"kicker.tv - Der Talk" - 3. Sendung

"Der Hummels-Wechsel ist optimal gelaufen"

Steffen Freund, Harald Gärtner, Marc Quambusch und Mounir Zitouni (v. re.) diskutierten angeregt über Vereinstreue und echte Liebe im Profifußball.

Steffen Freund, Harald Gärtner, Marc Quambusch und Mounir Zitouni (v. re.) diskutierten angeregt über Vereinstreue und echte Liebe im Profifußball.

Die Gäste: Moderator Marco Hagemann begrüßte Ex-Nationalspieler Steffen Freund, der nach zwei Schalker Jahren von 1993 bis 1998 in Dortmund und später in England (Tottenham und Leicester) spielte, den Geschäftsführer Sport des FC Ingolstadt, Harald Gärtner, Filmemacher und BVB-Fan Marc Quambusch sowie kicker-Redakteur und Ex-Profi Mounir Zitouni.

Geld regiert die Welt, warum sollte dies ausgerechnet beim Profifußball anders sein? Bei der Debatte um Hummels' Vereinswechsel vom Vizemeister zum Rekordmeister war unter den Gästen schnell klar, dass der monetäre Faktor eine wichtige Rolle gespielt haben dürfte. "Glauben Sie ernsthaft, dass er bei den Bayern jetzt weniger verdient, als beim BVB?", fragte Steffen Freund rhetorisch. Der Ex-Profi bestätigte zudem, dass der finanzielle Lockruf aus München auch schon zu seiner Zeit Mitte der Neunziger der lauteste war, insofern hatten die Bayern immer die besten Karten auf dem Transfermarkt. "Dadurch haben sie sich ihre Vormachtstellung gesichert", so Freund.

Bundesliga - 34. Spieltag
Bundesliga - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
Bayern München
88
2
Borussia Dortmund
78
3
Bayer 04 Leverkusen
60
Bayern München - Vereinsdaten

Gründungsdatum

27.02.1900

Vereinsfarben

Rot-Weiß

Borussia Dortmund - Vereinsdaten

Gründungsdatum

19.12.1909

Vereinsfarben

Schwarz-Gelb

Es gab eine Anfrage, es gab Verhandlungen, einen Deal - optimal.

Harald Gärtner über den Hummels-Wechsel

Dennoch gibt es eben die Legenden, die immer ihrem Verein treu geblieben sind und so zu den absoluten Fan-Lieblingen wurden: Uwe Seeler 19 Jahre HSV, Sepp Maier immer FC Bayern oder Charly Körbel mit 602 BL-Spielen für die Frankfurter Eintracht. "Der große Unterschied zu heute ist einfach, dass zwischen den Bayern und dem Hamburger SV früher kaum finanzielle Unterschiede vorhanden waren, da stellte ein Nichtwechsel keinen Verlust da", so Zitouni hinsichtlich der sogenannten "guten alten Zeit". Die Dimensionen haben sich "total verändert", so Zitouni, "auch wenn das nicht unbedingt für Hummels gilt, aber Vereinswechsel ermöglichen den Spielern ihr Luxusleben".

Als wesentlicher Faktor bei Transfers wurde immer wieder das Thema Ablöse als ausgleichender Faktor genannt. "Als Verein hat man mit einem solchen Transfer natürlich wirtschaftliche Flexibilität und kann entsprechend reagieren", erläuterte Gärtner, "aus meiner Sicht ist der Hummels-Wechsel optimal gelaufen. Es gab eine Anfrage, es gab Verhandlungen, einen Deal - optimal."

Er könnte ja die Kapitänsbinde für das Spiel in Berlin an Marcel Schmelzer abgeben.

Marc Quambusch

Quambusch, der leidenschaftliche BVB-Fan, konnte die Gründe für den Hummels-Wechsel aus sportlicher Sicht und aus familiären Gründen nachvollziehen. "Das ist alles ok, aber er sollte sich vorher nicht so weit aus dem Fenster lehnen und einen auf Folklore machen und dann doch weggehen", so der Filmemacher, der bei der Vorstellung, dass Hummels am Samstag den DFB-Pokal als BVB-Kapitän in Empfang nimmt, "irre wird. Er könnte ja die Kapitänsbinde für das Spiel in Berlin an Marcel Schmelzer abgeben", so Quambusch.

Neben Spielerwechseln wurde in der Runde auch das Thema Trainerwechsel diskutiert. Gerade Ingolstadts Manager Gärtner, der gerade erst Coach Ralph Hasenhüttl an RB Leipzig für rund zwei Millionen Euro "verloren" hat, wies darauf hin, dass diese Position in den Vereinen der "absolute Schlüssel", aber die Wertigkeit auf dem Markt dafür nicht gegeben sei. Zitouni bezog in dieser Hinsicht klar Stellung und prophezeite, dass "in vier bis fünf Jahren Ablösesummen für Trainer im Bereich von bis zu 20 Millionen Euro gezahlt werden." Das sei eine ganz neue Entwicklung, so der Bayern-Reporter des kicker.

Eine Entwicklung, die für den Fußball-Fan auch gefährlich ist, denn: "Wenn alle austauschbar ist, wenn der Kommerz überhand gewinnt, dann dreht sich der Fan bei diesen Summen weg", so Zitouni, "auch wenn wir uns alle wünschen, dass Hummels 15 Jahre das BVB-Trikot küsst und dann eine Statue hingestellt bekommt."

In der Abschlussfrage-Runde entwarf Moderator Hagemann folgendes Szenario für das Pokalfinale zwischen den Bayern und dem BVB: Stellen Sie sich vor, es kommt zum Elfmeterschießen. Lassen Sie Hummels antreten?

Steffen Freund: "Ich würde ihn das selbst entscheiden lassen."

Harald Gärtner: "Ich würde ihm zu 100 Prozent vertrauen, dass er ihn reinmacht, weil er den Titel holen will."

Marc Quambusch: "Als Fan nein, als Trainer bin ich zum Glück nicht in der Verantwortung."

Wenn Hummels als Pokalsieger nach München kommt, hat er dort einen ganz anderen Aufschlag.

Mounir Zitouni

Mounir Zitouni: "Wenn es so kommt, dann würde ich ihm aus Dortmunder Sicht wünschen, dass er den entscheidenden Elfmeter reinmacht, weil er dann als Pokalsieger nach München kommt und dort dann einen ganz anderen Aufschlag hat."

kon

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"Die Hummels-Debatte" - oder das Ende der echten Liebe?

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