Endras hält DEB-Team lange im Spiel

Lettland schockt Deutschland

Dennis Endras

Monster-Save: DEB-Goalie Dennis Endras (re., gegen Aleksejs Sirokovs) zeigte spektakuläre Paraden gegen Lettland. picture alliance

Team Deutschland ging wie schon beim 3:0-Auftaktsieg gegen Italien als Favorit in die Partie gegen Lettland. Der Baltenstaat fand aber schneller Zugriff auf das Spiel und brachte in der Anfangsphase viele Scheiben auf das deutsche Tor. Endras erwies sich aber einmal mehr als sicherer Rückhalt und behielt zunächst eine weiße Weste. Die DEB-Auswahl fand im ersten Durchgang offensiv fast gar nicht statt und baute stattdessen die Letten durch individuelle Fehler und Ungenauigkeiten im Aufbauspiel auf.

Das sollte bestraft werden: Nach einem Schlagschuss herrschte Verwirrung in der deutschen Verteidigung. Miks Indrasis behielt als einziger den Überblick, umkurvte den Keeper und schoss zur hochverdienten Führung ein (12.). Das DEB-Team wachte nun auf und störte Lettland schon im gegnerischen Drittel mit aggressivem Forechecking. Daraus resultierten einige gute Möglichkeiten. Die beste hatte der WM-Debütant Sinan Akdag, der zusammen mit Daniel Pietta nochnominiert wurde. Den Schuss des Verteidigers angelte sich Torwart Edgars Masalskis (16.). Sein Gegenüber, Endras, zeigte sich ebenfalls in Top-Form, bot spektakuläre Paraden und hielt seine Farben so im Spiel. Vor allem bei der Doppelchance von Mikelis Redlihs und Aleksejs Sirokovs zeigte der 26-jährige Allgäuer Monster-Saves (18.).

Einmal Pfosten, einmal Latte, zwei Tore

Eishockey-WM 2012

Auch im zweiten Abschnitt fand Deutschland nicht zu seinem Spiel und offenbarte defensive Schwächen. Wie ein Messer durch die warme Butter rutschte der Puck von der rechten Bande quer durch die Verteidigung zu Aleksejs Sirokovs, der aus kurzer Distanz an Endras scheiterte. Mikelis Redlihs staubte zum 2:0 ab (24.). Immerhin hatte das DEB-Team sofort eine passende Antwort parat: Nach einem Bulligewinn im gegnerischen Drittel zog Verteidiger Kevin Lavallee ab und traf mit John Tripp seinen eigenen Mann. Der wuchtige Stürmer reagierte aber schnell und wischte die Scheibe zum 1:2-Anschluss ins Netz (25.).

Der Treffer gab den Jungs von Bundestrainer Jakob Kölliker neues Selbstvertrauen, denn fortan spielte Deutschland und tauchte immer gefährlicher vor dem Tor auf: Marcel Goc (30.) und Sebastian Furchner (32.) scheiterten an Masalskis. Patrick Reimer hämmerte den Puck an den Pfosten, doch Philip Gogulla setzte nach und spielte Kai Hospelt vor dem Tor frei, der zum 2:2-Ausgleich einschob (33.). Kurz vor der zweiten Pause setzte Christoph Ullmann noch ein Ausrufezeichen und donnerte die Scheibe nach feiner Kombination an die Latte (40.).

Sirokovs sorgt für die Entscheidung in Überzahl

Team Lettland

Jubel-Troika: Guntis Galvins, Miks Indrasis und Krisjanis Redlihs (v.l.n.r.) freuen sich über einen unerwarteten Sieg über Deutschland. getty images

Zu Beginn des Schlussdrittels musste die DEB-Auswahl erstmal eine Unterzahlsituation überstehen. Hospelt kassierte die bis dahin erste Strafe der Partie wegen eines hohen Stocks (41.). Die Letten starteten wütende Angriffe, doch das Abwehrbollwerk hielt stand. In der Folge entwickelte sich ein Spiel auf Augenhöhe. Deutschland kam mit Ullmann und Reimer gefährlich vor das gegnerische Tor (48.), ließ die Balten durch unnötige Strafen (Greilinger/Halten, Ondruschka/Spielverzögerung) aber immer wieder aufkommen.

Das nutzte Lettland zur erneuten Führung: Im Powerplay zog Sirokovs aus der Drehung ab und knallte die Scheibe unter die Querlatte zum 3:2 (53.). Nun war die Kölliker-Truppe gefordert, spielte offensiv nach vorne und schnürte ihren Gegner in deren Drittel fest. Beim Abschluss fehlte aber weiter die Präzision. Als Endras sein Gehäuse für einen zusätzlichen Stürmer verließ, hatte Christoph Schubert den Ausgleich auf der Kelle, scheiterte aber an Masalskis (59.).

"Die Letten haben einen hohen Rytmus angeschlagen und uns unter Druck gesetzt", sagte Kölliker nach dem Spiel, "wir haben heute einen Fehler zuviel gemacht. Am Schluss ist das Pendel auf die lettische Seite ausgeschlagen."

Nach dieser Niederlage belegt Deutschland den dritten Platz in der Stockholm-Gruppe, Lettland arbeitet sich auf Rang fünf vor. Die DEB-Auswahl hat jetzt schwere Aufgaben vor der Brust: Am Dienstag (20.15 Uhr) heißt der Gegner Russland, schon am Mittwoch trifft man auf Gastgeber Schweden. "Die Welt ist in Ordnung, denn wir sind weiter im Turnier dabei. Jetzt bereiten wir uns auf Russland vor. Die haben eine super Truppe, aber man kann jeden Gegner schlagen. Wir sind bereit und gehen erhobenen Hauptes in dieses Spiel", gibt sich Kölliker optimistisch.

Deutschland - Lettland 2:3 (0:1,2:1,0:1)

Tore: 0:1 Indrasis (12.), 0:2 Mikelis Redlihs (24.), 1:2 Tripp (25.), 2:2 Hospelt (33.), 2:3 Sirokovs (53.)
Schiedsrichter: Levonen (Finnland), Reiber (Schweiz)
Zuschauer: 4.162
Strafminuten: Deutschland 6, Lettland 0

Deutschland:

Tor: Endras.
Verteidigung: Ondruschka, Fischer; Krueger, Schubert; Reul, Nikolai Goc; Lavallee, Akdag.
Sturm: Tripp, Hospelt, Furchner; Reimer, Ullmann, Gogulla; Kink, Barta, Kaufmann; Greilinger, Marcel Goc, Pietta.
Trainer: Kölliker.

Lettland:

Tor: Masalskis.
Verteidigung: Galvins, Krisjanis Redlihs; Bartulis, Cibulskis; Sotnieks, Pujacs; Lavins.
Sturm: Sprukts, Mikelis Redlihs, Indrasis; Daugavins, Sirokovs, Cipulis; Bukarts, Berzins, Meija; Kenins, Saulietis, Stals; Jass.
Trainer: Nolan.

25

25 Mann für Stockholm & Helsinki