand-Slam-Viertelfinale ein.

Alexander Zverev

Doch noch erfolgreich: Alexander Zverev. imago

Es wartet Ernests Gulbis

In Wimbledon strebt der jüngere Zverev-Bruder nun am Samstag gegen Ernests Gulbis erst einmal den Sprung in die Runde der besten 16 an. Der Qualifikant aus Lettland ist eine machbare Aufgabe, gegen ihn gespielt hat er noch nie.

Der 20-jährige Fritz bestätigte schnell die Einschätzung von Boris Becker, für Zverev eine "anstrengende" Aufgabe zu sein. Als die Fortsetzung am Freitagmittag begann, war Vater Alexander Zverev senior die Anspannung auf der Tribüne anzusehen.

Auf dem Platz ging der jüngere Zverev-Bruder konzentriert seiner Arbeit nach und zelebrierte sein Break zur 3:1-Führung mit einem lauten Schrei und einem Blick hinauf in seine Box. Der Norddeutsche dominierte so sehr den Neuanfang, dass er nach dem 1:1 im gesamten vierten Satz nur noch drei Punkte seines Gegners zuließ. Bei Fritz, wie Zverev 1997 geboren, schlichen sich mehr Fehler ein. Der 1,98 Meter große Schlaks aus Hamburg ließ auch im fünften Satz schnell keine Zweifel mehr, dass er den Court 1 als Sieger verlassen wolle. Zum 2:1 und zum 5:2 nahm Zverev dem US-Amerikaner den Aufschlag ab.

Kohlschreiber scheitert an Kevin Anderson

Im Schatten Zverevs scheiterte Philipp Kohlschreiber in der dritten Runde. Der Augsburger verabschiedete sich mit dem 3:6, 5:7, 5:7 gegen den an Position acht gesetzten Südafrikaner Kevin Anderson.

bst

Favoritensterben, Laa-Laa, Po und Schuh-Schnüffelei