Nationalmannschaftspause, um in Gladbach durchzustarten

Traoré: Darum Borussia statt Guinea

Ibrahima Traoré

Brachte nach seiner Einwechslung etwas Schwung ins Gladbacher Spiel: Ibrahima Traoré. imago

Auch Trainer Lucien Favre hob die starke defensive Leistung der Gastgeber hervor, die nach dem Treffer von Tranquillo Barnetta in der elften Minute geschickt und konzentriert sämtliche Fohlen-Angriffe stoppte: "Wir haben die Partie zwar über weite Strecken kontrolliert und hatten viel Ballbesitz, das hat aber leider nicht gereicht, um zu punkten. Schalke war sehr gut organisiert und hat klasse verteidigt."

Jetzt wissen die Borussen, wie sich der SC Freiburg am Dienstag gefühlt haben muss. Beim Gladbacher 1:0-Heimsieg unter der Woche waren es die Breisgauer, die vor allem in der zweiten Hälfte fast permanent in Ballbesitz waren, die entscheidende Lücke allerdings nicht fanden. So ähnlich erging es der Favre-Elf am Freitagabend auch. Viel Ballbesitz, viele Stafetten in der gegnerischen Hälfte – nur in den Torabschluss kam der Europacup-Aspirant nicht. Am Schalker Beton mit einer Fünferkette in der Abwehr und einem Dreierriegel davor bissen sich Max Kruse, Raffael und Co. die Zähne aus. "Ich habe ja schon oft gegen Schalke und auch auf Schalke gespielt. Aber so defensiv habe ich die Schalker noch nie erlebt", sagte Tony Jantschke.

Lichtblick Traoré konzentriert sich jetzt auf Gladbach

Spielbericht

Als Lichtblick entpuppte sich immerhin Ibrahima Traoré. Mit seiner Einwechslung in der 63. Minute gewann das Offensivspiel der Gäste zumindest etwas an Schwung. Ein blitzschneller Antritt und die Fähigkeit, sich in Eins-gegen-Eins-Situationen durchzusetzen, machen den Außenbahnspieler zum geeigneten Kandidaten gegen kompakt stehende Defensivreihen. Für die Startelf kam Traoré nach seiner Rückkehr vom Afrika-Cup am Dienstag allerdings nicht infrage. "Ich war nach den Reisen etwas müde. Und die Umstellung war auch nicht einfach für mich: 30 Grad beim Afrika-Cup, in Deutschland null", berichtete der Guineer.

Die Strapazen durch das ständige Pendeln zwischen Deutschland und Afrika entfallen in Zukunft. Traoré hat sich nach dem Viertelfinal-Aus Guineas bei der Kontinentalmeisterschaft entschlossen, das Thema Nationalmannschaft – vorerst – zu beenden. "Ich bin müde von den vielen Reisen. Ich muss mich jetzt auf meinen Verein konzentrieren", sagte er dem kicker. Ob es sich um eine Nationalmannschaftspause oder um einen Rücktritt handelt, ist nach Aussage Traorés offen. "Das weiß ich noch nicht. Erst einmal ist es eine Pause, dann schauen wir mal, wie es sich entwickelt. Wenn es bei mir ohne Nationalmannschaft besser läuft, kehre ich vielleicht nicht mehr zurück." Im Gladbacher Konkurrenzkampf auf den Flügeln hatten in der Hinrunde oftmals andere Spieler die Nase vorn. Traoré hofft, ohne die Zusatzbelastung bessere Chancen zu besitzen. "Ich will natürlich mehr Spielanteile im Verein bekommen. Da war die Nationalmannschaft eher ein Nachteil." Seine Landsleute zeigen wenig Verständnis für diese Entscheidung, schließlich verliert Guinea sportlich einen Kopf und Kapitän des Teams. "Die Menschen in Guinea sind enttäuscht", weiß Traoré, "aber manchmal muss ich an mich denken."

Jan Lustig