Copa America Centenario: Brasilien uninspiriert und im Glück

Guerrero köpft sich in Perus Geschichtsbücher

Abgeprallt: Dario Lezcano (#19) und Paraguay kamen nicht über ein 0:0 hinaus.

Abgeprallt: Dario Lezcano (#19) und Paraguay kamen nicht über ein 0:0 hinaus. picture alliance

Auftakt-Experten trotzen "Los Ticos"

Im überhaupt erst zweiten Spiel der Copa America Centenario standen sich Costa Rica und Paraguay gegenüber. Allerdings fieberten beide Fanlager vergeblich mit: Es waren an Höhepunkten arme 90 Minuten, bei denen sich beide Teams bei schwülen 32 Grad Celsius in Orlando kaum Chancen erarbeiten. Die beste Gelegenheit im ersten Durchgang hatte noch WM-Held Bryan Ruiz (Sporting Lissabon), der nach einer Flanke von Arsenals Joel Campbell aber zu zentral köpfte (17.). Und was war mit "La Albirroja" los? Die kam nur in Person von Ingolstadts Dario Lezcano, der in Paraguays Startelf stand, zu einer besseren Chance, doch auch sein Kopfball brachte keinen Erfolg.

Den unrühmlichen Schlusspunkt setzte Costa Ricas Kendell Watson, der "Los Ticos" einen Bärendienst erwies und Sekunden vor dem Ende mit einer Roten Karte vom Platz flog. Es blieb aber beim torlosen Remis, das Jürgen Klinsmanns US-Amerikaner nach der 0:2-Pleite gegen Kolumbien in Gruppe A auf den letzten Platz verwies . Für Paraguay wäre eine Niederlage zum Start aber auch ungewohnt gewesen: "La Albirroja" verlor keines seiner letzten 15 (!) Auftaktmatches (8/7/0) bei der Copa America. Am Dienstag dann trifft Paraguay auf Spitzenreiter Kolumbien, die USA bekommen es in Chicago mit Costa Rica zu tun.

Guerrero überholt Cubillas!

Chefsache: Peru kann sich auf seine Lebensversicherung namens Paolo Guerrero verlassen.

Chefsache: Peru kann sich auf seine Lebensversicherung namens Paolo Guerrero verlassen. picture alliance

Im zweiten Aufeinandertreffen war Peru gegen das kleine Haiti der klare Favorit. "La Blanquirroja" brauchte allerdings, um reinzukommen. Die beste Gelegenheit vergab noch Edison Flores, der Sekunden vor dem Pausenpfiff nur den Pfosten traf (45.). Anschließend schlug einmal mehr die große Stunde von Ex-Bundesligaspieler Paolo Guerrero! In der 61. Minute segelte eine Flanke von der linken Seite in den Strafraum, die der peruanische Angreifer mühelos aus fünf Metern einköpfte.

Der ausgelassene Jubel hatte gleich mehrere Gründe, gerade für Guerrero war es ein ganz spezieller Moment. Der ehemalige Münchner und Hamburger (161 Bundesligaspiele, 47 Treffer), der 2011 und 2015 Top-Torschütze bei der Copa America gewesen war, erzielte nämlich nicht nur sein elftes Copa-Tor, sondern gleichzeitig sein 27. im Trikot von "La Blanquirroja", was ihn in die peruanischen Geschichtsbücher brachte. Denn: Damit stellte Guerrero eine neue Bestmarke auf und schob sich am bisherigen Rekordschützen Teofilo Cubillas vorbei.

Dass ausgerechnet ihm das goldene Tor in Seattle gelang, war alles andere als Zufall - elf der letzten 20 Copa-Tore von Peru gehen auf Guerreros Konto. Es war der Start nach Maß für den zweimaligen Copa-America-Champion, der damit vorerst die Führung in der Gruppe B übernahm.

Nur Willian wirbelt - Ecuador-Treffer aberkannt

Das begünstigte vor allem der durchwachsene Auftritt von Rekordweltmeister Brasilien, der mit Dani Alves (FC Barcelona), Filipe Luis (Atletico), Casemiro (Real Madrid), Willian (FC Chelsea), Coutinho (Liverpool) und Benficas Jonas einige Hochkaräter von Beginn an ins Rennen schickte. Trotz der großen Namen aber enttäuschte die Selecao, die reichlich uninspiriert rüberkam - einzig Klopp-Schützling Coutinho sorgte für Gefahr (6.). Ansonsten war Chelseas Willian mit seinem hohen Tempo und den vielen Flanken noch Brasiliens Bester. 65 Prozent Ballbesitz und 91 Prozent Passquote halfen, das optische Übergewicht zu vermitteln, aber nicht um einen Treffer zu markieren.

Enttäuschung nach dem großen Highlight: Mit Real gewann Casemiro die Königsklasse, der Start mit Brasilien ging daneben.

Enttäuschung nach dem großen Highlight: Mit Real gewann Casemiro die Königsklasse, der Start mit Brasilien ging daneben. picture alliance

Auch im zweiten Abschnitt geizte die Mannschaft von Trainer Carlos Dunga mit Höhepunkten. Dann die Schrecksekunde: In der 66. Minute flankte Ecuadors Miler Bolanos in die Mitte, wo Brasiliens Schlussmann Alisson die Kugel ins eigene Netz lenkte. Jubel brandete auf, doch der Linienrichter entschied fälschlicherweise auf Abstoß. Er hatte die Kugel bei der Hereingabe bereits hinter der Grundlinie gesehen - eine Fehlentscheidung. Weil anschließend auch Lucas kein Glück im Abschluss hatte (84.), kam es zur zweiten Nullnummer des Abends. Insgesamt war der Auftritt des Rekordweltmeisters, der ohne seinen Superstar Neymar, der wegen des Olympiaturniers seine Copa-Teilnahme abgesagt hatte, schlichtweg enttäuschend.

"La Tricolor" war am Ende ebenfalls enttäuscht, konnte sich aber doch mit der Punkteteilung gegen den turmhohen Favoriten anfreunden. Für Ecuador war es erst der zweite der letzten 13 Copa-Vergleiche, den man nicht gegen Brasilien verlor. Für das Team von Gustavo Quinteros geht es am Donnerstag weiter, dann trifft Ecuador auf Tabellenführer Peru. Brasilien muss gegen Haiti Wiedergutmachung betreiben.

msc

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