England schimpft ein wenig nach dem 1:1 gegen Italien

Vardy und der Videobeweis: "Keiner weiß, was los ist"

Schiedsrichter Deniz Aytekin

Mit der Elfmeter-Entscheidung von Schiedsrichter Deniz Aytekin waren die Engländer nicht ganz einverstanden. imago

Als der italienische Joker Federico Chiesa, der am Dienstagabend nach seiner Hereinnahme richtig Betrieb machte , in der 85. Minute in den Strafraum eindrang, sich den Ball etwas weit vorlegte und nach einem klaren Zupfer wie Fußtreffer von Gegenspieler James Tarkowski zu Boden ging, blieb die Pfeife des deutschen Schiedsrichters Deniz Aytekin stumm. Sehr zur Freude der Engländer, sehr zum Unmut der Italiener.

Der Bundesliga-Referee bemühte aber im Anschluss den Videobeweis, der auch bei der WM 2018 in Russland zum Einsatz kommen wird - und entschied nach eigener Studie auf Strafstoß. Sehr zur Freude der Italiener, sehr zum Unmut der Engländer. Lorenzo Insigne trat schließlich an und traf in der 87. Minute zum etwas glücklichen 1:1-Ausgleich für die über weite Strecken unterlegene Squadra Azzurra.

"Keiner weiß, was los ist", sagte Stürmer und 1:0-Schütze Jamie Vardy von Leicester City nach dem WM-Test im Wembley-Stadion über die sicherlich vertretbare Entscheidung. Auch Nationaltrainer Gareth Southgate war nicht glücklich: "Darüber kann man den ganzen Tag debattieren. Wir müssen die Regel akzeptieren, aber in diesem Fall war es nicht klar und offensichtlich. Ich würde es vorziehen, dass die Entscheidung des Schiedsrichters endgültig ist." Und Ex-Nationalspieler und TV-Experte Gary Lineker twitterte: "Uns wurde ein offensichtlich verdienter Sieg genommen."

Doch es gab auch andere Meinungen auf der Insel, die ohnehin in den vergangenen Wochen so ihre speziellen Erfahrungen mit dem Videobeweis gemacht hat . Für die "Times" war Aytekins Entscheidung richtig. "So groß Englands Frust auch sein mag - der Zwischenfall zeigte, dass der Videobeweis funktioniert", schrieb die Zeitung. Die Verteidiger müssten bei der Weltmeisterschaft einfach vorsichtiger sein und mit besserem Timing zu Werke gehen.

Schiedsrichter Deniz Aytekin

Diese Bilder werden auch bei der WM 2018 zu sehen sein: Der Schiedsrichter bemüht den Videobeweis. imago

Southgate: "Mir haben die beiden Spiele sehr gut gefallen"

Letztlich war der späte Gegentreffer aber nur eine Randnotiz - denn im Vordergrund standen die Leistungen an sich. Und mit denen war Englands Coach Southgate zufrieden. "Mir haben die beiden Spiele (gegen Holland und gegen Italien; Anm.d.Red.) sehr gut gefallen. Ich finde die Leistungen und die Arbeit der Jungs sehr ermutigend."

Konkrete Ziele für das Turnier in Russland, bei dem die Three Lions in der Vorrunden-Gruppe G auf Tunesien, Panama und Belgien treffen, benennt der Trainer zwar (noch) nicht. Doch offenbar wächst seine Zuversicht, dass sich das Team nicht wieder blamiert wie bei der WM in Brasilien vor vier Jahren (Aus in der Vorrunde) oder der EM in Frankreich vor zwei Jahren (Aus im Achtelfinale gegen Island).

Die englische Abwehr steht

Gareth Southgate

Zufrieden mit den derzeitigen Leistungen seiner Nationalauswahl: Englands Trainer Gareth Southgate. imago

Ein Hauptgrund für den aufkeimenden Optimismus ist neben den offensiven Hoffnungsträgern Raheem Sterling oder den noch verletzten Harry Kane die Stabilität in der Defensive: Bei den beiden Nullnummern gegen Deutschland und Brasilien im vergangenen November und beim 1:0-Sieg gegen die Niederlande war Southgates Mannschaft ohne Gegentor geblieben. Auch gegen Italien kassierte das Team keinen Treffer aus dem Spiel heraus. Die neue Taktik mit einer Dreier-Abwehr, die von zwei im Mittelfeld aufgebotenen Außenverteidigern unterstützt wird, funktioniert nach Auffassung Southgates immer besser: "Es ist deutlich geworden, wohin wir wollen. Daran müssen wir weiter arbeiten."

mag/sid