Immer mehr Geld oben - und immer größere Sorgen unten

Hilferuf der Amateure: Welche Lösungen gibt es?

Dr. Rainer Koch

Erklärte die Aufstiegsregelung der Regionalligen: DFB-Vizepräsident Dr. Rainer Koch. kicker

Reenald Koch brachte mit einem Satz das auf den Punkt, was viele Amateurvereine umtreibt. "Es geht massiv der Solidaritätsgedanke verloren", so der Präsident des Nord-Regionalligisten Eintracht Norderstedt. Der Kern des Unmuts der Amateure: Es strömt immer mehr Geld in den Fußball - und davon profitieren vor allem die Profiklubs. Oder wie es Jörg Jakob aus der kicker-Chefredaktion darstellte: "Im großen Fußball ist immer mehr Geld, aber an der Basis herrschen Geldsorgen." Ein bedenklicher Status quo. Nur wie ist ihm beizukommen?

Jakob erklärte: "Die Leute bashen nicht, sie drücken ihre Sorgen aus und rufen zum Teil nach Hilfe." DFB-Vizepräsident Dr. Rainer Koch verdeutlichte zunächst einmal: Der DFB ist nicht für jedes Problem verantwortlich, mit dem sich die Amateure herumschlagen. Und: "Die Amateurklubs haben einen riesengroßen Anteil, dass es dem deutschen Fußball so gut geht."

Die Leute bashen nicht, sie drücken ihre Sorgen aus und rufen zum Teil nach Hilfe.

Jörg Jakob über die Funktionäre im Amateurfußball

Gleichwohl betonte Dr. Koch aber auch: "Wir sind nicht in der Lage, Beträge zu zahlen, um den Vereinen signifikant zu helfen." Ein Vertreter eines Kreisligisten habe ihm etwa gesagt, er erhoffe sich einen Zuschuss von 15.000 Euro pro Jahr, bei gut 25.000 Klubs seien dies aber 375 Millionen Euro. Zudem würden die Amateure bereits "in hohem Maße subventioniert" werden, schließlich würden sie "nur 30 Prozent der Kosten" tragen.

Wie aber ist zu rechtfertigen, dass der DFB eine Akademie plane, die Kosten im dreistelligen Millionenbereich verursache, während die Amateurvereine mit Finanzproblemen zu kämpfen haben? "Da muss man die Frage stellen dürfen, ob dass das richtige Signal an die Basis ist", findet Jakob.

Geldnot an der Basis, aber zig Millionen für eine DFB-Akademie

(v.l.) Jörg Jakob, Reenald Koch, Steffen Freund und Dr. Rainer Koch

Die Gäste bei "kicker.tv - Der Talk" (v.l.): Jörg Jakob, Reenald Koch, Steffen Freund und Dr. Rainer Koch. kicker

Zunächst einmal, entgegnete Ex-Profi Steffen Freund, dürfe man die beiden Themen nicht in einen Topf werfen. Und: "Wir müssen in der Spitze investieren, sonst werden wir gegen andere Nationen verlieren." Dr. Koch ergänzte: "Der gesamte deutsche Fußball hat die Aufgabe, wettbewerbsfähig zu sein."

Fünf Ligen, aber nur drei Aufsteiger - Wie ist das zu rechtfertigen?

Auch die Aufstiegsregelung der Regionalligen wurde diskutiert. Fünf Ligen, aber nur drei Aufsteiger, sprich: auch als Meister nicht zwingend Aufsteiger - ist das zu rechtfertigen? "Diese Regelung ist schlecht", findet Freund, "wie auch immer sie zustande kommt: Sie ist falsch." Dr. Koch hielt jedoch dagegen: "Niemand führt die Diskussion, wie es besser zu machen ist."

Womöglich mit vier Regionalligen, aus denen vier Meister in die 3. Liga aufsteigen? In diesem Fall könnten etwa die Staffeln Nord und Nordost zusammengelegt werden. "Das würde unseren Verein 150.000 Euro mehr kosten", erklärte Norderstedts Präsident Reenald Koch. Er findet: Es gibt keine bessere Regelung als die derzeitige, die "sowohl sportlich als auch wirtschaftlich" sinnvoll ist.

lei

kicker.tv - Der Talk - Folge 38

Die großen Sorgen der kleinen Vereine

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