Ist die Bundesliga im internationalen Vergleich zu schwach?

Was die Primera Division der Bundesliga voraus hat

(v.li.) kicker-Chefredakteur Jörg Jakob und die Ex-Profis Timo Hildebrand, Michael Rummenigge und Erik Meijer

In der Diskussion: (v.li.) kicker-Chefredakteur Jörg Jakob und die Ex-Profis Timo Hildebrand, Michael Rummenigge und Erik Meijer. kicker

Die Zahlen sprechen für sich: Von den 17 Champions-League-Titeln, die in diesem Jahrtausend vergeben wurden, gingen nur zwei nach Deutschland. 2001 und 2013 errang der FC Bayern den Henkelpott. In der Europa League, respektive UEFA-Cup, ist die Ausbeute noch dürftiger: 0 aus 17. In dieser Saison finden die europäischen Halbfinals ohne deutsche Klubs statt - was unweigerlich die Frage aufwirft: Ist die Bundesliga international konkurrenzfähig?

"... dann fehlen die Prozentpunkte"

"Man braucht nicht schwarzmalen um den deutschen Fußball", findet Timo Hildebrand. Allerdings weiß der frühere Torwart, der in seiner Karriere unter anderem nicht nur für den VfB Stuttgart, sondern auch für den FC Valencia in der Primera Division gespielt hat: "Da ist Woche für Woche der härtere Wettbewerb."

Während die Bayern in der Bundesliga "auch mal mit 60, 70 Prozent gegen Darmstadt spielen" könnten, müssten die Topklubs in Spanien häufiger ans Limit gehen. "Dann fehlen die Prozentpunkte", so Hildebrand, wenn sich der FCB mit Real Madrid, Barcelona oder Atletico messen muss. "Das ist ein unterbewusstes Ding", glaubt Hildebrand.

Auch der frühere Bundesliga-Akteur Michael Rummenigge hält die spanische Liga für "dichter und härter" - und schlussfolgert daraus, dass die Topklubs "gestählter im Umgang mit diesen wichtigen Spielen" seien.

Da passiert etwas. Man darf die Engländer nicht unterschätzen.

Wie steht es um die europäischen Aussichten der Premier-League-Klubs, Jörg Jakob?

Sind die Bayern wegen ihrer Personalpolitik womöglich gar selbst schuld, in der Bundesliga kaum Widerstand zu erfahren? Schließlich bedienten sich die Münchner in der Vergangenheit immer wieder bei der Konkurrenz, sobald ihnen diese auf die Pelle rückte. Ist die mangelnde Spannung also hausgemacht? Rummenigge glaubt schon: "Die Liga wird zu einfach." Und: "Wenn es (international, d.Red.) darauf ankommt, ist man manchmal nicht da."

Das Dilemma der Premier League: viel Geld, wenig Erfolg

Jörg Jakob sieht derweil das Potenzial der deutschen Klubs in Europa nicht ausgeschöpft. "Sie müssten mehr möglich machen", findet der kicker-Chefredakteur, schließlich hätten die Vereine nicht nur ausreichend finanziellen Spielraum, sondern auch das entsprechende Know-How. Gerade in Sachen Finanzen schlägt sich die Premier League mit einem ähnlichen Dilemma herum: viel Geld, wenig Erfolg. Doch Jakob glaubt: "Da passiert etwas. Man darf die Engländer nicht unterschätzen." Schließlich investieren die Klubs inzwischen zunehmend in Fachkräfte aus dem Ausland und das Team hinter dem Team.

Auch Erik Meijer ist sich sicher: "Am Ende muss das Kapital etwas produzieren." Der Ex-Profi, der in seiner Karriere für den FC Liverpool gespielt hat, ist überzeugt, dass in absehbarer Zeit ein Titel wieder auf die Insel wandern wird, denn: "Das Niveau in England ist schon riesig." Doch 62 Prozent im kicker-Trend glauben auch: In den nächsten drei Jahren wird ein Bundesligist einen internationalen Titel abräumen.

lei

kicker.tv - Der Talk - Folge 43

Das Bundesliga-Manko: Andere sind dichter, härter, gestählter

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